Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1878)
- Date
- 1878-02-05
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
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85 wie in allem Uebrigen vollständig mit dem im ersten Band des Beth-Hamidrasch heransgegebenen hebräischen Text bis auf den einen Punkt, daß in jener die Aufschrift der Siegessäule, welche der heimkehrende Zochanan errichtet, lautet: ■pcpn b'tsp „Dem Makkabäer, dem Besieger der Gewaltigen". In dem hebräischen Exemplar fehlt der Name, und es heißt dort nur: L^prnTi rpnn; man müßte denn in Len voraufgehenden Worten IN« br «ipi einen Ersatz dafür finden. Es bleibt auffallend, daß schon Jochanan sich „Makkabäer" nennt, eine Bezeichnung, welche erst später Iudah, der Sohn des Matthatias, und dieser ausdrücklich, trägt; selbst zum Familiennamen wäre das Wort ^«21727271 „Hasmonaer" geeignet, das in dem aramäischen Text wiederholt in diesem Sinne vorkommt. Man wird deshalb kaum irren, wenn man annimmt, daß die Megillath Antiochus vielmehr die apokryphischen Makkabäerbücher als die späteren hebräischen Berichte vor Augen hatte, da nur jene die Bezeichnung „Makkabäer" kennen, Mischnah und Talmud hingegen und zum Theil auch Iosephus nur „Hasmonaer" gebrauchen. Zieht man alsdann noch die Darstellung in Betracht, die alles Wunderbare uud Uebernatürliche verschmäht und nur das Reinmenschliche berücksichtigt, so erweist sich vornehmlich das erste Buch der Makkabäer als das Vorbild, dem sich unser Midrasch angefchlossen hat, und dieser rechtfertigt dann ein höheres Alter, als man ihm von vornherein vindiciren möchte. Die Anklänge an Daniel und Esther, auf welche der gelehrte Herausgeber in der Einleitung aufmerksam macht, sind geeignet, diese Bermuthung zu erhöhen. In gleicher Weise und noch mehr als in den genannten Stücken ist die Geschichte von der Petrus-Legende betheiligt, die in der folgenden Nummer in der dritten und vierten Recension erscheint. Die Wogen der Verfolgung gingen hoch zur Zeit, da die katholische Kirche in Spanien zur Herrschaft gelangte und die Krrchenversammlung zu Toledo zu Ende des 6. Jahrhunderts das Judenthum ächtete. Damals rangen die Unglücklichen danach, den Bedrückern eine innere Glaubensgemeinschaft mit ihnen selbst nachzuweisen und ihre eignen Söhne als Diejenigen zu beglaubigen, welche die christliche Kirche gefestigt und ausgebaut hätten. Aus solchem Bestreben heraus entstand frühzeitig das „Toledoth Jefchu", an dessen Schluß die jüd. Petrus- Legende ihren Platz hat, deren ältester Bearbeitung der uns vorliegende Text entnommen ist. Simon Kepha, der St. Petrus genannt wird, tritt danach als Lehrer des Christenthums auf, um dessen Bekenner mit milder Gesinnung gegen die Juden zu erfüllen, denen er selbst angehört und im Herzen treu bleibt. Er zieht sich dann in Weltverschloffenheit zurück und bringt sein Leben mit der Abfassung heiliger jüdischer Poesien zu, die dem 1) In dem von Hrn. Lewinsohn (Hamagid 1873 Nr. 7—10) nach einer Londoner aramäischen Handschrift veröffentlichten hebräischen Text ist der Name ^2272 angegeben, dem die Worte n'72277 112277 folgen. Exilarchen in Babylonien zugesandt werden. Neben Petrus wird zugleich auch Paulus genannt, der aus gleichem Anlaß unter die Christen tritt, nach Antiochia und Liberias zieht und mit großem Nachdruck die Trennung zwischen Christen und Juden, aber auch zugleich die Liebe predigt, welche der Christ gegen den Juden üben müsse, um in Wahrheit seinen Heiland zu bekennen. Das große Interesse an der Simon Kepha-Agabah springt in die Augen bei dem gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen Forschung über den Aufenthalt und das Wirken des Petrus und Paulus zu Rom, wovon an dieser Stelle thatsächlich nichts erwähnt wird, während in der in Bd. V dieses Werkes veröffentlichten Agadah Petrus in Rom dichtet und dort sein Leben beschließt. Ueberhaupt hat unsere Recension den Werth größerer Zuverlässigkeit der Angaben und der Uebereinstimmung mit den Resultaten der Forschung, während die früher veröffentlichte ein Gemisch aus Berichten über den Apostel Simon und den Magier gleiches Namens zu sein scheint und den Charakter der Lehre des Paulus mit demjenigen des Petrus vermengt. Aber auch mit der Geschichte der jüdischen Liturgie ist diese Agadah innigst verknüpft, indem sie Petrus zum Autor von Piulim macht, und in der Thal wird ihm unter Anderem — mit Recht oder Unrecht — die Abfassung des n72«2 im Morgengebet des Sabbalh und 7721 77277« zugeschrieben. An diese Piece reihen sich noch 12 Nummern verschiedenen Inhalts an, welche der Geschichte wie dem Glauben, dem Denken und Fühlen vergangener Jahrhunderte farbenreiche und treue Schilderungen widmen, und einer jeden hat Herr L)r. Jellinek eine kurze Einleitung in deutscher Sprache vorausgeschickt, in welcher in knappster Form Belehrung über das Wesen des vorliegenden Stückes, bibliographische Mittheilungen, Winke und Anregungen zu weiterer Forschung gegeben werden. Man muß diese gelehrten und doch so anspruchslos geschriebenen Einleitungen lesen, um den ganzen Umfang des Wissens zu würdigen, über welches der Herr Verfasser verfügt, von der Fülle des Materials sich eine Vorstellung zu machen, über das er gebietet, und den ausdauernden Fleiß zu bemessen, welchen derselbe in den Dienst der Forschung stellt. Wir dürfen nur an die Zeit zurückvenken, wo wir zum ersten Mal die „Gottesdienstlichen Vorträge" zur Hand nahmen, mit welchen Altmeister Zunz epochemachend für die jüdische Wissenschaft auftrat, und uns nur erinnern, wie wir auf dem großen Midraschgebiet, in das er uns einführte, Fremdlinge waren, und von dem Besprochenen kaum die Namen kannten: dann werden wir dankerfüllt die bedeutende Thätigkeit Iellinek's anerkennen, der jenen damals geisterhaften Erscheinungen Leben und Gestalt gegeben und uns mit ihnen in. lebendigen Verkehr gebracht hat. An der Wiederauflebung der jüdischen Alterthumswissenschaft auf dem Gebiet der Agadah und des Midrasch hat der gelehrte Herausgeber des Beth-Hamidrasch neben Zunz und Rapaport den hervorragendsten Antheil. Bereits der 6. Theil des Werkes ist vollendet und wie die früheren im Verlage der