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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-02-05 · Heft 6 (5.2.1878) · p. Seite 90

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 6 (5.2.1878)
Date
1878-02-05
Page
Seite 90 (sequence 10)
Language
German
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90 Rumänien. Bvttuschau, 17. Januar. lPrivatmitth.) Wenn schon vorauszusehen war, daß die vielen Opfer, die die Juden Rumäniens während dieses für die Geschichte unseres Landes so bedeutungsvollen Krieges gebracht, wodurch sie ihre Sympathien, ihre Anhänglichkeit an ihr Vaterland in ruhmvollster Weise bewiesen, nicht ohne gebührende Anerkennung, nicht ohne Vergeltung bleiben werden; so hat unser erlauchter Fürst dargeihan, daß er die öffentliche Meinung genügend zu würdigen versteht. Der officielle „Monitorul" und der officiöse „Romanul" bringen ein Verzeichniß derjenigen Männer, welche bei Gelegenheit des Neujahrsfestes (alten Styls), aus Rücksicht auf ihre Verdienste um das Vaterland in geistiger und materieller Beziehung, mit dem neugeschaffenenen Orden „Stern Rumäniens" decvrirt wurden, und da erscheinen in dieser Liste auch die Namen zweier Juden: das Haus M. Hillel, Banquier in Bukarest, und das Haus Michael Daniel, Banquier in Jaffy. Die Begründer dieser jetzt durch ihre Kinder repräsentirten Firmen haben sich ihrer Zeit stets um die geistige und materielle Hebung des Judenthums in unserem Lande in hervorragender Weise hervorgerhan und kann man dem Fürsten zu dieser Wahl Glück wünschen, da er dadurch die unvergänglichen Verdienste dieser Männer in glänzendster Weise durch seine Gunst belohnt hat. — Bedenkt man übrigens die Tragweite dieses Schrittes im Allgemeinen, so wird Niemand leugnen können, daß damit der erste Versuch die Stellung der rumänischen Juden zu einer bessern und menschenwürdigern zu gestalten, gemacht worden. Uebrigens wird ihn auch der größere Theil des rumänischen Volkes günstig aufnehmen. Denn wer in den Verhältniffen unseres Landes nur einigermaßen bewandert ist, wird wissen, daß der Judenhaß in Rumänien eigentlich nicht populär ist. Das rumänische Volk ist von sanftem, duldsamem Charakter und würde sich mit seinen jüdischen Mitbürgern sehr gut vertragen, wenn die Hetzerei nicht von einigen Individuen ausginge, welche den Judenhaß als Aushängeschild ihrer Politik benutzen und dadurch das Herz des rohesten Theiles des Volkes auf ihrer Seite zu fesseln suchen. Sonst hat das rumänische Volk einen gesunden Kern und würde man — das wird Jeder zugestehen muffen, der Land und Leute von Rumänien genau, und nicht nur oberflächlich kennt — bei einer etwaigen Gleichstellung der Juden auf dieser Seite auf keinen Widerstand stoßen. Denn ich wiederhole es — die Juden frage in Rumänien ist nie eine nationale, den Geist des Volkes beschäftigende, noch viel weniger vom religiösen Standpunkt discunrte Frage gewesen, wie es in andern Ländern, wo die Juden früher, theilweise noch jetzt, in gesellschaftlicher Beziehung zurückgefetzt waren, resp. noch sind, der Fall war. Wenn überall der Sinn des Volkes von einer intoleranten Geistlichkeit, die eine vorherrschende Stellung einnahm, belhörl und verdorben war, so blieb der Sinn des rumänischen Volkes von solchem schlechten Einfluffe verschont. Vielmehr zeigt unser Klerus eine Toleranz gegen Andersgläubige, die wahrhaft in Staunen setzt. JesuitiSmus und sonstige religiöse Jntriguen sind hier zu Lande nie heimisch gewesen. Die Religion hat sich bei uns nie in Politik gemengt, nie eine eigene politisch-klerikale Partei geschaffen und der liberalen gegenüber gestellt. Wenn in den letzten Jahren Judenhetzereien leider nur zu oft vorkamen, so ist doch der größere Theil der Bevölkerung davon freizusprechen und die Ursache, wie gesagt, nur darin zu finden, daß die Emeuten von Leuten angeregt und betrieben wurden, von einzelnen Individuen, die sich sonst auf bürgerliche Tugenden nichts zu Gute thun konnten, und darin ein großes Verdienst um ihr Vaterland gefunden zu haben glaubten. Auch dachten sie sich dadurch schnell einen guten, berühmten, oder besser berüchtigten Namen, und in der europäischen Presse viel von sich reden zu machen. Ist aber einmal von Seilen der Regierung die Initiative ergriffen, die Lage der Juden zu verbessern, dann wird sie sicherlich beim Volke eine billige Beurtheilung finden, und die Pläne der Judenhetzer werben zu Schanden werden. Ist überhaupt dieser Krieg einmal zu Ende unv die orientalische Frage gelöst, dann wird der Osten Europas eine neue Gestaltung bekommen haben, die Cultur in diesen Ländern vielleicht eine bessere geworden sein, so daß sich das alte Sprichwort „ex Oriente lux“ wird bewahrheiten können, dann werden die Juden als Culturträger in allen Ländern auch hier eine große Mission haben. Es wird dann endlich die Emancipation der Juden in Rumänien, das als unabhängiges und gestärktes Fürstenthum hervorgehen dürste, eine der Hauptbedingungen des Gedeihens und Florirens sein. Haben die Juden Rumäniens schon in diesem Kriege alle Opfer für ihre Heimath gebracht, haben jüdische Jünglinge auf den Schlachtfeldern Bulgariens für die rumänische Unabhängigkeit ihr Leben ausgehaucht, werden gar manche Juden auf die Narben ihrer Wunden, die sie sich bei Rahova, Grivitza, Plewna geholt, als auf die schönste Decoration ihrer Bürgerpflicht berufen können; — was ist das erst gegen das, was die Juden im Frieden, wo Handel und Gewerbe blühen, der Geist eine gehörige Pflegstäkte fordert, durch ihre intellectuellen Kräfte, da sie in geistiger wie materieller Beziehung in Nichts ihren christlichen Mitbürgern nachstehen, dem Lande werden leisten können. Wenn nun durch einen Ausspruch des hohen Caffationshofes Juden wieder städtische Grundstücke kaufen können, wenn man bereits in der Residenzstadt Bukarest Juden in die Nationalgarde aufzunehmen beginnt, wenn einige jüdische Krieger den Officiersrang, manche brave jüdische Kämpfer die Tapferkeitsmedaille erhalten haben, wenn endlich bei den Neujahrscecorationen auch zwei Juden eine würdige Berücksichtigung fanden und ein sie ehrendes Neujahrsangebinde als Belohnung ihrer Verdienste bekamen, dürfen wir, ohne die Sachlage geradezu zu optimistisch beurtheilt zu haben, dies als Symptome einer bessern friedlichern Zeit für die Juden Rumäniens ansehen, dürfen wir hoffen, daß unser erlauchter Fürst und seine hohen Räthe, vom

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