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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-02-05 · Heft 6 (5.2.1878) · p. Seite 88

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 6 (5.2.1878)
Date
1878-02-05
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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88 auch als solche um die Allgemeinheit betrachte, so konnte mir dies nur zur innigsten Befriedigung gereichen. Nr. Ludwig Philippson. Auö Württemberg, 24. Januar. (Privatmitth.) Eines gewissermaßen allgemeinen Principes wegen ist wohl hier ein Fall zu erwähnen, den jüngst die Strafkammer zu Ellwangen zu entscheiden hatte. In einer Synagoge wurden von den Synagogenleuchtern Lichter weggenommen und es fragte sich, ob der schwere Fall des §. 243 Ziff. 1 des Reichsstrafgesetzbuchs vorliege , wonach, wenn „aus einem zum Gottesdienste bestimmten Gebäude Gegenstände gestohlen werden, welche dem Gottesdienste gewidmet sind" ein Verbrechen, welches mit höherer Strafe bedroht ist, vorliegt. Es wurde seitens des Gerichts die k. israelitische Oberkirchenbehörde in Stuttgart um Auskunft ersucht, ob diese Lichter als dem „Gottesdienste gewidmete" Sachen anzusehen seien. Diese Behörde hat sich gutächtlich dahin geäußert: „im Gegensatz zu Jahrtagslichtern (Wachskerzen, welche bei Verrichtung gewiffer Gebete ritualmäßig angezündet werden) dienen die in den Synagogenleuchtern befindlichen Lichter weder zu einem liturgischen Zweck, noch zur Erhöhung der Feierlichkeit, sondern lediglich zur Bequemlichkeit der Kirchenbesucher beim Abendgottesdienst mit Rücksicht auf die eintretenve Dunkelheit, sie seien daher nicht als dem Gottesdienst gewidmete Sachen zu betrachten." Demgemäß kam nur der §. *242 des St.-G.-B. zur Anwendung. Aachen, 25. Januar. (Privatmitth.) Der hiesige Rabbiner, Herr Vr. H. Jaulus, ist von der königlichen Regierung zum Localschulinspector ernannt worden, wie auch die Regierung den hiesigen jüdischen Schulangelegenheiten gegenüber sich recht human und liberal zeigt. Breslau, 27. Januar, lPrivatmitth.) Der heute, als am Gedächtnißtage des Stifters der hiesigen „Fränckel'schen Stiftung" ausgegebene „Jahresbericht des jüdisch-theologischen Seminars" enthält als Programm eine Abhandlung des vr. B. Zuckermann: „Das Mathematische im Talmud, Beleuchtung und Erläuterung der Talmudstellen mathematischen Inhalts," auf welche in dieser Zeitung wohl zurückgekommen werden wird. Derselben sind auch die nöthigen Figuren hinzugefügt. Das Seminar zahlt gegenwärtig 3l Hörer, von denen 27 seit längerer Zeit die Anstalt besuchen, 4 wurden in diesem Jahre immatriculirt, 2 nämlich aus Deutschland und 2 aus Galizien; 4 Schüler der Anstalt werden am heutigen Tage als Rabbiner entlasten. Die Bibliothek, sowie die Stipendien des Seminars haben, wenn auch keine großen Zuschüste erhalten, doch ihren günstigen Fortgang. Hat die Zahl der Hörer am hiesigen Seminar auch abgenommen, so kann man dennoch einen erfreulichen, wenn auch allmäligen Aufschwung des Studiums der jüdischen Theologie in Deutschland wahrnehmen, da der Abgang am hiesigen Seminar durch die 22 Hörer der Berliner Hochschule — welche Zahl diese Zeitung aus authentischer Miltheilung angab — durch die Schüler des Hildesheimer'schen Seminars und die 19, gewiß bald steigende Zahl der Schüler des neuen Pester Rabbinerseminars in sehr großem Maße compensirt wird. Ich rechne hier auch die Pester Lehranstalt darum mit, nicht als ob ich dieselbe an Deutschland annectiren wollte, sondern weil eben aus Ungarn früher viele Zöglinge des Breslauer Seminars stammten, dies also bei obigen Zahlen in's Gewicht fällt. Oesterreich - Ungarn. Lemberg, 21. Januar. (Privatmitth.) Am 19. d. vollendete der in weiten Kreisen rühmlich bekannte vi*. me>I. Moritz Rappaport, der bei vielen unserer Leser durch sein episches Gedicht „Mose" in achtungsvollster Erinnerung stehen wird, sein siebzigstes Lebensjahr, und die überaus zahlreichen Verehrer deffelben benutzten dies, um ihm die Zeichen ihrer Anerkennung mit ihren Glückwünschen darzubringen. Herr vr. Rappaport hat in dreifacher Beziehung sich die Hochachtung und Dankbarkeit erworben. Zunächst erwarb er sich als Arzt um seine Mitbürger in treuester Erfüllung seiner Pflichten große Verdienste. Dann gehörte er zu der bereits sich immer mehr lichtenden Anzahl der Kämpfer vor, während und nach dem Jahre 1848 um diejenigen politischen Rechte, Freiheiten und Staatseinrichtungen, welche gegenwärtig zum größten Theile das Eigenthum der movernen Gesellschaft geworden sind, damals aber erst noch unv in heißem Streite zu erringen waren. Die gegenwärtige Generation sieht das als selbstverständlich an, was in jener Zeit von den Machthabern und deren großem Gefolge noch als Staatsverbrechen und gefährliche politische Schwärmerei oder gar Verschwörung gegen die Sicherheit des Staates und Umsturz aller gesellschaftlichen Ordnung betrachtet wurde. Unser Jubilar gehörte zu den Trägern der politischen Freisinnigkeil in unserer Stadt und Provinz, wo man freilich damals noch nicht ahnte, wie bald an die Stelle des Kampfes zwischen Liberalismus und Reaction, zwischen Constitutionalismus und Absolutismus der Kampf der Nationalitäten treten werde. Als dieser anbrach, zog sich auch Rappaport aus der politischen Arena zurück, mit der ganzen Festigkeit seines Charakters aus den von ihm bekannten politischen Grundsätzen wahrhaft freisinniger Entwickelung beharrend. Erklärlich ist es hieraus, daß sich die exclusiv polnischen Kreise von den Ovationen fernhielten, die dem verehrten Greise gebracht wurden. Es versteht sich von selbst, daß Rappaport bei allen diesen Bestrebungen auch die zu Liesen integrirend gehörende Gleichstellung seiner Glaubensgenossen mit aller Kraft anstrebte und sein ganzes Ansehen verwandte, sie nach innen und außen zur Emrncipation zu führen. Seine Wirksamkeit auf diesem Felde ist nicht gering anzuschlagen. Hierzu kommen noch endlich seine Verdienste als Dichter, als welcher er sich außer in dem oben erwähnten Epos besonders noch in der höchst originellen Dichtung „Bajazzo" und in vielen lyrischen Gedichten bewährte. Der Tag wurde wahrhaft festlich begangen. Schon in früher Morgenstunde versam-

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