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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-02-05 · Heft 6 (5.2.1878) · p. Seite 91

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 6 (5.2.1878)
Date
1878-02-05
Page
Seite 91 (sequence 11)
Language
German
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91 guten Geiste beseelt und durch die besten Absichten für das Wohl des Landes, das sie leiten, bewogen, allmälig die Lage der Juden! von Stufe zu Stufe verbesiern werben, um ihnen zum Range in der Gesellschaft zu verhelfen, der ihnen als Aequivalent ihrer bürgerlichen Leistungen gebührt. Wir wollen hoffen, daß auch für uns bald die Stunde der Erlösung schlagen wird. Hierfür mögen sich auch unsere auswärtigen Glaubensgenosien interessiren, und es wird dies nicht ohne Einfluß bleiben. Adolf Wahrmann, «and. juris. Rußland. Odessa, 22. Januar. (Privalmitth.) Unsre Glaubensgenoffen in Rußland haben dieser Tage einen schweren und herben Verlust erlitten! Samstag den 12. Ls. verschied in Paris, nach kurzem Krankenlager, im 67. Jahre seines Lebens, der kais. russische Commerzienrath und Ritter, Baron Joseph von Günzburg. Der Verblichene, dessen sterbliche Reste Dienstag den 15. ds. auf dem Friedhöfe zu Montparnaffe beigesetzl wurden, war, wenn wir nicht irren, in Wilna geboren. Mil Glücksgütern reich gesegnet, zog er vor ungefähr zwei Jahrzehnten nach der Weltstadt Paris, wo sein gastfreundliches Haus allgemein bekannt war. Das unermeßliche Vermögen, das ihm zu Gebote stand, benutzte er dazu, um vieles Gute zu stiften. Er war ungemein freigebig und ließ in Rußland viele jüdische Jünglinge auf seine Kosten erziehen. Bei jeder wohlthärigen Sache stand der Verewigte stets an der Spitze. Wir erinnern unter Anderm daran, wie er beim Attentat auf Se. Maj. den Kaiser Alexander U. im Jahre 1867 der Stadt Paris eine Summe von 56,000 Frcs. zum Zwecke überwies, vier Stipendien in den Communalschulen zu gründen; außerdem stiftete er zur Erinnerung an die glückliche Rettung unseres geliebten Monarchen zwei Stipendien in Len Rabbinerschulen Wilna und Zykomir. Während der Belagerung von Paris errichtete er in feinem Hotel eine Ambulanz für Verwundete. Für die russischen Verwundeten im jetzigen Kriege spendete der Heimgegangene eine bedeutende Summe. Wir haben bloß einige Episoden aus seiner großen Wohlthätigkeil hervorgehoben; denn wollten wir hier Alles aufzählen, was der Verewigte Zeit seines Lebens gethan, so müßten wir viele Seiten in Anspruch nehmen. Das Wohl seiner Glaubensgenoffen lag dem Verstorbenen am Herzen, und sehr oft benutzte er seine hohe Stellung und seinen großen Einfluß, um sie bei der höchsten Behörde zu vertreten. Vor einigen Jahren erst ging er speciell nach St. Petersburg, um sich beim Minister des Innern für das Wohl seiner Brüder zu verwenden. Die, man kann wohl sagen, unglückselige Judenfrage beschäftigte ihn Zeit seines Lebens, und wie wir oben bemerkt haben, sparte der Dahingeschiedene weder Zeit noch Geld, um die Lage seiner Brüder zu verbeffern. Der Heimgegangene war es, der vor vielen Jahren die „Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den Juden in Rußland" in St. Petersburg in's Leben rief, der er jährlich mehrere Tausend Rubel spendete. Der Zweck dieser Gesellschaft ist, Schulen zu unterstützen und nützliche Schriften zu verbreiten. Für Kunst und Wiffenschafl, wie für alles Hohe und Schöne empfänglich, besaß er in seinem prachtvollen Palais in Paris eine äußerst gewählte Bilvergallerie und seltene Gegenstände der Kunst von großem Werlhe. Er hinterläßt eine Bibliothek alter, werthvoller jüdischer Manuscripte, die sich unter der Aufsicht des gelehrten Senior Sachs befindet. Der Verblichene war ein Kenner der hebräischen Sprache und Literatur und schrieb diese Sprache gut. — Der Verewigte hat im Laufe seines Lebens viele Thränen getrocknet, viel Elend gelindert; darum weinen ihm, bei seinem Hintritte, viele Thränen nach! — Das Leichenbegängniß des Dahingeschiedenen zeigte deutlich, welche Achtung derselbe in der Pariser Gesellschaft genoß. Außer seiner zahlreichen Familie folgten der Bahre: Der russische Gesandte, Fürst Orloff, mit dem ganzen Personal der Gesandtschaft, der russische General-Consul und Vice-Consul, der hohe Adel, die Spitzen der Pariser Finanzwelr, Vertreter der Kunst und Wissenschaft, der Maire des XVII. Arrondissements und eine große Anzahl seiner Freunde und Bekannten. — Aus dem Friedhofe hielten die Großrabbiner Isidor und Zadik Kohn die Leichenreden. — Möge dem Verewigten die Erde leicht sein und sein Andenken gesegnet bleiben! — L. T. Bonn, 27. Januar. (Notizen). Wie man uns aus Deventer in Holland vom 15. Januar schreibt, wurde vor Kurzem Las 25-jährige Amtsjubiläum des Oberrabbiners in Ober-'Assel Herrn Nr. Jacob Fränkel in Zwolle und bei seiner jüngsten Jnspectionsreise auch in den anderen Gemeinden seines Sprengels festlich begangen, und dem Jubilar durch Adressen prachtvolle Ehrengeschenke, Feier in der Synagoge und Schule und Festessen die dankbare Anerkennung seiner Gemeinden bezeugt. — Aus Schwetz schreibt man uns unterm 24. Januar: Nachdem bas geistige Leben unserer Stadl lange Jahre hindurch stagnirt hat, scheint sich dasselbe durch durch den Impuls des aus weiter Ferne hierhergekommenen Rabbiners der hiesigen jüd. Gemeinde, Herrn Nr. Dankowicz, dem der Ruf vielseitiger Bildung voranging, neu beleben zu wollen. Herr Nr. D. unternahm es, in der Aula am letzten Dienstag und Donnerstag Vorlesungen über „das sociale Gesetz der Gegenwart" zu halten, ein für die hiesigen gesellschaftlichen Verhältnisse und für die Stellung des Herrn Nr. D. doppelt kühnes, aber lobenswerthes Unternehmen. Herr Nr. D. verstand es an beiden Abenden, den Zuhörern in fesselnder und geistreicher Weise das große Gesetz der Association und der Gegenseitigkeit — „Einer für Alle und Alle für Einen" — welches er als Fundament einer jeden ge- 6*

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