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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-22 · Heft 4 (22.1.1878) · p. Seite 56

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 4 (22.1.1878)
Date
1878-01-22
Page
Seite 56 (sequence 8)
Language
German
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56 erwähnt zu werden verdient. Das Asyl gewahrt gegenwärtig! 15 Pfründern aus dem Elsaß und der Schweiz, zum Theil hochbetagten, schwächlichen und gebrechlichen Männern und Frauen,! kostenfreien Unterhalt, sorgsame Pflege und vermöge feiner günstigen Lage auf dem Lande und inmitten eines schönen Gartens eine angenehme gesundheitfördernde Wohn- und Zufluchtsstätte. Die Unterhaltungskosten für jeden einzelnen Pfründer stellen sich im angegebenen Zeitraum auf Frcs. 468,15, somit auf Frcs. 1,28,3 pr. Tag, während die Gesammtsausgaben Frcs. 7861,39 und die Iahreseinnahmen Frcs. 14872,25 betragen. Außer den jährlichen Beitragen sind der Anstalt während der letzten 2 Jahre namhafte Legate nicht nur von Seilen unserer Glaubensgenoffen, sondern auch, was mit besonderer Genugthuung zu registriren ist, seitens christlicher Einwohner Basels zugefloffen. Dank den warmen Sympathien, deren sich das Asyl auch in weiteren Kreisen zu erfteuen hat, sowie auch dem Eifer und Einfluß seines verdienstvollen Grüncers und Förderers, des Präsidenten Herrn Dreyfuß-Neumann in Basel, welcher diese Sympathien von vornherein zu wecken verstand und sie fortdauernd zu erhalten und zu verbreiten bestrebt ist, besitzt daffelbe bereits außer dem schuldenfreien Bau und deffen innerer Einrichtung ein unveräußerliches Capital von nahezu Frcs. 32,000, eine Summe, die in Anbetracht des kurzen Bestehens wohl ansehnlich und bedeutend, aber, wie der Bericht selbst hervorhebt, noch keineswegs ausreichend ist, um das Werk für alle Zeiten sicher zu stellen. Wir empfehlen daher die junge philantropische Anstalt besonderes unseren schweizerischen und elsassischen Glaubensgenoffen auf das Wärmste und können nur der Ansicht der Commission beipflichten, daß nämlich, „wenn die Almosen, welche unter unsere Glaubensgenoffen vertheill werden, gesammelt und unter die wohlthatigen Anstalten, als Arbeitsschulen, Waisenhäuser, Spitäler, Asyle rc. vertheilt würden, dem Betteln der armen Juden in Bälde gänzlich gesteuert werden könnte." E. St -Gallen, Mitte Januar. (Privatmitth.) Daß für unsere Glaubensgenoffen dem Avancement in der Eidgenössischen Armee eine Engherzigkeit wie in einem gewiffen großen Staate nicht im Wege steht, haben wir erst dieser Tage erfahren. Ein hiesiger junger Mann, Herr Oberlieutenant Wilhelm Reichenbach, ist zum Hauptmann befördert worden. — Vergleichen wir mit diesem Hauptmannsdas ehemalige „Hebräer"-Patent, das hier der Jude noch vor 15 Jahren zur Betreibung eines Geschäfts quarialiier gegen hohe Summen zu lösen hatte, dann liegt uns das Wort gewiß sehr nahe: a'ny Ndw» “p-a. Großbritannien. Cambridge, 9. Januar. (Privatmitth.) Je länger die alten Universitäten Englands, Cambridge und Oxford, jedem Einzuge neuer Ansichten und Einrichtungen widerstanden, desto erfreulicher ist jeder Fortschritt, der in dieser Beziehung zu verzeichnen ist. Am meisten ist dies der Fall, wo es gilt, der strengen anglikanisch kirchlichen Institution ein Stückchen nach der interconfessionellen Seite abzugewinnen. Neuerdings geschah dies insofern, daß der ordnungsmäßig angestellte Lector (besonders für das talmudische Fach und die neuhebräische Literatur) Herr vr. Schiller-Szinessi zum Mitglieds der morgenländischen Studiencommission ernannt worden ist. Rußland. Petersburg, im Januar. Vom tapfern Leib Faigenbaum berichtet die „Post": Bei dem letzten Kampfe vor Plewna hatte sich auch, wie wir damals gemeldet, ein jüdischer Soldat, Namens Leib Faigenbaum aus Neschin im Gouvernement Tschernigow, besonders ausgezeichnet. Am 19. vorigen Monats traf in seiner Vaterstadt das officielle Telegramm mit der Nachricht von der tapferen Thal des Soldaten vom Orel'schen Infanterie-Regiment, Leib Faigenbaum, ein. Diese Nachricht versetzte die jüdische Bevölkerung der Stadt Neschin in die fteudigste Auflegung. Die Juden riffen sich buchstäblich um die Telegramme. An demselben Abend fand in der Synagoge ein feierlicher Dankgottesdienst anläßlich des Falles von Plewna statt. Bei dieser Gelegenheit verlas der Rabbiner das Telegramm über die Heldenthat des Soldaten Faigenbaum und knüpfte an daffelbe eine Rede, in welcher er die Hoffunng aussprach, daß jeder Jude, wenn er im Dienste des Vaterlandes in's Feld zieht, einen ähnlichen Muth zeigen werde. Darauf brachte die ganze Versammlung auf den tapfern Landsmann ein Hurrah aus. Zum Schluß wurde unter den Anwesenden eine Collecte zum Besten des Rothen Kreuzes veranstaltet, welche 60 Rubel ergab. Bonn, 13. Januar. (Notizen.) Aus Stettin wird uns unter den 8. d. geschrieben: Am 23. v. M. feierte der hiesige Rabbiner der Herr vr. Treuenfels seine silberne Hochzeit, und die Gemeinde bezeugte ihm sowohl als Corporation als auch durch viele Mitglieder ihren warmen Antheil durch Deputationen, Glückwünsche und werthvolle Geschenke. Dem vr. Treuenfels gebührt die Anerkennung, daß durch seine Bestrebungen in der Gemeinde trotz der Verschiedenheit der religiösen Richtungen Friede und Eintracht erhalten worden. Es haben sich zwar seit der Einführung der Orgel in der neuen Synagoge und einer neuen Cultusordnung ungefähr zwanzig Mitglieder unter dem Namen Adath Israel einen eigenen Gottesdienst hergestellt, sind aber nicht aus der Hauptgemeinde ausgetreten. Die beiden Parteien stehen sich in keiner Weise feindlich gegenüber, sondern gehen mit einander Hand in Hand, und die gemeinsamen Institute, namentlich die wohlthätigen, gedeihen und blühen. — Dr. Gust. Hirschfeld, bekannt durch seine Thätigkeit bei den Ausgrabungen in Olympia und augenblicklich in Berlin verweilend.

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