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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-29 · Heft 5 (29.1.1878) · p. Seite 77

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 5 (29.1.1878)
Date
1878-01-29
Page
Seite 77 (sequence 13)
Language
German
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77 willkommener ist uns ein Aufsatz in der wissenschaftlichen „Bej sonderen Beilage des Staatsanzeigers für Württemberg" Nr. 28 r vom 22. December, welcher über Nigri und seine Schriften ausf führlich handelt, und für die Geschichte der hebräischen Sprachc Wissenschaft nicht unwichtig ist. Wir bemerken im Voraus, daß, e wenn der Verfaffer dieses Aufsatzes sich zu der Meinung neigt, s daß Nigri nicht von jüdischer Abkunft gewesen, wir Alles, was , er über ihn ansührt, als einen Beweis für die bisherige Ansicht r halten. Der Beispiele, Laß die erbittertsten Verfolger der Juden , Apostaten waren, gab es leider zu jener Zeit zu viele. Seine t eminente Kenntniß des Hebräischen und des talmudisch-rabbinischen t Schriftthums ist für seine Zeit gar nicht anders erklärlich, und 5 endlich sagt er ja selbst, daß er mit den Juden längere Zeit in c Spanien in Schlupfwinkeln gelebt. Wir heben aus dem Auf- * satze Las für uns Wichtigere heraus. i In der Württembergischen Stadt Eßlingen bestand von i 1473—77 ein Drucker Konrad Fejner. Derselbe hat nicht i blos in wenig Jahren eine verhältnißmäßig stattliche Zahl von i Werken, in schöner Ausstattung, aber wie es leider scheint nur : in kleinen Auflagen gedruckt und verlegt, daher sie jetzt zu den : gesuchten Seltenheiten gehören, sondern er ist auch in etwas j vorangegangen, worin im ganzen 15. Jahrhundert kein anderer : deutscher Drucker ihm nachgesolgt ist: er war der erste, der < hebräische Typen gebraucht, und eine ganze Anzahl hebräischer , Wörter mit den dieser Sprache eigenen Buchstaben, daneben aber lange Texte in dieser Sprache in deutscher Transscription zu drucken gewagt hat. Dies that er auf Antrieb und unter Leitung des Petrus Nigri oder Bruder Peter Schwarz, eines der originellsten Mönche des Predigerordens aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, der die beiden hier zu beschreibenden Bücher verfaßt hat. Aus seinem Namen und der gewandten Handhabung der deutschen Sprache in seinem Hauptwerk sollte man schließen, daß er ein Deutscher von Geburt gewesen und allgemein hat er bisher für einen solchen gegolten. Nichtsdestoweniger scheint Nigri kein geborener Deutscher gewesen zu sein. Schon daß er zuerst in Montpellier und Salamanea, und erst später auf den „alamanischen" Universitäten Freiburg und Ingolstadt studirte, daß er selber weiter von sich sagt, er habe das Hebräische „vor vielen Jahren" in Spanien gehört „cum parvulis Judacorum in laii- Jmlis degcns“ läßt auf spanische, vielleicht spanisch-jüdische Herkunft schließen, und daS erstere dürfte zur Gewißheit werden durch seinen eigenhändigen Eintrag im Matrikelbuch der Jngolstävter Universität, wo er sich, in deren erstem Jahr, am 27. März 1473, unter den „personae illustriores “ als „F. Petrus Scliwarlz de Cadana “ eingeschrieben hat, wofern wir nämlich unter letzterem Orte, nicht das durch den „Kaadener Frieden" bekannte böhmische, sondern eines der spanischen Cadana zu verstehen haben. Daß er aber auch jüdischer Abkunft gewesen, möchte ich noch weniger als sicher behaupten, obwohl seine bei Christen jener Zeit ganz ungewöhnliche, genaue Kenntniß der hebräischen Sprache und der jüdischen Literatur, besonders des Talmud, und sein Eifer für Judenbekehrung sehr dafür sprechen. Es könnte mir sonst gehen, wie einem andern Forscher, der vor nicht gar langer Zeit einen dem Peter Schwarz sehr ähnlichen Mann, Johann Böschenstein von Eßlingen, um eben solcher Gründe willen, zum „Exjuden" gemacht hat, worauf es sich herausstellte, daß derselbe ums Jahr 1523 „ain diemietige Versprechung a erlaßen hatte „wider etlich die von jm sagen, Er sehe von jüdischem Stammen, und nit von gebornen Christen Herkommen" und in dieser Schrift den Grund für eine solche Verleumdung (und eine gefährliche Verleumdung war es damals) ganz richtig in dem Satze angegeben hatte: „Wir müsien entgelten der Hebrayschen hayligen Sprach, so wir von Christlichen altern geboren und diser (by uns ungewonlichen) hayligen zungen ain wenig bericht seynd, von unverstandenen Menschen verhaßt werden". Wie's also mit der spanischen oder deutschen, jüdischen oder christlichen Herkunft des Petrus Nigri stehen möge (beiläufig bemerkt Nigri und nicht Niger, wie Neuere ihn heißen, schreibt er sich in seinen lateinischen Werken immer). Hebräisch hat er verstanden, wie vor, zu und lange noch nach seinen Zeiten kein zweiter Christ, und benutzt hat er es wie auch vor, neben und nach ihm kaum ein anderer. Denn Judenmission und Äudenpolemik war geraume Zeit hindurch die Hauptaufgabe seines Lebens, und im Dienst derselben hat er auch die zwei in Eßlingen gedruckten Bücher geschrieben, erst später wurde er dieser Aufgabe entzogen (das fügen wir noch bei, um die Bedeutsamkeit des Mannes ahnen zu lassen), dadurch daß er vom Könige Ungarns Matthäus Corvinus auf Antrieb der Königin Beatrice, beziehungsweise ihres Beichtvaters Antonius Jacriatinus von Würzburg aus als Rector an seine neu errichtete Akademie nach Budapest berufen wurde. Bei dieser Beranlasiung gab er noch eine dem König gewidmete lateinische Vertheidigungsschrist der Lehre des Thomas von Aguino heraus („Schild der Thomisten gegen alle Verleumder der Lehre des Doctor angelicus"), die 1181 in Venedig (und 15o4 noch einmal) gedruckt wurde. Dies ist das letzte, was man von ihm weiß; über seine etwaige Thätigkeit in Pest, Ort und Zeit seines > Todes ist rein nichts bekannt; die Zerstörung der Pester Akademie l durch die Türken im Jahr 1541 scheint eine so vollständige ge- wesen zu sein, daß verschiedene Forscher deS vorigen Jahrhunderts; dort keinerlei Nachrichten mehr über ihn aufsinden konnten, und t auch unter den allerneustens aus Befehl des Sultans zurückge-- - gebenen Schätzen der alten Corvina findet sich nichts von ihm.; Es genügen aber seine zwei Eßlinger Schriften, verbunden mit einigen sonstigen Nachrichten, uns von diesem merkwürdigen i Mann und seiner judenmissionirenden Thätigkeit ein anschau- - liches Bild zu geben. (Schluß folgt.)

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