Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1878)
- Date
- 1878-01-22
- Page
- Seite 57 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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57 hat eine Professur an der Universität Königsberg angenommen. Vor Antritt derselben lzum kommenden Semester) begiebt sich, wie die „Tribüne" miltheilt, Professor Hirschfeld nach London, um in dem Britischen Museum eine größere wiffenschaftliche Arbeit zu vollenden. Bonn, 13. Januar. (Literarische Notizen.) Wir erhalten aus New-Hork (Ruffell Brothers 1877) ein Duodezbändchen in prachtvoller typographischer Ausstattung, betitelt: „Gems of tlie Orient. Part. I. Rabbinical Proverbs and Sentences. Part. 11. Arabic Proverbs and Sentences. Translated and com- I'iled by Rev. Dr. A. Huebsch.“ Eine Sammlung rabbinischer und arabischer Sprüche nach bestimmten Rubriken, z. B. Freundschaft, Ehre, Gerechtigkeit, Arbeit, Reichthum und Armuth, Sprechen und Schweigen, und zwar im ersten Abschnitt die rabbinischen, im zweiten die arabischen Sentenzen. Die schwierigeren Sprüche sind mit kurzen Worten erklärt, die Quellen sind nicht angegeben. Das Verdienst des Werkchens liegt besonders darin, dergleichen alte Weisheitsschatze in die Hände der gebildeten Welt, durch die elegante Ausstattung aus die Salontische der Damen zu bringen. — Eine treffliche Monographie liegt uns in der Schrift des Herrn Dr. F. Cohn, Predigers der Synagogengemeinde zu Oels, vor: „Israelitische Religionsschulen neben höheren Lehranstalten. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Schulwesens." (Breslau, Hepner, 1878.) Anknüpfend an die Verhandlungen des „Vereins jüdischer Religionslehrer an den höheren Lehranstalten Schlesiens und Posens", erörtert der Berfaffer die beiden Fragen: „Welchen Schwierigkeiten begegnet die israelitische Religionsschule bei der Aufstellung eines Stundenplans?" und, nachdem er einen Rückblick aus die Geschichte des modernen jüdischen Schulwesens und der jüdischen Religionsschule geworfen: „Welche Hinderniffe treten der israelitischen Religionsschule bei der Durchführung ihres Lehrplans entgegen?" Der Verfafler geht von der richtigen Ansicht aus, daß es völlig irrig sei, bei der Besprechung öffentlicher Angelegenheiten die vorhandenen Uebelstände nicht vollständig aufdecken oder gar verschleiern zu wollen. Mit der Kenntniß der Fachliteratur und einer warmen Begeisterung für den religiösen Jugendunterricht verbindet der Verfaffer eine klare Einsicht in die obwaltenden Verhältnisse, und zeichnet deshalb scharf die Schwierigkeiten, welche von allen Seiten der jüdischen Religionsschule entgezentreten und darum fast unüberwindlich scheinen. Man kann nicht anders sagen, als daß die Dinge in der Gährung begriffen sind, und daß es noch geraumer Zeit, vieler Anstrengung und mannichfacher Umstände bedürfen wird, um den jüdischen Religionsunterricht zu einer bestimmten Entwickelung und Gestaltung zu bringen. Indessen sind doch die Factoren bereits gegeben, und der Eifer für diese hochwichtige Angelegenheit ist im Steigen begriffen. Die vorliegende Schrift hat das Verdienst, eine volle Klarheit über die Sachlage zu breiten und die wesentlichen Schwierigkeiten so recht;um Bewußtsein zu bringen. Fügen wir hinzu, daß der Verfaffer sich einer flüssigen und lebhaften Sprache erfreut, die, von allem Schwulst fern, den Gegenstand anziehend darzustellen versteht. — by amscn am««« (n nmm -iviv mann cnanp,, a^an-rsn nryn mrssn (2 . a-amorm masn **bbai ■o-n ".a^rapn min •naon a-o-nrarj ba by Es ist dies eine neue vervollständigte Ausgabe des bereits im vorigen Jahre angeführten Schriftchens des Herrn Dr. A. Jellinek (Wien, Brüder Wmler 1878), welches für den Gelehrten so viele interessante Winke bietet und für die Midraschltteratur von Bedeutung ist. I e « i k vr. Karl Litter vo« Weil. Die „N. fr. Pr." enthalt einen ausgezeichneten Nekrolog aus der Feeer des Redacteurs Michael Etienne. den wir als ein beredtes Zeugniß für die Anerkennung, die der Verstorbene gefunden und als eine treffliche Charakterzeichnung deffelben hier wiedergeben: Heute Vormittags (am 7.) wurde der Hofrath a. D. Dr. Karl v. Weil aus dem israelitischen Friedhofe zu Währing begraben. Zahlreiche Freunde und Collegen des Verstorbenen gaben ihm das Geleite. Uns, die wir mit dem Verewigten namentlich in dem letzten Decennium in persönlicher und freunvschaftlicher Berührung gestanden, dem Blatte, welchem der Verstorbene, so lange ihm das unerbittliche Leiden, von dem er hingerafft wurde, die Feder zu führen gestattete, seine vortrefflichen f c f o it. Beiträge mit Vorliebe zugewendet hat, steht es wohl an, ihm die Ehre zu erweisen, die ihm gebührt. Im März vorigen Jahres feierte Weil, seit 1827 an der Universität Freiburg zum Doctor graduirt, fein fünfzigjähriges Doctor-Jubiläum. Die Krankheit, der er erlag, harre ihn schon am Jubiläumstage an das Zimmer gefeffelr, und im Bette liegend empfing der greise Jubilar die zahlreichen Beweise von Sympathie, welche ihm von Nah und Fern zu Theil wurden. Dr. Karl v. Weil hatte kaum den Toclorgrad erworben, als er sich der Publicistrk widmete, und nach der Juli-Revolution schickte ihn die Augsburger Allgemeine Zeitung als Correspondenlen nach Paris. 1832 übernahm er die Redaction der Württemberg'schen Zeitung, die er eine Reihe von Jahren führte. 1848 ward er zur Redaction der Constitutionellen Zeitung nach Berlin berufen, welches Blatt er jedoch verließ, als es in eine feiner großveulschen Gesinnung widersprechende Richtung einlenkte. Weil kehrte über 4