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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-22 · Heft 4 (22.1.1878) · p. Seite 61

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 4 (22.1.1878)
Date
1878-01-22
Page
Seite 61 (sequence 13)
Language
German
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61 Aus welcher Periode die Stücke stammen, laßt sich nicht genau feststellen; die Zeit solcher mächtigen, mit dem Spartel bearbeiteten Thonblöcke ist in der Mark das 13. und 14. Jahrhundert gewesen. Dem widersprechen indeffen die Linien der Verzierungen, die sich der Renaiffance nähern. Aus dieser Zeit können die Stücke indeffen kaum stammen, da man bereits seit der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Berlin den Sandstein zu Architecturen bei Monumentalbauten verwandte. Nähere Nachforschungen darüber, was an jener Stelle der Spandauerstraße früher sich befand, haben ergeben, daß daselbst in alter Zeit eine Synagoge gestanden hat. Möglich, daß daher jene Formsteine rühren; dann wäre allerdings die Annahme der frühesten Periode das Richtige. Humbug in Amerika. So große Vorzüge die Vereinigten Staaten auch besitzen, so viel Treffliches dort schon entstanden und von dort gekommen ist — es ist und bleibt doch auch das Land des Humbugs! Nach dem „New-Pork Herald" hat ein Pastor Rosenberg — in Amerika ist der Titel Pastor gerade so billig wie Doctor; nimmt ihn einer an, so kümmert sich keiner darum, ob mit Recht oder Unrecht — eine Aufforderung veröffentlicht, durch welche alle getauften Juden und Abkömmlinge getaufter Juden, so lange sie noch jüdische Züge hätten, nach Baltimore zu einem Congreß berufen werden, um — für die Bekehrung aller wirklichen Juden zu beten und eine Petition an sämmtliche Regierungen zu richten, Palästina anzukaufen und die Juden zu zwingen, dahin zurückzukehren. Man sieht, zu welcher Stufe des Blödsinns manche dieser Judenbekehrer, namentlich der getauften Juden, bereits gelangt sind. Die ganze Wirthschaft der Judenbekehrung wird dadurch immer lächerlicher. Thuet desgleichen! In Turin wurde jüngst ein Drama „Der Waffenbruder" von Granoso aufgeführt. In einer Scene antwortet ein Juwelier, der angegangen wird, ein Geheimniß zu verralhea: „Es giebt hier keine jüdischen Banquiers!" Nach dem Schluß des ActeS machte ein junger christlicher Zuschauer dem Verfaffer des Stückes lebhafte Vorwürfe über diesen unverschämten Ausruf. Der Berfaffer gab es zu, wollte sich nichts dabei gedacht haben, und änderte die Stelle für die folgende Aufführung. Naturwissenschaftlicher Unsinn. Was man in der jüngsten Zeit an Unsinn, den man „naturwiffenschaftlich" nennt, hervorgebracht hat, ist ganz unsagbar! Die neueste Hypothese im Darwin - Häckel'schen Lager theilt den Atomen nicht blos physische, sondern auch psychische Eigenschaften zu, was schließlich für ihre Entwickelungstheorie auch unentbehrlich ist, um zur seelischen Materie und materiellen Seele gelangen zu können. Der vor Kurzem verstorbene berühmte Naturforscher Karl Ernst von Baer ruft in einem Briefe vom 16. November 1876 darüber aus: „Ist das nicht herrlich! Erst schafft man sich ein Gedankending (die Atome), und dann giebt man ihm psychisch-physische Eigenschaften!" — Wir sagen noch mehr. Welcher Unterschied ist zwischen dem Glauben an die Unfehlbarkeit eines Menschen, der zufällig an die Spitze seiner Kirche getreten ist, und dem Glauben an die psychisch-physikalische Beschaffenheit der Atome? Der eine ist so willkürlich wie der andere, der eine widerspricht dem Verstände ganz wie der andere, der eine wie der andere ist die Consequenz einer ersten Voraussetzung, eine rückläufige Consequenz. Israelitisches Blindeninstitut zu Wien. Die Zöglinge des israelitischen Blinden-Jnstitutes auf der Hohen Warte bei Wien feierten in Anwesenheit zahlreicher Gäste am 2. December — am fünften Jahrestage der Einweihung des Instituts — ihr Chanukka- oder das Fest der Makkabäer. War es ihnen auch nicht vergönnt, die Lichter zu sehen, welche ihre Hand entzündete, den blinden Kindern gestaltete sich dieses Fest doch zu einem Lichlfest in des Wortes höherer Bedeutung. Nach einer reichlichen Betheilung der Kinder schloß ein heiteres, vom Curatorium beigestelltes Mal die ebenso schöne als erhebende Feier. Anzeige«. sind ausschliesslich an die Annoncen - Expedition von Rudolf Jm.Mw/9wyM CvvC/ JMosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin. Breslau, Chemnitz, Cöln a!Rh.. Frankfurt a\M. etc, zu adresssiren.__ Zum 1. August dieses Jahres suche für mein Manufaktur- > Ern junges gebildetes Mädchen sinder zur Erlernung des geschäft einen Lehrling. Haushalts in einer kleinen Familie angenehme Stellung zu Pr. Oldendorf. Jacob Löwenstein, t Ostern 78. Briefe befördert unter 2 100. die Annoncen- (345j Firma B. .4. Löwenstein. I Expedition von Rudolf Jflosse, Bremen. (B. 46 )

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