Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1878)
- Date
- 1878-01-29
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
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71 bekannt und hat jetzt auch ein Lustspiel: „Durch die Intendanz" gedichtet, das unter 450 Bewerbern mit dem ersten Preise gekrönt wurde. Die schwäbischen Blätter haben sich in letzter Zeit viel mit dieser Dichtung beschäftigt. In den letzten Tagen wurde dasselbe in Dresden und Frankfurt gegeben. Der Würltembergische Staatsanzeiger schreibt darüber: Seine Handlung entspricht zwar nicht dem bedeutenden Maßstab, welchen die Kritik an ein unter 450 Bewerbern mit dem ersten Preis gekröntes Lustspiel zu legen berechtigt ist. Dagegen wird das launige Talent der Berfasierin, namentlich in der Schaffung der ganz ausgezeichneten Backfischrolle der Hedwig anerkannt. Ueberall, wo eine begabte und beliebte naive Liebhaberin vorhanden ist, finden die Scenen der kleinen Hedwig mit ihrem Rittmeister stürmischen Beifall. — In Ludwigsburg starb am 5. d. M. im 61. Lebensjahre Lehrer Kahn, ein berufstreuer, biederer Mann, dessen Verwendung bei den betreffenden militärischen Behörden die jüd. Soldaten der dortigen Garnison viel zu verdanken haben. Aus Württemberg, im Jan. iPrivatmitth.) Aus der „Statistik des Unterrichtswesens in Württemberg pro 1875/76" dürfte Nachstehendes die Leser dieser Zeitung interessiren. Württemberg zählt unter Aufsicht der evangel. Oberschulbehörde 17 israel. Lehrerstellen, unter Aufsicht der kathol. Oberschulbehörde 1 l israel. Lehrerstellen und 2 Unterlehrerstellen. Bon den erstgenannten 17 Stellen sind am 1. Januar 13 definitiv besetzt, 4 mil Amtsverwesern besetzt gewesen. Bon den letztgenannten 1 l Stellen sind neben freier Wohnung 9 mit Gehalten von 901—1000 Mark, 1 mit einem solchen von 1100 Mark und 1 mit einem solchen von 1300 Mark ausgestatlet. — In der Eßlinger Taubstummenanstalt befinden sich gegenwärtig 3 Zöglinge jüd. Glaubens. Die Gesammtzahl der Realschüler Württembergs beträgt 7 607 , darunter 380 Israeliten — 5 pCt.; der Prccentsatz der jüd. Bevölkerung Württembergs beträgt blcs 0,66 pCt. Die Elementarschulen (Borbereitungsschulen für gelehrte Schulen) zählten 2164 Schüler, darunter 83 Israeliten, also circa 4 pCt. — Aus den statistischen Notizen über das Elementarschulwesen in München scheint mir Nachstehendes mittheilungswenh. Die Zahl der Elementarschulen in München betrug während des Schuljahrs 1875/79 16, nämlich 3 Simultanschulen und 13 (1 Protestant, und 12 kathol.) Consessionsschulen, im Ganzen 207 Classen. Die Zahl der Schüler betrug 16288, darunter 88 pCt. Katholiken, 10 pCt. Protestanten, 2 pCt. Israeliten. Es besuchten die Simultanschulen 73 pCt. Katholiken, 15 pCt. Protestanten, 9 pCt. Israeliten. Bon je 100 katholischen Schulkindern waren 13 den Simultanschulen, 57 den kachol. Confessionsschulen; von je loo protestantischen 30 den Simultanschulen, 65 den protestantischen, 5 den katholischen; von je 100 israel.' Schülern 69 den Simultanschulen, 7 den protestantischen. 24 den katholischen Confessionsschulen angehörig. — Bekannt ist, daß nach statistischen Ermittelungen die Israeliten den größten Procentsatz an Taubstummen liefern. Auch in Rücksicht auf Blinde stellen die Juden ein größeres Contingent als andere Confessionen. Nach einer Statistik der Blinden in Berlin vom Jahre 1871 kommen auf eine Million ihrer Glaubensgenossen 899 Evangelische, 997 Katholiken, 1334 Juden, die erblindet sind. Dem Religionsbekenntniß nach sind in Berlin unter 1000 Einwohnern: 879,79 Evangelische, 62,53 Katholiken, 43,59 Israeliten, 14,29 Anhänger sonstiger Bekenntnisse. Frankreich. Paris, 16. Januar. Bei der großen Bewegung in dem höheren Beamtenstande, welche nach dem 13. December eingetreten, haben außer den schon von uns genannten Glaubensgenossen noch folgende Stellung erhalten: Javal, früher Unterpräfect, wurde zum Unterpräfecten im Arrondissement d'Aubusson ernannt; Eugöne Söe zum Unterpräfecten im Arrondissement von Toul; E. Mayer, früher Unlerpräsect, zum Unterpräfecten im Arrondissement von Castel - Sarrazin. — Zum Andenken an seinen Sohn Andrö, der, jung an Jahren, im letzten September verstarb, hat Baron Gustav v. Rothschild 12,000 Frcs. jährlicher Rente zur Unterstützung für Wiedergenese, welche das Hospital verlassen, bestimmt. Schweiz. Zürich, im Januar. iPrivatmitth.) Die Schweiz will eben mit Rumänien einen Handelsvertrag abschließen. Ter Borstand des „Culturvereins der Israeliten in der Schweiz" bemüht sich, antijüdische Clauseln fern zu halten. Ob es gelingen wird, ist eine andere Frage. — Das berner Rabbinat, von einem starren „Israeliten" seit drei Jahren besetzt, ist mit Kündigung dieses Fanatikers am 1. Januar wohl definitiv vacant geworden. Italien. Rom, 17. Januar. iPrivatmitth.) An dem Tage, an welchem die sterbliche Hülle des ersten Königs von Jralien zur Erde bestattet wird, geziemt es sich wohl, auch an dieser Stelle, ihm ein Wort der Anerkennung und des Dankes aus dem Munde des Judenlhums nachzurufen. Es werden für uns auf die Tafeln der Geschichte die Namen der Herrscher mit unvergänglicher Schrift verzeichnet werden, unter deren Regierung der Grundsatz der Glaubens- und Gewissensfreiheit seine Verwirklichung fand durch die Gleichstellung der Juden und des jüdischen Cultus. Die Namen Ludwig Philipp, Leopold I.. Victoria, Friedrich Wilhelm IV., Franz Joseph, Victor Emanuel u. A.