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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-22 · Heft 4 (22.1.1878) · p. Seite 55

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 4 (22.1.1878)
Date
1878-01-22
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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55 Oesterreich - Ungarn. Lemberger „Israelit" erlassen hat, eine Rabbinerschule auch in und für Galizien zu errichten. Wir wünschen sehnlichst, daß die Wien, 7. Januar. «Privatmitth.) Vorgestern hat der Tod gediegenen Worte, mit denen die Errichtung einer solchen Lehreine der hervorragendsten Persönlichkeiten aus unserer Mitte geanstall befürwortet wird, mit Erfolg gekrönt werten. Es liegt rissen. Hofrath Carl Ritter von Weil ist in seinem 72. Jahre ihnen durchaus kein provinzieller Ehrgeiz zu Gründe, so gut wie nach einem fast zweijährigen schmerzhaften Krankenlager in den Ungarn seine Rabbinerschule zu haben. Auch nickt blos das Armen seines Sohnes verschieden. Er bekleidete in dem Minigroße numerische Ueberverhältniß an jüriscker Bevölkerung gegen sterium des Aeußern und des kaiserlichen Hauses die Stelle eines Ministerialrathes, und war der einzige Jude, den die österreichische Regierung zur Amtslhätigkeit in das einstige Metternich'sche Burgverließ zuließ. Weil war ein geborner Kasseler und wurde 1851 vom damaligen Minister des Aeußern, dem Felvmrrschalllieutenant Fürsten Carl Schwarzenberg nach Oesterreich berufen. Er wurde im besagten Ministerium mit dem Referate über die deutschen Angelegenheiten betraut. Durch seine hohen persönlichen Eigenschaften, sein vielseitiges Wissen und feine gewandte Feder, gehörte er zu den bedeutendsten und tonangebenden Mitgehilfen sowohl dieses Ministers als auch seiner Nachfolger. Unter dem Ministerium Beust wurde ihm der österreichische Adel verliehen. Was ihn aber, abgesehen von der hervorragenden Stellung, die er als Beamter einnahm, in der Achtung seiner jüdischen Mitbürger so hoch stellte, ist, daß er die Fahne des Judenthums hochhielt, und man fand ihn stets in der ersten Reihe der Kämpfer, wo es galt, die Interessen des Judenthums zu vertheidigen. Die Beerdigung fand heute auf dem israelitischen Friedhofe statt. Eine große Zahl von persönlichen Verehrern und Freunden des Dahingeschiedenen waren erschienen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Die höchsten Spitzen der Beamten-, Schriftstellerwelt und der haute finanee umstanden den mit Kränzen bedeckten Sarg. So der Reichsfinanzminister Freiherr v. Hofmann, der Ministerresident v. Teschenberg, der gewesene Professor und nachmalige Justizminister Freiherr v. Hye, der Vorstand des Schriftsteller- und Journalistenvereins „Concordia", und viele andere ansehnliche Persönlichkeiten unserer Stadt. Nach dem Absingen des Trauerchorals unter der Leitung des greisen Cantors Professor Sulzer, hielt vr. Jellinek die Trauerrede. In der diesem berühmten Kanzelrevner eigenen meisterhaften Weise schilderte er die Laufbahn des Verblichenen, alle anderen Kronländer Oesterreick-Ungarns ist der Grund, warum eine Rabbinerschule Bedürfniß ist. Vielmehr geben die eigenthümlichen Verhältnisse der galizischen Juden, ihr religiöser und ihr Bildungsstand das wesentlichste Motiv dazu ab. Eine Anstalt, wie die neue Pester, entspricht unseren Bedürfnissen nicht, noch weniger die deutschen Rabbinerschulen, und als Beweis können wir anführen, daß in Böhmen, Mähren und Ungarn schon so mancher Schüler des Breslauer Seminars seine Anstellung und seinen Wirkungskreis gefunden hat. in Galizien keiner. Die Ursachen liegen in den Eigenthümlichkeiten unserer Zustände, die schon genugsam erörtert worden. Wäre die Orthodoxie hier wie überall nickt so sehr kurzsichtig, sie würde sich diesem Gedankens schon längst bemächtigt haben. Denn eS kann ihr ja der Verfall des Talmudstudiums in Galizien nicht entgehen, der mit jedem Jahrzehnt wächst, sondern auch die Mißachtung dieses Studiums nach der alten Weise, weil es sich eben ohne welches Resultat zeigt. Darunter leidet aber die Werlhschätzung des Talmuds selbst. Es geht dasselbe vor, was in anderen Ländern, z. B. in Deutschland seiner Zeit der Fall war. Man lernt den Talmud geringschätzen, und erst in Verbindung mit wissenschaftlicher Bildung und durch die wissenschaftliche Bearbeitung kommt er wieder zu Ehren. Aber die Orthodoxie will dies nicht einsehen. Es wird daher einer großen Energie bedürfen, um zum erwünschten Ziele zu gelangen. Wird einmal die Anstalt eine vollendete Thatsache sein, so wird es ihr an Mitteln, Schülern und guter Wirkung nicht fehlen. Nur darf man nicht Alles von der Regierung erwarten und verlangen. Anträge, Anerbietungen und Geldmittel müssen ihr enigegengebrachl werden. Dann wirb sie zur Herstellung die Hand bieten, und aus dem Landesmassafcnd Mittel hergeben. Mögen daher die Männer, welche den gedachten schön abgesaßten Artikel veranlaßt und geschrieben haben, nun auch zeigen, daß sie es ernst seine Verdienste um den Staat, um ras Judenlhum, und seine; gemeint und nicht blos mit schönen Worten sich begnügen wollen, bedeutende schriftstellerische Thätigkeit. Bezüglich der letztern deutete! er auf die Schriften res Verblichenen hin, die noch vor dem 48er Jahre erschienen, als noch der Kerkermeister des Geistes,! 5* die Censur, hemmend auf jede liberale Regung wirkte. l)r. i St.-Gallen, Anfangs Januar. lPrivatmiuh.) Vom ver- Jellinek gehörte zu den intimen Freunden des Verewigten, und; stoffenen Jahre liegt uns noch der dritte, een Zeitraum vom konnte sich kaum bemeistern, als er feinem Freunde das letzte! 1. October 1876 bis 30. September 1877 umfassenden Jahres- „Lebewohl" zurief. Sg. bericht des „Israelit. Asyls in Hegenheim" vor, einer jungen, von A»ö Galizien, 10. Januar. (Privatmitlh.) Wir haben freiwilligen Spenden, Geschenken und Legaten geschaffenen und mit Vergnügen auch in dieser Zeitung die Aufforderung gelesen,! erhaltenen Wohlthätigkeitsanstalt, die still und geräuschlos, aber welche der Verein „Schomer Israel" durch sein Organ, den I um so segensreicher wirkend, auch in Ihrem geschätzten Blaue

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