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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-29 · Heft 5 (29.1.1878) · p. Seite 76

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 5 (29.1.1878)
Date
1878-01-29
Page
Seite 76 (sequence 12)
Language
German
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76 wir meinen Talmud und Midrasch, haben so auffällig Geringes über sie erhalten, daß ohne jene uns nur fast eine kleine Mythe über sie aufbewahrt wäre. Die Kunst im weitesten Umfange hat sie nur durch ein Meisterwerk glorificirt, das Oratorium „Judas MakkabLus" von Handel; aber so unsterblich dieses Tonwerk, namentlich durch seine gewaltigen Chöre, ist, so liegt es doch in der Natur eines solchen, daß nicht der Gegenstand, sondern nur die musikalische Behandlung interessirt. Wozu der Makkabäerkampf am geeignetsten wäre, in einem Epos dichterisch verherrlicht zu werden, das hat noch Niemand unternommen. Das tragische Ende des Hasmonäifchen Hauses, wie es sich in dem schrecklichen Geschick der Mariamne darstellt, wurde von Voltaire der dramatischen, von Philippson der novellistischen Bearbeitung unterzogen. So viel Schönheiten das Voltairesche Stück im Einzelnen besitzt, im Ganzen ist cs verfehlt und die Charaktere sind so verzeichnet, daß es bald von der Bühne verschwand. Allerdings ward der siegreiche Kampf Juda's des ersten Makkabäers dramatisch behandelt von Wolff und Otto Ludwig. Des Letzteren Drama ist einige Male nicht ohne Erfolg aufgeführt worden. Im Ganzen aber kann es nicht zu den Meisterwerken der Dichtkunst gerechnet werden, und leidet an fremdartigen Zügen, die zu anachronistisch sind, um nicht das Drama zu schädigen, so viele Freiheit über den geschichtlichen Stoff man auch den Dichter zugestehen muß. Nun ist gar das Drama Otto Ludwig's zu einem Operntexte verwandt worden. Der «erst. Mosen - thal hat den Text zu einem Libretto in drei Aufzügen verarbeitet, und die Musik hat Anton Rubinstein geliefert. Die Oper wurde in Berlin mehrere Male aufgeführt und hat vielen Beifall gefunden, ohne jedoch einen solchen durchschlagenden Erfolg zu erlangen, daß sie einen Umzug über die europäischen Bühnen gehalten hätte und dauernd dem Repertoire angehörte. Wie uns fachkundige Hörer versicherten, kämen in dieser Opernmusik recht viele Anklange an synagogale Gesänge vor, welche einen außergewöhnlichen Eindruck übten. Es lag dies nahe, da, abgesehen von Psalmstellen, auch das Lechoh daudi in den Text ausgenommen worden: „Sabbathruhe, heil'ge Feier, Die der Herr uns angelraut, Israel, Dein trauter Freier Harret Dein, Du süße Braut!" Das Textbuch liegt uns vor und wir muffen gestehen, daß wir uüt dem besten Willen auch nicht eine einzige Stelle in ihm finden können, die über das Mittelmäßige hinausginge. Wie sehr steht dieser Text in den schwungreichsten Piecen den Psalmen nach, welche von einigen Kritikern der makkabäischen Zeit zugeschrieben werden, und die doch nicht zu den classischen des Psalmenbuchs gehören. Wir setzen hier die Glanzstelle des Textbuches als Probe her. Judah findet feine Noemi wieder. Ihr Duett lautet: Judah. „Röslein von Saron, o laß mich Dich grüßen! Bote des Himmels, den ich erbat! Leuchtende Sonne auf nächtlichem Pfad, Laß mich Dich faffen, laß mich Dich küffen! Segen verheißt mir Dein lieblicher Gruß, Röslein von Saron! mich weihe Dein Kuß! N o im i. Judah, mein Hort, mein Geliebter, mein Leben, Ruh' ich geborgen nun an Deiner Brust, Ach, wie entschwindet mein Zagen, mein Beben, Ach, wie durchzittert mich himmlische Lust. Laß Dich umfaffen mit liebendem Gruß, Laß mich vergehen im wonnigen Kuß!" Gleich darauf lautet der Schlachtgesang Judah's und Noi-mi's: Judah. N o <- m i. „Sonne von Jericho! Erwache! Ha, wie des Horebs Flamme loht! Entstiegen aus der Nacht bist Du, Tag der Rache, Sieg Israel! den Heiden Tod! Steig' aus blut'gem Morgenroth Wie ein Held zum Kriege, Leuchte sei zum Heldentod! Doch zum Heldensiege Stähle uns'rer Kämpfer Arm, Blend' der Feinde frechen Schwarm, Scheuch' sie fort wie Qualm der Nacht, Schrecke sie mit Wettern. Israel in alter Pracht, Laß den Feind zerschmettern! Sonne von Jericho! Gegrüßt Seist Du! Entstiegen Aus der Nacht bist Du, Tag der Rache, Sieg Israel! Den Heiden Tod! Peter Schwarz oder ketrus Nigri. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts hat sich unter den Verfolgern der Juden, welche theils in öffentlichen Disputationen die Juden bekehren oder doch beschimpfen und verhaßt machen wollten, theils in Schriften gegen sie auftraten und ihnen alle möglichen Schandthaten aufbürdeten, der Bruder Peter Schwarz, Petrus Kigri genannt, besonders bekannt gemacht. Doch wissen wir von seinem Lebensgange wenig und die von ihm herausgegebenen Schriften gehören zu den größten Seltenheiten. Grätz führt ihn nur unter den getauften Juden auf, welche gegen ihre früheren Glaubensgenossen wütheten, und erwähnt seiner j Bekehrungspredigten zu Regensburg (B. 8, S. 274). Um so

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