Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1878)
- Date
- 1878-01-15
- Page
- Seite 36 (sequence 5)
- Language
- German
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umgeben ist 14), andrerseits eine Fülle böser Geister existirt, deren Haupt Satan ist. Die Engel stehen unter sieben Erzengeln, indem zu den genannten vier noch Metatron, Sandalphon und Sagsagel kommen. Ihr Beruf ist, Gott zu lobsingen, seine Befehle auszuführen, an seinem Rathe und Gerichte Theil zu nehmen. Im weiteren Verlaufe bilden sie sich auch zu Vertretern und Beherrschern gewisser Naturkrafte aus, so daß sich gewisiermaßen hier die Schöpfung des Polytheismus in abgeschwächter Weise wiederholt. Obschon nun diesen Engeln objecliv eine höhere und edlere Natur als dem Menschen zugeschrieben wird, so steht doch der Mensch dadurch über dem Engel, daß er durch den Trieb auch zum Bösen, durch die Ueberwindung destelben, durch das opfervolle Ringen um Tugend und Pflichterfüllung und den Sieg in diesem Kampfe eine Freiheit und Kraft bewahrt, wie sie der Engel nicht besitzt. An diese Vorstellung von den Engeln knüpft sich dann ein Schatz von Legenden und Sagen, (meist anknüpfenv an die geschichtlichen Erzählungen der h. Schrift und an einzelne Ausdrücke derselben), in welchen IheilS psychische Beobachtungen enthalten sind, theils die kindliche und orientalische Phantasie eine Befriedigung findet. Ihnen gegenüber besteht also ein starkes Lager böser Geister, besonders die zp-pr, welche die Menschen zu plagen, Krankheiten und Mißwachs ihnen zuzufügen berufen sind, und unter denen der Todesengel, mit seinem Schwerte und Gifttropsen an deffen Spitze, hervorragt, der bei anderen mit Satan selbst identificirt wird. Hier eröffnete sich nun eine reiche Quelle für Märchen und Aberglauben, aus welcher auch mancher Brauch und manche nicht unschädliche Sitte herausfloß. Der fruchtbare mittelalterliche Geist bemächtigte sich dieses Stoffes und gestaltete ihn mannigfach aus. Indeß ergiebt sich bei völlig unparteiischer Würdigung Folgendes: 1) Die Talmudisten gerierhen nicht in einen völligen Widerspruch mit der ganzen Anschauung des Iuventhums und mit ihrer eigenen, daß sie etwa dem Satan 14) Wohl zu beachten ist, daß die Vereinigung der guten Engel „Familie vou Oben (nb:?» bo N'bics) genannt wird (Sanhedr. 38, 1), was immer charakteristisch ist. und seinem Gefolge von bösen Geistern auf dem eigentlichen religiösen Boden eine wirkliche Existenz und eine dogmatisirte Macht Gott gegenüber zuschrieben; vielmehr bleibt ihnen die Grundidee fest mn laf sin *,3a sin „der Satan ist der böse Trieb" (Baba bathra 16, 1), er ist also nichts als von den beiden Trieben des Menschen, dem des Guten und dem des Bösen, der letztere; was von ihm ausgesagt wird, ist also nur Bild der seelischen Vorgänge im Menschen. 2) Um so weniger theilen die Rabbinen dem Satan eine substantielle Herrschaft auf Erden, ein Reich der Finstern iß zu, in welchem er herrsche, die Hölle. Auch der Talmudismus bildete sich eine Stätte für die Seligen, Gan Even, und eine Statte der Bestrafung für die Gottlosen, Gehinnom — aber sie machten die Letztere nicht zu dem Wohnort des Satans und seiner Genoffen und trugen diesen nicht die Ausübung der Strafen auf. 3) trat überhaupt keine Systematisirung, nicht des Engelreiches, noch weniger die des Teufels und seines Reiches, ein; es blieb all' dieses Phantasiewerk zerbröckelt und zerstreut, Product einzelner phantastischer Geister, wie des oben Genannten Resch-Lakisch, der auch „die sieben Himmel" benannte und beschrieb 15), und dann des Volkes, das sich den fruchtbaren Stoff der Schedim und Meißim nicht entgehen ließ. Diesen Stoff mögen sie immerhin vorzugsweise in jenen Gegenden gesammelt haben, wo der babylonische Talmud feine reiche Blüthe entfaltete; aber die christlichen Ideen über den Teufel, sein Wesen, seine Herrschaft, seinen Kampf mit Gott, und die Art, wie er die Seelen der Menschen sich aneignet, drangen nicht in die jüdischen Kreise und noch weniger in die jüdische Dogmatik ein. Darum hat sich innerhalb derselben auch gar kein Kampf über diese Anschauung erhoben: das lose Gerolle dieses Aberglaubens verlor sich unter dem Einfluß der Cultur von selbst, und wo es, wie im Chassidismus, noch heute aufgeschichtet liegt, bedarf es nur der ersten kräftigen Stöße der Civilisation, um auseinander zu stieben. — Wir kommen nun zum Schluffe zu der Schrift des Vr. Karsch. 15) S. Chagig. 12, 2. (Schluß folgt.) 2beifciuuj 6u*xcßtlcßteu/.; was die jüdischen Schulstellen betrifft, und bemerken noch ein- Deut^chland.! mal, daß es sich hierbei nur um diejenigen jüdischen Elementarschulen handelt, welche den Charakter als öffentliche besitzen. Bonn, 6. Januar. (Privatmitth.) Das Doppelheft für j Der „ordentlichen, festdotirten jüdischen Lehrer- und Lehrerinnen- November und December des „Centralblattes für die gesammte j stellen" giebt es in den Regierungsbezirken Königsberg und Unterrichtsverwaltung in Preußen" enthält eine Tabelle über die! Gumbinnen keine, im Reg.-Bez. Danzig 1, Marienwerder 17 Zahl der vorhandenen Lehrer - und Lehrerinnenstellen an den! und 1 Lehrerinnenstelle; sie waren sämmtlich besetzt. In der öffentlichen Volksschulen in Preußen und über deren Besetzung! Stadt Berlin 18 Lehrer und 4 Lehrerinnen; im Reg.-Bez. zu Anfang Juni 1877. Wir heben aus ihr alles das heraus,! Potsdam eine, Frankfurt a. O. keine; auch diese Stellen waren