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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-15 · Heft 3 (15.1.1878) · p. Seite 44

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 3 (15.1.1878)
Date
1878-01-15
Page
Seite 44 (sequence 13)
Language
German
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44 ling in dem vom Institute zur Förderung der israelitischen t Literatur heraüsgegebenen Jahrbuch für die Geschichte der Juden f und des Judenthums Bd. II. S. 83—186 (1861) veröffentlicht ' hat, ist jetzt in einer englischen Uebersetzung vom Rev. l)r. F. de l Sola Mendes in New-Aork erschienen (London, Wertheimer s 1877). Es hätte wohl der Gründlichkeit des Uebersetzers nichts t geschadet, wenn er auch die Quelle, aus der er das Original I seiner Uebertragung entnommen, angegeben Halle. Wie wir z hören, wird in Paris eine französische Uebersetzung der „Sepharj dim" des Dr. Kayserling beabsichtigt. Und damit wir unsre 1 Notiz über diesen geschätzten Schriftsteller vervollständigen, theilen 1 wir mit, daß in nächster Zeit im Verlage von F. A. Brockhaus eine Schrift erscheint, welche die Lebensläufe aller geschichtlich und literarisch bekannten jüdischen Frauen ausführlich behandelt. — Im November 1875 feierte der durch eine treffliche Baßstimme und gute musikalische Bildung ausgezeichnete Obercanlor Friedmann in Pest sein fünfundzwanzigjähriges Dienstjubiläum, und jetzt erschien ein „Friedmann-Album", das sämmtliche zu dieser Feier an Herrn Friedmann gerichtete Zuschriften von Gemeinden, Vereinen und Privaten zum wörtlichen Abdruck bringt, voran sein Bildniß im Ornate (Pest, Chorin, 1877). — In Pest erscheint jetzt unter dem Titel -iro'arjrfit-u-« eine Wochenschrift in deutscher Sprache und hebräischer Quadratschrift mit Holzschnitten. — Bor zwei Jahren gab der Großrabbiner von Paris, Herr Zadoc Kahn, einen Band „Reden und Ansprachen" heraus (s. Jahrgang 187 5, S. 427). Soeben erschien eine zweite Sammlung: »Sermons et Allocutions adresses 5 la jeunesse isra&lite par Zadoc Kahn, Graud-Rabbin de Paris.“ Paris, Blum, 1878. Diese Ansprachen sind Reden zur Confirmation von Knaben und Mädchen. Der Berfaffer sagt in der Vorrede: „Obgleich neueren Ursprungs, hat diese schöne Ceremonie Wurzel gefaßt in unserem Cultus; sie bildet eine der glücklichsten Neuerungen unserer Epoche. Ihr voran gehen ernste Prüfungen, welche eine ziemlich lange Vorbereitung erfordern, und außerdem hat sie das Verdienst, lebhaft zu der Sache der Jugend zu sprechen, welche der Eindrücke noch so sehr fähig ist." Außerdem giebt Verfaffer eine Rede über die Künste und Handwerke im Judenthum, und einige Ansprachen bei der Preisvertheilung in den Schulen. Der Berfaffer besitzt eine schöne und warme Diction und weiß zu gleicher Zeit zum Herzen wie zum Verstände seiner Hörer zu reden. Auch giebt er diesen immerhin etwas gleichartigen Ansprachen durch die Wahl des besonderen Gegenstandes einen mannichfaltigen Inhalt. — Worte der Trauer an der Bahre seiner treuen Gattin, gesprochen von l)r. P. Neustadt, Breslau, Fiedler, 1877. — In Padua ist ein Subscriptionsblatt ausgegeben worden auf neuerdings zu veröffentlichenden, in Manuscript hinterlaffenen : Reden des fel. Prof. Celio della Torre; es sind deren sechs . über sehr interessante Themata, wie: Der Tag ist kurz, die : Arbeit lang; das Herz von Stein und das Herz von Fleisch; > ein neues Herz, ein neuer Geist; keine Armuth, kein Reichthum l u. s. w. Die ftüheren Leser dieser Zeitung wissen, daß della l Torre eine ausgezeichnete Beredisamkeit besaß, ebenso männlich wie , schwungreich. Die Herausgabe dieser Reden würde die jüdischs italienische Kanzelberedtsamkeit, die noch eine geringe Entfaltung . hat, wesentlich bereichern. Der Subscriptionspreis ist 3 Lire. Jeuilleton. Eine Glosse. Von G. Wolf. Während zahlreiche christliche Forscher vom wissenschaftlichen Standpunkt aus die historische Persönlichkeit Jesus leugnen, indem sie Nachweisen, daß diese Persönlichkeit von den Evangelisten, resp. von denjenigen, welche die Evangelien geschrieben haben, nach Modellen aus dem alten Testamente construirt wurde; steht die historische Persönlichkeit Jesu für jüdische Gelehrte, v. h. für solche, die Kennlniß des Talmuds haben, außer aller Frage. Abgesehen von den Frommen im Lande, denen jeder Ausspruch des Talmuds als ein noli me tangere gilt, wissen auch die Männer der historisch-kritischen Schule die historischen Relationen des Talmud zu würdigen und halten sie specicll in jenen Fällen für anfechtbar, wenn sie im halachischen Theile bei Gelegenheit der Feststellung eines Gesetzes berichtet werden. Wenn nun auch zeitgenössische Schriftsteller mit keinem Worte Jesus gedenken idie diesbezügliche Stelle bei Josephus ist bekanntlich eingeschoben-, so genügen für uns die Stellen Synhedrrn 43 a. und ibidem 67 a, die wir als unverfälschte historische Mittheilungen betrachten. *) 1) Synhedrin F. 67 a handelt von den Verbrechen der Verleitung zum Abfalle vom Glauben, rrora, in welchem Falle Zeugen im Verstecke gehalten werden, die dann gegen den Verführer zu deponiren haben. In der uncensirten Amsterdamer Ausgabe heißt es bei dieser Stelle: „So verfuhr man gegen Jesus" (Vgl. Grätz, Geschichte HI, zweite Aust., S. 241). Wie mich mein geehrter und gelehrter Freund, Herr I. H. Weiß, Lector am Beth-hamidrasch hier, aufmerksam machte, kommen im palästinensischen Talmud (Sabbat) wiederholt Verhandlungen vor, in welchen Jesus gedacht wird, ebenso im Midrasch Kohelet. Doch genügt die Oben citirle Stelle. Cor resp. Wir bekennen offen, daß nach unsrer Meinung ein solches Einschiebsel in an sich schon spätere halachische Verhandlungen in einem Schriftwerke aus dem fünften Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung für die Person Jesu und die Vorgänge mit ihm durchaus keinen geschichtlichen Werth hat, da es sich an die damals schon so lange Zeit im Schwang feiende christliche

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