Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1878)
- Date
- 1878-01-29
- Page
- Seite 74 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227177-3227183--35995-3305997- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
74 benen Kreuzer in seine „heilige" Hand. Es ist unbegreiflich, daß die Behörden dieses Unwesen noch länger dulden! (In Wien hat man jüngst mit dem Spiritisten Slade aus Amerika kürzeren Proceß gemacht und ihn zur Abreise binnen drei Tagen über die Grenzen genöthigt. Pest, 10. Januar. (Literarische Notizen.) Dem im vorig. Jahrg. dieser Zeitung bereits angezeigten ""onp von Dr. Ad. Jellinek sind schnell zwei andere gefolgt: citarp und -pycn o-sarnp (Wien 1877, 1878). Das erstgenannte Schriftchen führt 7 4 Schriften, zum größten Theile über die Flamen in Scheidebriefen aus, und giebl dann einige Notizen zumeist aus Moses Jbn Gabib's z-w-577 mrus, so wie einen Anhang über den Schittoth des Bezalel Aschkenasi. Im Kuntres Hamagid sammelt der fleißige Verfasser 191 agadische Schriften, alphabetisch nach dem Midraschim geordnet, mit interessanten bibliographischen Bemerkungen. Außer einigen Nachträgen und Zusätzen zu den beiden früher erschienenen Schriften fügt er im Anhänge mehrere bis jetzt unedirte Abschnitte aus dem rnbaTs'o hinzu. Von welcher Wichtigkeit Arbeiten wie die vorliegenden sind, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden, und muß man es Jellinek Dank wissen, daß er mit derartigen Veröffentlichungen den Anfang gemacht hat. — Bon Herrn A. M. Luncz in Jerusalem ist wieder ein neues Schriftchen, eine Biographie Crömieux in hebräischer Sprache unter dem Titel pNL'' rvnbir (Jerusalem 1878) erschienen. Dank der Unterstützung des jederzeit dienstfertigen Herrn Dr. Isidor Loeb in Paris ist dieses wohl die vollständigste Lebensbeschreibung, die von dem gefeierten greisen Staatsmanne bis jetzt veröffentlicht ist. l)r. Kayserling. Feuilleton. Corrrspourriy- Ein Syn agogen-Chor-Verband. Essen, im Januar. Einigkeit macht stark! Dieser alte, bewährte Spruch hat in jüngster Zeit allhier eine Vereinigung erwirkt, welche zur Erweiterung und zur Nachahmung dringend empfohlen werden kann. Bekannllich leiden in mittleren und kleineren Gemeinden die Synagogenchöre, die nur aus freiwilligen Mitgliedern bestehen können, während in großen Gemeinden der Synagogenchor aus bezahlten Sängern und Sängerinnen zusammengesetzt ist, an zwei Uebelständen, zuerst daß es in ihm an dem erforderlichen Triebe zur Fortbildung fehlt, und dann daß, wenn der Reiz der Neuheit vorüber ist, die Mitglieder oft lässig werden, und ras ganze Institut in den Schlendrian, wenn nicht ganz und gar in Verfall geräth. Es sind hierin ungünstige Erfahrungen genug gemacht worden. Und doch hat ein solcher freiwilliger Chor nicht unbedeutende Vorzüge. Eine verhälknißmäßig beträchtliche Zahl der Mitglieder der Gemeinde, namentlich der jüngeren, wird dadurch thätig und lebhaft am Gottesdienste betheiligt, so daß Vieser für sie neue Anziehungskraft und Wirksamkeit erhält; und dies übt wieder einen Einfluß auf die betreffenden Familien, denen die Mitglieder des Chors angehören. Nach und nach treten die älteren Mitglieder aus dem Chore in die Gemeinde selbst über, und so wird mit der Zeit der größere Theil der Gemeinde befähigt, auch außerhalb des Chores mitzusingen. Auf diese Weise wird mit der Zeit der Chorgesang zum Gemeindegesang, und ries ist ja das Ziel, nach welchem wir zu streben haben. Alles dies findet seitens eines bezahlten Chors nicht statt. Aber wie ist jenen oben bezeichneten Uebelständen abzuhelfen? Wir glauben, daß ein recht nachhaltiges Mittel hier gefunden worden ist. Die Leiter des hiesigen Shnagogenchores nämlich faßten im Oct. v. I. den Gedanken, einen Verband zwischen den Synagogenchören der nächsten Gemeinden zu Stande zu bringen, entwarfen hierfür ein Statut, theilten den Gedanken den benachbarten Synagogenchören mit, beriefen eine Versammlung von Delegirten derselben, und es fanden sich solche von den Synagogenchören zu Bochum, Dortmund und Duisburg hier ein. Das Statut wurde berathen, dann den Generalversammlungen der vier Chöre vorgelegt und in einer zweiten Versammlung der Delegirten angenommen und hiermit der Verband zwischen den vier Synagogenchören Essen, Bochum, Dortmund und Duisburg constituirt. Wir bemerken, daß die Chöre zu Esten und Bochum aus je 40, zu Dortmund und Duisburg aus je 30 Mitgliedern bestehen, die vier zusammen also die schon ganz beträchtliche Zahl von 140 besasten. Es liegen uns die Protocolle der Versammlung vor und wir können sagen, daß sie, trefflich abgefaßt, eine volle parlamentarische Haltung bezeugen. Am besten gehen die Zwecke und Mittel des Verbandes aus dem Statute selbst hervor, deffen wichtigere Paragraphen wir hier folgen laffen. Statut des Synagogeuchor-BerbandeH. Namen und Zweck. § 1. Die Synagogenchöre Esten, Bochum, Dortmund und Duisburg vereinigen sich zu einem „Synagogenchor- Verbaud". Der Beitritt anderer Synagogenchöre bleibt Vorbehalten. § 2. Der Zweck des Verbandes soll sein: a. Das Jntereffe für den gottesdienstlichen Chorgesang in den Gemeinden zu wecken, b. eine Einheitlichkeit — aber keine Stabilität — im Synagogengesange herbeizuführen, c. gegenseitige Unterstützung der einzelnen Chöre.