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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-29 · Heft 5 (29.1.1878) · p. Seite 67

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 5 (29.1.1878)
Date
1878-01-29
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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67 für den einen und den anderen Menschen oder nach den Bestimmungen des hinter ihnen stehenden allgewaltigen Fatums. Der Menschengeist ist aber aus seinen ersten Keimen heraus viel consequenler als sich Herr l>r. K. denkt. Die Gebilde der späteren Mythologie sind doch nur die Folgen des ersten Erwachens in der Volksseele, und der Urinder, Uregypter, Urparse halte sich die günstigen und ungünstigen Naturerscheinungen so zurechtgelegt, wie die spätere Entwickelung es in seinem Religionssysteme ausgestaltete. Ebenso der Hellene und Skandinave in ihren Eigenthümlichkeiten. Um nun jene Ansicht durchzusühren, ist es dem Dr. K. ein Bedürfnis, den Monotheismus der Hebräer zu leugnen, und ihn erst aus einer späten „Entwickelung" hervorgehen zu lassen. Die alten Hebräer waren ihm nichts — als Polytheisten, und — Moses auch nicht mehr. Wir würden ihm feine Ansicht lassen, denn worauf kommt man in unsrer Zeit nicht Alles? Aber er nimmt zum Beweise die heil. Schrift selbst, er nimmt sie auch nicht von irgend einem kritischen Standpunkte aus, sondern so wie sie uns vorliegt, und hier ist es, wo wir ihn eines nicht ganz redlichen Lersahrens zeihen niüssen. Denn er führt nur an, was etwa für seine Ansicht spricht, verschweigt aber, daß das Gegentheil aus sehr vielen anderen Stellen sonnenklar hervorleuchtet. Aus der vormosaischen Zeit cirirt er, daß Rahel die Götter ihres Vaters stahl <l Mos. 31, 10). Aber Jakob wußte ja nichts davon iB. 32), und zeugt etwa 32, lo :c. für Vielgötterei oder 33, 2o und so viele andere Stellen? Vergräbt nicht Jakob alle Götzenbilder, die seine Frauen aus ihrem heidnischen Baterlande mitgebracht, und baut rem einzigen Gotte einen Altar (33, 2—4)? Betet nicht Abrabam den allmächtigen, also einzigen Gott an, der „der Richter ist der ganzen Erde" (18, 23!? Wenn l>>. K. zu behaupten wagt: „Selbst ihrem Propheten Moses war der Gott Jehovah, welchen er ihnen verkündigte, nicht der einige, alleinige Gott, neben welchem keine anderen Götter epistirlen; er war nur unter allen Göttern der mächtigste, und der, welchem als dem mächtigsten die Hebräer als ihrem Stammesgott, als Nationalgott huldigen sollten" — so ist dies geradezu eine unentschuldbare Unwahrheit. Kennt Herr K. 2 Mos. 3, 14 nicht, wo Gott als das ewige, unveränderliche Sein erklärt wird? Wird nicht das. B. 14 und 13 gerate das ewige Sein mit Lenz „Gott eurer Bäter, Gott Abrahams, Gott Isaaks und Gott Jakobs", d. h. dem Gotte, den diese Bäter erkannt und angebetet haben, identificirt? Kennt er nicht den Ausspruch Moses, der zum Wahrspruch für Israel geworden: „Höre, Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einig-einzig" (3 Mos. 0, 4)? Vergleiche doch der Herr Karsch die erhabene Stelle 2 Mos. 34, ll: „Ter Ewige, der Ewige, Gott, barmherzig und gnädig :c.", vergleiche er 5 Mos. 4, 39: „So erkenne heute, und nimm dir zu Herzen, daß der Ewige der Gott ist im Himmel droben und aus Erden drunten, Keiner mehr." Ist das ein Gort neben anderen? ist das ein Nationalgott, ein Stammesgott? und so zahllose andere Stellen in den 3 Büchern Moses, die überhaupt ohne den entschiedenen Monotheismus gar nicht zu verstehen sind. Freilich, wenn Herr K. in den Zehn Worten selbst: „Ich bin der Ewige — du sollst keine anderen Götter haben neben mir" — das ist doch einfach das Verbot cer Vielgötterei — cie letzteren Worte so erklärt, als ob sie sagten: Es giebl andere Götter, tu aber verehre nur mich, während doch sofort darauf folgt: „mache dir kein Götzenbild von dem, was oben im Himmel :c.", so ist dies eine gewaltsame Interpretation, die dein Verfasser nicht zur Ehre gereicht. Daß er gegen diese, in cen gesammlen fünf Büchern Moses überall hervorlreiende, mit dem ersten Vers ces ersten Buches begründete Anschauung eine poetische Stelle wie 2 Mos. 13, 11 und 3 Mos. 32, l2 cilirt, kann man vcraussetzen, er richtet aber damit gar nichts aus, so wenig, wie wenn er auf 2 Mos. 18, 11 hinweist, Worte, welche dem heidnischen Jilhro, nicht Moses angehören. — Hiermit ist Herr $f. völlig durchgesallen. Aber nicht minder in Folgendem. Es ist unbestritten, und unzählige Male ausgesprochen, daß im Schoße des Volkes Israel selbst bis zum ersten Falle Jerusalems der Kampf zwischen der Gotteslehre und dem Heicenihume stattgesuncen, daß dieser Kampf vor den Augen Mcsis selbst wenigstens ein Mal ausbrach und in den späteren Perioden sich wiederholte. Hieraus ziehen nun die Gegner und auch Herr I»,. K. den Schluß, daß die Hebräer während dieser ganzen Zeit eigentlich nur Polytheisten, daß der Polytheismus ihre eigentliche Religion gewesen und der Monotheismus sich erst bei den späteren Propheten entwickelt habe. Ist das nicht sonderbar, daß man einen immer wiederholten Kamps bestehen läßt, während man der einen Partei und dem Gegenstände des Kampfes daö Dasein abfprichl?! Der Monotheismus soll in Israel gar nicht vorhanden gewesen sein, und doch soll er während der ganzen Zeit mit dem Heidenlhume gerungen haben! Man weist daraus hin, und Herr K. thut dies auch, daß Moses die Israeliten bedroht und straft, weil sie während seiner Abwesenheit sich ein Götzenbild errichtet haben, und doch soll er ihnen nicht das Gegentheil gelehrt haben? und wenn er dafür durch die Getreuen die Abgefallenen züchtigt, wenn er im Namen des einzigen Gottes vierzig Jahre die hartnäckigen Israeliten regiert und geleitet hat, muß er nicht da dennoch die Mehrheit des Volkes auf seiner Seite gehabt haben? Man führt Stellen aus Josua, Richter, Könige an, worin vom Abfall Israels die Rede ist, beweisen diese aber eben nicht, daß der Bestand der Gotteslehre, und zwar als das eigentliche Bekennlniß des Volkes, vorausgesetzt wirr? 2 Mos. 4, 30. 31 redeten Moses und Aaron zu den Aeltesten und zum Volke im Namen des Ewigen, des Gottes Abrahams :e. und Las Volk „neigte und bückte sich." So kann das Volk doch nicht ganz und gar dem egyptischen Götzendienst anheimgefallen und die Vielgötterei nicht seine Religion gewesen sein. Immerhin mag ein Theil des Volkes in Egypten diesem und jenem egyptischen Götzendienst sich zugeneigi haben, aber gerade darum sollte die

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