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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-15 · Heft 3 (15.1.1878) · p. Seite 43

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 3 (15.1.1878)
Date
1878-01-15
Page
Seite 43 (sequence 12)
Language
German
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43 —. Aus Konstantinopel erfahrt man, datz von den, nach Konstantinopel zurückgekehrten Juden aus Kazanlik nur wenige sich entschlossen, nach Adrianopel zu gehen, und die übrigen in Konstantinopel selbst leidlich untergebracht wurden. Marokko. Paris, im December. Einzelne Mordthaten an Juden, um sie zu berauben, finden im Marokkanischen, namentlich auch an der Ostgrenze seitens der Araber statt, ohne baß die Behörden irgend eine Thätigkeit eintreten ließen, die Mörder einzuziehen und zu bestrafen. Es ist daher nicht zu verwundern, daß sich im Volke die Meinung verbreitet hat, kein Muselmann dürfe bestraft werden, bevor er nicht sieben Juden getödtel hätte. Die fremden Consuln, besonders der italienische, geben sich alle Mühe, diesem Zustande ein Ende zu erwirken, wenigstens die exemplarische Bestrafung einiger Verbrecher durchzusetzen, damit die blöde Masie dadurch abgeschreckt werde. So anerkennenswerth dies ist, so waren ihre Bemühungen bis jetzt doch erfolglos. Australien. Melbourne, im October. Bekanntlich besteht hier seit längerer Zeit schon eine der größten und prachtvollsten Synagogen. Der Australian Sketsher vom 29. September 1877 bringt das Bild der am letzten 26. August eingeweihten neuen Synagoge in Melbourne. Das stattliche Haus war mit einem Kostenaufwande von 2500 Psv. St. hergestellt worden. Die Prediger Jakobson und Benjamin aus Melbourne, Hermann aus Geelong, Rintel aus East-Melbourne, Blaubaum aus St. Kilda, Golvreich aus Ballarat wohnten der Feier bei. Unter Absingung des Chorals: „Oefsnet mir die Thore der Gerechtigkeit," wurden die Pforten des Tempels eröffnet. Während die 24 mit Silber und Gold geschmückten Thorarollen um die Bima getragen wurden, erklangen vom Chore feierliche Weisen. Dr. Jakobson hielt nun die englische Festrede, die mit vielem Beifalle von der Preffe beurtherll wird. Vor Schluß der Feier, nach dem Gebete für die Königliche Familie, ging die Almosenbüchse herum, um armen Waisen ein Andenken an den Festtag zu spenden. Die Sammlung ergab die ansehnliche Summe von 497 Pfund Sterling (---9940 Mark). Palästina. Jerusalem, im December. (Privatmitth.) Der russischtürkische Krieg hat hier nach einer besonderen Seite hin viel Noch und Bedrängniß hervorgerusen. Der russische Consul verließ nämlich zur Zeit der Kriegserklärung die heilige Stadt, ohne für den Schutz der zahlreichen russisch-jüdischen Colonie zu sorgen, namentlich derer, welche nicht mit Zeugnissen aus der Heimach über ihr Nationale versehen waren. Den Chikanen und Erpressungen der türkischen Beamten schutzlos ausgesetzt zu sein, war ein erschreckender Gedanke. Sie bestürmten daher das Bureau des amerikanischen Consuls F. S. De Hass, damit er sie unter den Schutz der vereinigten Staaten nehme. Dieses verlangte deshalb Instructionen von seiner Regierung, übernahm jedoch bis zu deren Eintreffen den Schutz der gedachten Personen und stellte ihnen sogar darüber auf ihr Verlangen Certificate aus. Gesetzlich mußte er für letztere Gebühren einziehen, die in die Staatscasse laufen. Für eine Anzahl armer Leute bezahlte er sogar diese Gebühren aus seinen Privatmitteln. Dies verhinderte nicht, daß De Hass in einem jüdisch-englischen Blatte angegriffen und eigennütziger Motive beschuldigt wurde. De Hass veröffentlicht daher in amerikanischen Blättern eine an ihn gerichtete Adresse der Vorsteher der russisch-jüdischen Gemeinde zu Jerusalem mit 190 Unterschriften, in welcher sie sein menschenfreundliches Benehmen schildern und ihren warmen Dank aussprechen. Die Adresse ist vom 3. Mai 1877 datirt. Charakteristisch ist, daß die Vorsteher die Adresse benutzen, um zugleich für ihre vielen Armen das Mitleid der Welt in Anspruch zu nehmen und Spenden zu erbitten. Daß sie derselben bedürfen, ist allerdings nicht fraglich. Bonn, 6. Januar. (Notizen). Am gestrigen Tage früh morgens starb in Wien Hofrath Karl Ritter v. Weil im Alter von 72 Jahren. Karl Weil hat zuerst in der Hauptstadt seines engeren Vaterlandes, in Stuttgart, in den dreißiger und vierziger Jahren das damals einzige Organ des deutschen Liberalismus „Die 'constitutionellen Jahrbücher" redigirt. Im Jahre 1848 siedelte er nach Berlin über und redigirte „Die constitutionelle Zeitung". Für den gemäßigt liberalen Standpunkt war aber damals im Kampfe der extremen Parteien gegen einander kein Raum. Die Zeitung wurde aufgegeben und Weil trat 1858 in österreichische Dienste und zwar als Rath im auswärtigen Ministerium. Die Dienste, die er hier leistete, werden durch die Auszeichnungen bezeugt, die er erhielt. Weil hat in den letzten Jahren unter einer schmerzlichen Steinkrankheit gelitten; bei der Feier seines 50-jährigen Doctor-Jubiläums, welche im März vorigen Jahres statlfand, mußte er die Glückwünsche zahlreicher Freunde und Corporationen auf dem Krankenbette entgegennehmen. Weil starb im Hause seines Sohnes, welcher die Orthopädische Anstalt zu Währing leitet; eine seil Jahren verstorbene Tochter Weil's war an den Dichter Mosenthal verheirathet. Weil hat auch stets seine lebhafte Theiluahme an den Interessen seiner Glaubensgenossenschaft belhärigt, und gehörte nicht zu den Vielen, welche, in Amt oder Literatur vorwärts gekommen, höchstens damit als Juden sich erweisen, daß sie den Glauben ihrer Väter nicht verlassen. Bonn, 6. Januar. (Literarische Notizen.) Die treffliche Biographie Menasseh ben Israel, die l)r. Kayser- 3*

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