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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-29 · Heft 5 (29.1.1878) · p. Seite 66

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 5 (29.1.1878)
Date
1878-01-29
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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Unparteilichkeit befleißigt und nur erwiesene Thatsachen heranbringt. Er zeigt, daß „nach der Lehre der christlichen Theologen der Teufel mit Gott selbst um die Herrschaft der Welt ringt," daß er „ein wesentlicher Bestandtheil der Dogmatik geworden", daß der Ultramontanismus im Teufel seine wesentlichste Stütze hat. Der Teufel „ist der Lügner von Anbeginn, der gleißnerische Verführer, der in tausend trügerischen Gestalten die leichtgläubige Menschheit verlockt"; der Teufel ist „einigermaßen allgegenwärtig, hat, wie Gott, Macht über die Natur und die Menschen, beherrscht alle Elemente, die ganze Welt ist sein eigen." iS. 5—S). Das schrecklichste Erzeugniß dieses Glaubens war aber der Hexenglaube, die Denunciation und Strafverfolgung der Hexen, welcher nachweislich über eine Million Menschen in grausamster Weise zum Opfer fielen, und zwar bis in unsre Zeit hinein, denn mehrere Hexen wurden noch 1877 in Mexico verbrannt und das irländische Hexengesetz erst 1821 ausgehoben. Eine solche Entwickelung und solche gräßlichen Folgen hatte der Teuselsglaube in keiner anderen Religion. Denn der Wahnsinn des Hexenglaubens beherrschte nickt blos etwa das ungebildete Volk, sondern durch päpstliche Bullen gestützt, in gelehrten Werken ausgesührt, überwältigte er alle wissenschaftlichen Fächer, und regierte nicht minder souverän in der Jurisprudenz und Medicin wie in rer .Kirche. die für die Teufelsaustreibungen :c. die gründlichsten Anweisungen gab. Daß vielfach von den Ultramontanen dieser Glaube noch heute genährt wird, hat jüngst die „Germania" hinlänglich dargethan. Die ausführliche Darstellung dieses Gegenstandes bildet den Inhalt der vorliegenden Schrift. Der erste Vortrag hat die Ueberschrift: „Ursprung, Geburt, Kindheit und Flegeljahre. Der Teufel im Heiden- und Judenihum;" der zweite: „Mannesaller. Der Teufel im Ulrramontanisnius;" der dritte: „Greisenalier. Der Teufel und die Wissenschaft." Bei dem ersten derselben müssen wir uns etwas aufhalien. Dem Herrn Dr. Karsch begegnet dasselbe, was wir schon bei so vielen christlichen Gelehrten und Denkern wahrzunehmen die betrübende Gelegenheit gehabt haben. Wenn sie in ihrer wiffenschaftlichen Unparteilichkeit rem Judenlhume irgend eine ehrenvolle Stellung haben ejuräumen, ein günstiges Urtheil haben nachsagen müssen, dringt das alte Borurtheil so gewaltig wieder auf sie ein, daß sie mit aller Anstrengung suchen, demselben Judenthnme irgend doch etwas an das Zeug zu sticken. Herr l>r. K. erkennt an <S. 22 j: „Was nun den Teufel betrifit, so war dieser een alten Hebräern vollkommen unbekannt. In den vcrexilischen Schriften wird seiner trotz der vielfachen darin gebotenen Gelegenheiten nirgends gedacht, so daß er jedenfalls mit der Urofsenbarung ihnen nicht bekannt geworden sein kann;" und weiter: „Der Teufel paßt auch überhaupt gar nicht in den Rahmen der alten hebräischen Anschauungen hinein; für ihn war kein Amt, keine Thäligkeil frei, er halte keinen Platz im System. Ten Hebräern war Jehova der Alles bewirkende". Ueberhaupt stellt er als Resultat aus: „In jedem Falle gebührt den Juden das hohe unantastbare Verdienst, den Monotheismus in die fernere Eulturepoche trotz aller politischen Stürme, denen sie unterworfen wurden, hinübergerettet zu haben". Wenn er meint, daß „auch bei einzelnen begabten Philosophen der Polytheismus der Heiden zu einer tieferen monotheistischen Gotreserkenntniß durchgedrungen war" (2. 21), so mag er es mit sich selbst auSmachen, wenn er S. -12 jenen doch nur ein „Äufdämmern der Erkenmniß des wahren, geistigen Gottes" zuschreibt. Sagt er doch aus: „So weit, wie die erleuchteten jüv. Propheten waren sie freilich in der Erkenntniß der Wahrheit noch nicht vorzedrungen. Diesen waren bereits die Heicengötter gegenüber dem reinen, alleinigen, geistigen, wahren Gott nichts als leere Hirngespinste und eitle Menschenfabrikale," worüber er eine Anzahl Stellen ansührt. — Trotz alledem paßt dies dem Berfafier nicht ganz in sein System und er muß es auf einem anderen Wege abzuschwächen trachten. Herrn l>r. K. liegt nämlich am Herzen, nachzuwnsen, daß der Anfang aller Religion der Polytheismus und zwar eigentlich nichts anders als der Glaube an die bösen Geister gewesen. Die Art, wie er diesen Gedanken entwickelt, ist, cfsengestanden, eine sehr platte. Er meint, so lange es dem Urmenschen gut ging, dachte er an gar nichts. Erft indem er mit allerlei widerstrebenden Mächten, mit wilden Thieren, Frost und Hitze, Sturm und Hagelschlag, Krankheit und Tod zu kämpfen hat, personificirt er diese Naturgewalten, er macht böse feindliche Geister daraus. Der Glaube an Gespenster ist daher der erste Anfang der Religion, gute Geister kennt er noch nicht; er betet jene an, bringt ihnen Opfer unter Anleitung von Priestern, die den Dämonencultus ausbilden. Erst allmälig treten ihm auch die freundlichen Naturgewalten aus dem Alltäglichen hervor und er personificirt sie nun ebenfalls als Götter. Das Schiefe, Gemachte hierin liegt zu Tage. Mit dem Augenblicke, wo eine feindliche Raturgewalt vorüber ist, die Sonne aus der Wetterwolke wieder yervorbricht, das sanfte Säuseln des Friedens nach dem Sturme wieder eintritk, das wilce Thier getödtet ist, dem Fieberkranken die Genesung gekommen, die Arbeit einen gesegneten Ertrag gebracht, kommt auch die freundliche, wohlthätige Nalurmachl zu Gefühl und Bewußtsein, und da diese doch die Regel bildet, während das Uebel nur dann und wann und mit vorübergehender Macht eintrilt, so erkennt der Urmensch gerade die gütige Gottesgewalt als die erste und mächtigste an, wie es auch die h. Schrift im ersten Opfer darstellt. Das Wahre ist, daß nach einiger Beobachtung dem erwachten Menschengeiste das Gute und das Uebel, Beides als existirend, als Gottheiten erscheinen, die einander bekämpfen. Und doch hat sich auch dieser Gedanke verschieden gestaltet. Diese Gegensätzlichkeit der göttlichen Mächte trat entschieden nur in der altparsischen Religion aus; in der egyptischen überwog die Macht der guten Götter bei Weitem die rer bösen; in der indischen wurde eine dritte als Vermittlerin ausgestellt, in der hellenischen und skandinavischen geht Gutes! und Böses von denselben Göttern aus, je nach ihrer Stimmung

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