Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1878)
- Date
- 1878-01-29
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Elijah 1× ep/1004307
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Ceremcnie des Peßachlammes (2 Mos. 12) einen Wende- und Scheidepunkt abgeben, damit ein Jeder aus Israel den eingeschlichenen Gewohnheiten entsage und sich durch diesen freiwilligen Act zum einzigen Gotte bekenne. Wenn Josua 24, 14 den Israeliten die Wahl stellt, dem einzigen Gotte oder den Göttern zu dienen, so ist dies eine oratorische Form, und erweist doch jedenfalls, daß das Volk die Gotteslehre kannte, zu der es sich dann auch schließlich bekennt. Ebenso zeigen die Vorwürfe der Propheten, Laß zwar zu Zeiten viele Israeliten Götzendienst trieben. Laß aber ebenso der Monotheismus bei ihnen heimisch war, und als das alle Erbgut Israels galt, von dem es zwar zeit- und theilweise abfällt, zu dem es aber immer wieder zurückkehrt. Herr Dr. K. studire doch 1 Kön. 18, 49 :c., und er wird ein deutliches Bild von dem ganzen geschichtlichen Kampfe erlangen. Elija sprach zum ganzen Volke, und sagte: „Wie lange hinket ihr nach zwei Seiten? Wenn der Ewige Gott ist, wandelt ihm nach, und wenn Baal, wandelt ihm nach. Und es antwortete das Volk ihm kein Wort. Schließlich fiel Las ganze Volk aus Las Angesicht und sprach: Der Ewige ist Gott! der Ewige ist Gott!" Hiermit ist die geschichtliche Situation völlig gezeichnet. Wie aber wollen die Herren alle diese Stellen, in welchen die Israeliten unter Len Richtern und Königen als ungetreu der Gotteslehre bezüchligt werden, erklären, wenn Liese erst eine Entwickelung der spateren Propheten gewesen sein sollte? Somit geben jene nichts als wieder ein Beispiel, wie eine vorausgesetzte Meinung die eigenen Widersprüche völlig übersehen laßt. Ueberhaupt hätte Herr Dr. K. besser gethan, seine ganze Ansicht über den Ursprung der Religion wegzulassen, und damit anzufangen, worüber er eigentlich handeln wollte, nämlich S. 22 mit dem Teufel. Was er von hier ab mittheilt und uriheilt, können wir nur als sehr zeitgemäß und mit großer Energie vorgetragen empfehlen. Freilich verfällt er auch hier in die beiläufige Meinung zurück; während er selbst gesagt, daß „der Teufel gar nicht in Len Rahmen der jüdischen Anschauung paßte", läßt er dennoch den Teufelsglauben dem Ehristenthume „durch das Judenthum vermitteln". Eines oder das Andere muß der Fall sein. Aber wir haben hinlänglich erwiesen, daß zur Zeit des Ursprungs des Christenrhums die Vorstellung vom Teufel im Judenthume gar nicht vorhanden gewesen, daß diese erst eine christliche Idee war, sich erst nach dem zweiten Jahrhundert auch in das Judenthum eingeschlichen, aber auch dann niemals zu einem wirklichen Element der Mischen Religionslehre geworden, denn die eigentlichen Talmudisten bleiben bei der Ansicht: „Der Satan ist der böse Trieb im Menschen," und man kann hierin sogar Las abwehrende Moment nicht verkennen._ Literarischer Wochenbericht. Bonn, 9. Januar. Neue Beiträge zur Erläuterung der Evangelien aus Talmud und Midrasch von Dr. Aug. Wünsche. «Göttingen, Vanderbeck und Ruprecht, 1878). Die Vergleichung zwischen den Aussprüchen, Gleichnissen und Erzählungen der vier Evangelien mit Stellen aus Talmud und Mldrasch ist nicht neu, besonders hervorragender Stücke wie der Bergpredigt, des Vaterunsers u. s. w. Allein so genau durchgeführt und mit solcher Belesenheit in Talmud, Midrasch und Maimonides, wie in dem Werke des Dr. Wünsche, liegt sie in keiner bis jetzt erschienenen Schrift vor. Das Verdienst des Verfasiers ist aber um so größer, je freier er von allen Vorurtheilen ist, je unbefangener er an die Ausarbeitung dieses Werkes, dem er eine zehnjährige Arbeit gewidmet, gegangen ist. Allerdings kommt dasielbe unmittelbarer der christlichen Theologie zu Gute, da diese Parallelen zum Berständniß, ja zur Kritik des Textes der Evangelien Vieles beitragen, Len Geist, der in den letzteren weht, erklärlicher machen und die Ausgangspunkte, aus welchen das Christenthum am Stamme des Judenthums hervorsproßte, dem Auge offener legen. Es wird dem weiteren und feineren Beobachter hierdurch öfter die Gelegenheit geboten, gerade die Abweichungen des christlichen Geistes vom jüdischen zu erkennen, auch wie nicht selten aus einer ganz unbefangenen und subjectiven Aeußerunz von jüdischer Seite ein christliches Dogma, eine specifisch christliche Ansicht gewiffermaßen durch Hypertrophie gebildet worden. Mittelbar gewinnt auch das Judenthum nicht wenig, indem den christlichen Gelehrten die Schätze jüdischer Weisheit und Sittlichkeit näher gebracht und ihnen andererseits die, wenn auch unwillkommenen Beweise an die Hand gegeben werden, daß Las talmudische Alterthum dem christlichen ebenbürtig an intellectuellem und sittlichem Gehalte zur Seite steht. Freilich ist es bei solchem fleißigen und mühsamen Aufsuchen von Parallelstellen nicht zu vermeiden, daß nicht selten gleichgültige und unbedeutende Anklänge herangebracht werden. Denn der emsige Forscher geht von dem Gedanken aus, daß auch in der unscheinbaren Auster sich eine Perle finden könne, d. h. daß späteren eingehenden Untersuchungen Etwas von Wichtigkeit werden könne, was, obenhin betrachtet, wenig bedeutend scheint. Die öfters aufgeworfene Frage: wer auf Grund der vielen Parallelen vom Anderen entlehnt habe, die Evangelisten von den Talmudisten oder umgekehrt? glaubt der Verfasier dahin beantworten zu müfien, daß die Talmudisten zumeist gar nicht in der Lage waren, von den Evangelisten zu entlehnen, da „die neutestamentlichen Urkunden an den talmudischen Weisen der beiden ersten Jahrhunderte fast spurlos vorübergegangen. Nur unter den Aussprüchen der Gelehrten des dritten und vierten Jahrhunderts finden sich einige, welche auf eine Bekanntschaft der Evangelien hindeuten, da sie den Stempel der Polemik an der Stirn tragen." Wir unterschreiben diese Worte des Verfassers, ziehen aber hieraus den Schluß, daß, was die Person Jesu betrifft, eben darum talmudische Andeutungen, namentlich an Stellen, welche die Censur ausgestrichen, keinen geschichtlichen Werth besitzen, weil sie nicht aus unmittelbarer Kenntniß und Ueberlicferung geflossen,