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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-15 · Heft 3 (15.1.1878) · p. Seite 42

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 3 (15.1.1878)
Date
1878-01-15
Page
Seite 42 (sequence 11)
Language
German
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42 Rumänien. Bukarest, Ende December. Bon hier aus schreibt man der Wiener „Politischen Correspondenz": „Bei allem Interesse, mit welchem man selbstverständlich hier die Vorgänge aus dem Kriegsschauplätze und die in Entwicklung begriffene diplomatische Action der Großmächte verfolgt, kann man doch nicht umhin, auch den inneren Vorgängen jene Aufmerksamkeit zu schenken, welche dieselben vermöge ihrer Wirkung auf die zukünftige Gestaltung veS Landes im vollen Maße verdienen. Und da sind es vor Allem zwei Fragen, welche dieses Interesse in erhöhtem Maße in Anspruch nehmen: die Versetzung einiger Mitglieder des früheren Cabinets Lascar Catargiu in den Anklagestand und die sogenannte „Juvenfrage". Was die erste Frage anbelangt, so will man in gutunterrichteten Kreisen behaupten, daß die Anklage wider die gewesenen Minister zurückgezogen werden soll. Man wartet — so heißt es — eben nur die demnächst erfolgende Rückkehr des Ministerpräsidenten Bratiano aus Bulgarien ab, um in der Kammer den Antrag zu stellen, die seinerzeit von der Kammer selbst beschlossene Anklage zurückzuziehen." „Dieselbe Rücksicht gelangt auch bei Lösung der zweiten Frage, der Frage der Juden-Emancipation, zur Geltung. Man will auch die conservative Partei, oder wenigstens eine Gruppe derselben, an der Lösung dieser Frage Mitwirken lassen, die seit jeher zu den denkbar unpopulärsten in Rumänien gehörte, und welche die Nationalliberalen allein nicht zu regeln wagen, denn es handelt sich um nichts weniger, als den rumänischen Israeliten die volle Gleichberechtigung mit den anderen rumänischen Staatsbürgern zu gewähren, ein Zugeständniß, das, so naturgemäß es auch klingt, noch vor Kurzem kaum für möglich gehalten worden wäre. Ob nicht die Voraussicht, daß in Kurzem an die rumänischen Staatsfinanzen gewisse unabweisliche Nothwendigkeiten herantrelen werden, welche nicht leicht ohne das Wohlwollen der israelitischen Finanzkreife des In- und Auslandes zu befriedigen fein dürften, sehr viel dazu beiträgt, die Juden - Emancipations- Frage in Rumänien plötzlich so actuell zu machen, ist eine Frage, die kaum in negativem Sinne beantwortet werden könne." —. Zu weiterer Erläuterung des Obigen wird dienen, was der Alliance isra&ite univ. geschrieben wird. Die Zahl der israelitischen Soldaten in der rumänischen Armee ist sehr groß. Viele haben militärische Auszeichnungen erhalten, einige sogar den höchsten nationalen Orden, den rumänischen Stern. Ein junger Mann aus Jassy, von dessen tapferen Thaten bei Grivitza die Zeitungen berichtet haben, H. Brociner, ist zum Officier avancirt und zweimal decorirt worden. In allen rumänischen Städten haben sich auf einen Aufruf der Juden von Bukarest und Jassy jüdische Hülfscomitös für Verwundete gebildet, welche reichliche Gaben in Geld und Naturalien i Kleider, Wäsche, Binden, Charpie, Pferde, Ochsen rc.) gesammelt haben und noch sammeln. Die Gegenstände werden den Präfecten oder direct dem Ministerium übergeben. Die Gesellschaft Zion in Bukarest hat vier Ambulanzen organisirt, welche sie unter das Patronat der regierenden Fürstin gestellt hat, und deren Personal ausschließlich aus Juden besteht (die Herren Doctoren Cazinn, Lebel, Seul rc. und die Herren Erdreich, Piatra, Tüchten rc., jüdische Studenten). Diese Ambulanzen, welche sich seit dem 26. Juni im Felde befinden, haben unausgesetzt die größten Dienste geleistet. Ihrer Abreise ging eine Ceremonie voraus, welcher Ihre Hoheit die regierende Fürstin beiwohnte. Die Gemeinde von Jassy hat zwei Hospitäler errichtet , das eine in Bukarest, ebenfalls unter der LeiMng der Fürstin, und das andere, vom Schlachtfelde erreichbar, in Tarun- Magurelli. Das letztere, welches den Titel führt: Hospital des Centralcomites der Israeliten von Jassy, enthält dreißig Betten, welche vollständig von Juden unterhalten und bedient werden. In derselben Stadt unterhält ein gemischtes Comitö, das aus christlichen uuv jüdischen Damen besteht, ein Hospital von fünfzig Betten, in dem jüd. Damen den Dienst barmherziger Schwestern ausüben. Diesmal können selbst die ärgsten Judenfeinde diese Thatsachen nicht leugnen, denn sowohl die officiellen als auch die anderen (bis jetzt so judengehässigen) Journale bringen täglich die verschiedenen Spenden an Geld, Effecten und Naturalien zur öffentlichen Kenntniß, welche von jüdischen Gemeinden und Privaten auf dem Altar des Vaterlandes dargebracht werden. So aus Bukarest, Bottuschan, Brarla, Krajowa, Darabani, Dorohoi, Galatz, Jassy. Ismail, Mamornitza, Niamt, Plojest, Putna, Ravowitz, Rhbnik, Roman, Siweni, Tecuch, Sistowa, Vaslui u. a. O. — . Der Proceß gegen die Cimara's wegen der von ihnen angezettelten Mißhandlung und Beraubung der Juden zu Darabani geht langsam vor sich, doch sind bis jetzt alle Bescheide gegen die Einwende der Cimara's zu Gunsten der Juden ausgefallen. Cimara hat verlangt, daß sein Proceß vor ein anderes Schwurgericht gebracht werde, da seine Unthaten im Districte zu sehr bekannt sind, als daß nicht seine Verurtheilung gewiß wäre. Ferner brachte er einen Vertrag herbei, nach welchem vom Jahre 1835 an auf 25 Jahre die Einwohner von Darabani und unter diesen die Juden das Recht hatten, daselbst zu wohnen, und er behauptete, daß, da die 25 Jahre verflossen sind, er daS Recht habe, die Stadt zu zerstören und die Einwohner zu verjagen. Auch dieser Einwand wurde vom Gerichte verworfen. Nach den Erhebungen, welche durch die legale Commission erfolgten und am 23. Juli v. I. festgestellt worden, ist die Zahl der geplünderten Israeliten 112 gewesen und ihre Verluste erhoben sich zu der Summe von 470,364 Frcs. Zur Fortführung des Proceffes haben die Alliance zu Paris, die Jew. Ang. Ass. zu London, die Wiener Allianz und das rumänische Comite zu Berlin je 1000 Francs gesteuert.

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