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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-22 · Heft 4 (22.1.1878) · p. Seite 60

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 4 (22.1.1878)
Date
1878-01-22
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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60 erkennen, als große Thaten!) keine Spur von jener Gehässigkeit, Anfeindung oder religiösem Fanatismus zu finden ist, denen wir in unserer Zeit leider so oft begegnen. daß an eine weitere Uebernahme jüd. Elemente nicht mehr zu denken war, zu einer Zeit, wo vielmehr das Christenthum daran dachte, jede Aehnlichkeit mit dem Judenthume möglichst abzulegen, und z. B. den Sabbath auf den Sonntag zu verlegen. Das Mouchlhum. Seitdem wir in den Dreißiger und Vierziger Jahren, namentlich in unseren Vorlesungen „Ueber die Entwickelung der religiösen Idee im Judenthum, Christenthum und Islam" den Satz aussprachen und begründeten, daß das Christenthum eine Bereinigung jüdischer und heidnischer Elemente sei und eben dadurch befähigt wurde, in die heidnische Welt einzudringen und sie sich gänzlich anzueignen, wie dies dann seinerseits auch der Islam im Morgenland that, ist Vieles zu Tage gefördert worden, was diesen Ausspruch unwiderlegbar und bis in's Detail offenkundig machte. Lange Zeit suchte man alle auffälligen Momente des Christenthums und besonders der katholischen Kirche, selbst die am allgemeinen Judenthume nicht sichtbar waren, dennoch ihrem Ursprünge nach in irgend welchen wirklichen oder erdachten Formen oder wieder verschwundenen Erzeugniffen des Judenthums zu finden. Aber diese Fiction schwindet immer mehr. So wollte man den Ursprung des christlichen Mönchthums und der christlichen Orden in den Effäern finden und lächerlicher Weise an die Tochter Jephta's knüpfen, die, in die Wüste verbannt, eine Art Nonnenkloster gegründet haben sollte. Neuere Forschungen haben nun auf's Unzweideutigste erwiesen, daß das christliche Mönchswesen in Egypten entstanden und eine Uebertragung althergebrachter Formen des egyptischen Religionswesens in das Christenthum, insonders eine directe Fortsetzung des klösterlichen Lebens im Dienste des Gottes Serapis nn Serapeum zu Memphis und an anderen Orten gewesen ist. Das Volk war einmal gewohnt. in einer solchen Askese den Höhepunkt religiöser Heiligkeit zu erblicken, und bas Christenthum nahm deshalb diese schon gegebene Norm an. Es ist ferner nachgewiesen, daß die Zeitgenoffen Konstantins, Eusebius, Lactanz u. s. w. ein christliches Mönchrhum noch nicht kannten, in Egypten selbst der Umschwung vom heidnischen zum christlichen Mönchrhum nicht vor der Mitte des vierten Jahrhunderts sich vollzog und erst seit dem letzten Viertel deffelben Jahrhunderts auch das Abendland mit dieser neuen Erscheinung bekannt wurde. Die Mönchsgeschichten, welche ihre Helden in eine frühere Zeit verlegen, sind nichts als spätere Erfindung. Diese Erweise sind nach Letronne und Brunnet de Presle von dem deutschen Gelehrten Weingarten in der Schrift „der Ursprung des Mönchthums im nachkonstantinischen Zeitalter (Gotha, Perthes, 1877)" geführt worden. Schon diese Ursprungszeit des christlichen Mönchthums zeigt, daß es an irgend eine jüdische Institution sich nicht lehnen konnte. Die Efsäer waren damals schon Jahrhunderte lang verschwunden, und der Bruch zwischen Christenthum und Judenthum so alt und so stark. Vermischtes. Horaz — ein Jude!!! Diesmal ist es glücklicher Weise kein Jude, der folgende Kuriosität ersonnen hat! Man schreibt aus Triest: „Der Director des hiesigen Communal-Ober-Gymnasiums, Herr 0r. Wilhelm Braun, hat die merkwürdige Entdeckung gemacht, daß der röm. Dichter Quintus Horatius Flaccus eigentlich ein Jude von Geburt gewesen sei. Diese Hypothese hat der Herr Director in einer soeben erschienenen italienischen Broschüre des Breilern auseinanbergesetzt und begründet. Er behauptet, der Vater des Horaz sei ein frommer und gelehrter Jude aus Alexandrien gewesen, der den Sohn im Glauben und in der Weisheit der Vater erzogen habe. Deshalb sei auch die Lebensphilosophie, die Horaz in seinen Dichtungen ausspricht, dieselbe, welche den Inhalt jener heiligen Bücher der Juden bildet, die unter dem Namen der „Bücher der Weisheit" zufammengefaßt werden — nämlich die Sprichwörter, der Prediger, die Weisheit und Jesus Sirach. Dies sucht Herr Dr. Braun durch zahlreiche Citate zu beweisen. Ferner findet er aber auch in Horazen's Epikuräismus und Humor einen entschieden jüdischen Zug und vergleicht in dieser Beziehung den römischen Dichter mit Heinrich Heine. Das als geflügeltes Wort bekannte Citat aus einer der Satiren: „Credat Judaeus Apella“ erklärt Dr. Braun dahin, daß Appella nichts Anderes bedeute, als — Abeles. Dann müßte man auch wohl Horatius Flaccus übersetzen mit: Horatius Fleckeles." Reste einer alten Synagoge in Berlin. Hiesige Blätter theilen Folgenves mit: Beim Abbruch des Postgebäudes in der Spandauerstraße sind, wie der „Tribüne" geschrieben wird, in der Giebelmauer gegen die Königstraße zu, eine nicht geringe Anzahl gewaltiger modellirter Form- Ziegelsteine gefunden worden, deren Größe und Gewicht nicht von den bedeutendsten italienischen Terracotten übertroffen werden möchte. Es befinden sich Blöcke von circa 2 Centnern darunter. Der Fund hat solches Aufsehen gemacht, daß seitens des den Bau leitenden Bauraths an höherer Stelle beantragt worden ist, aus diesen Formsteinen, die ehemals einer großen Thür¬ oder Fenftereinrahmung gedient haben mögen, eine „porta antiqua“ zusammenzustellen und dem Neubau einzuverleiben. Die Veränderung des Bauplans soll hiernach auch genehmigt sein.

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