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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-15 · Heft 3 (15.1.1878) · p. Seite 35

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 3 (15.1.1878)
Date
1878-01-15
Page
Seite 35 (sequence 4)
Language
German
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35 Wissen; alsdann werden sie alle Seelen aus nebligem Dunkel Führen herbei zum Gericht, zum Thron des unsterblichen, großen Gottes; denn er allein ist einzig und unvergänglich. Er, der Herrscher des All, er wird die Sterblichen richten." 10) Wenn wir auf diesem Grunde das apokryphische Buch „die Weisheit Salomon's", das zu Alexandrien abgefaßt ist, wie ganz besonders seine Polemik gegen die Egypter, egyptischen Götzendienst und Brauch erweist, und einer späteren Zeit angehört, zur Hand nehmen: so finden wir darin neben manchem Mystischen, doch eine vollkommen jüdische Anschauung von Gott, Welt und Mensch und vom letzteren wird die Unsterblichkeit der Seele in sehr entschiedener Weise hervorgehoben. Obfchon nun der größte Theil des Buches von den Gerechten und Ungerechten handelt, von ihren Triebfedern und Schicksalen, so findet sich doch nirgends des Satans, des Versuchers, Erwähnung, sondern die Menschen handeln überall aus eigenen Beweggründen, aus freier Entschließung, mit dem Bewußtsein des Guten und Bösen und seiner Folgen. Heißt es doch gleich im Anfang <1, 14): „Er hat ja Alles zum Sein geschaffen, und heilsam ist Alles, was in der Welt entstanden ist, und es ist darin kein Gift des Verderbens vorhanden, noch hat die Unterwelt ihr Reich auf Erden". Dies ist doch sonnenklar, und diesem Ausgangspunkte entspricht Alles, was in dem Buche ausgesagt wird. Um so auffälliger ist ein einziger Vers, nämlich 2, 24: „Aber durch den Neid des Teufels ist der Tod in die Welt gekommen und ihn erfahren, die jenem angehören." u) Dies ist völlig ein christlicher Ausspruch und schon der Ausdruck <p&bra> di dtaßoXov erweist dies. Widerspricht dem doch 10, 1, wo es heißt: „Sie (die Weisheit) war es, die den Erstgeschaffenen, noch allein seiend, bewahrte und nachher ihn herauszog aus seiner Uebertretung und ihm Kraft gab, über Alles zu herrschen" — also das gerade Gegentheil der Erbsünde, indem Adam aus seiner „Uebertretung" wieder herausgezogen ward. Um es kurz zu sagen: dieser Vers 24 am Schusie des 2. Capitels ist ein späteres Einschiebsel aus christlicher Feder, wie dergleichen nicht selten, z. B. der bekannte Paragraph im Josephus. Der Vers ist hier vollständig überflüssig. Denn V. 23 lautet: „Denn Gott hat den Menschen geschaffen zur Unvergänglichkeir und ihn gemacht zum Bilde seines eigenen Wesens." Hierauf folgt im dritten Capitel V. 1—9 die Schilderung der Gerechten und ihres Loses und V. 10—19 die Schilderung der Gottlosen und ihrer Vergeltung. Hiernach ist V. 24 nur eine willkürliche Hinzufügung zu dem schönen 10) Zu den Erzengeln des Buches Daniel, Michael und Gabriel, sind hier die später so beliebten Raphael und Uriel gekommen. Diese Schilderung ohne Satan hat übrigens um so mehr Nachdruck, als das Adjectiv caxdvaiog in den Sibyll. Weißs. einmal vorkommt (11, 56» im Sinne von heimtückischen Spöttern. 11) (D&ovw di dtußoXov &uvuTog ilarß.d-iv ilg Tor y.oafiov’ TtiiQitLpvoi di utnbv ot tov ixtivov iitQi'dog uvrfg. V. 23, um demselben die christliche Anschauung anzuhängen. — Somit bleibt aus allen apokryphischen Büchern nur das7Volksbuch, das den Namen „Tobil" führt, übrig, in welchem sich der spätere Volksglaube abspiegelt. In demselben tritt der Engel Raphael in Menschengestalt als heilender und schützender Bote Gottes auf, und im Gegentheil ist es „Asmodaus, der böse Geist", der die sieben Männer der Sara, Tochter des Raguel, nacheinander tödtet, ehe sie sich noch jener genähert haben. (3, 8). Da wird (V. 17) der große Raphael ausgesandt, den Tobit zu heilen und „Asmodaus, den bösen Geist, zu binden." Um den bösen Dämon aus dem Brautgemache für immer zu verscheuchen, wird „von dem Herzen und der Leber res aus Anweisung Raphaels gefangenen Fisches auf Kohlen geräuchert." Dieser populäre Aberglaube weist uns allerdings auf Persien hin, denn der Name -rriuwrr ist mit dem persischen Aeschma dewa identisch. Zugleich führt er uns auf das talmudische Gebiet. Gittin 68, 1. 2 wird über dieses Oberhaupt der Dämonen ausführlich gehandelt. Die Midraschisten konnten nicht einräumen, daß Salomo der Weise, der den heiligen Tempel gebaut, dennoch der Ueppigkeit verfiel und sogar dem Götzendienste zu Gunsten seiner fremdländischen Frauen neue Stätten errichtete. Sie dachten sich daher, daß ein böser Geist, und dies soll Asmodai gewesen sein, über Salomon Macht bekommen, ihn aus Jerusalem zu einer langen mühsamen Wanderung verbannte, bis es Salomo gestattet wurde, wieder zurückzukehren und den Asmodai zu verjagen. Dieser letztere hatte in seiner Zwischenherrschaft alles das gethan, was dem Salomo zum Borwurf gereicht. Aber gerade hierbei bewährt es sich, daß dieser Spuk böser Geister erst viel später, als das Christenthum entstanden war, in die jüdischen Kreise eingevrungen ist. Denn in den früheren palästinensischen Quellen z. B. Pesik. Achre 165 a ist es nicht ein böser Geist Asmodai, sondern einfach ein Engel (-sdrr-a). „der in Gestalt Salomo's herabkommt und sich auf dessen Thron setzt" rc. Während man also früher und in den heimischen Kreisen diesen Act der Sühne Salomo's Gott selbst durch einen Engel zuschrieb, wurde er von den Späteren in den babylonischen Schulen einem besonderen bösen Geiste, der mit allem Geifterspuke versehen auftritt, zugeschrieben. Es ist hier nicht der Ort, eine Zusammenstellung dessen, was in Talmud und Midrasch — auf den letzteren kommt der bei Weitem größte Theil — über das Geisterwesen weithin zerstreut ausgesprochen und berichtet wird,13) zu geben. Ein Ueberblick zeigt, daß — analog dem persischen Ormuzd und Ahriman ' mit ihren Äzeds und Dews — von der einen Seite Gott mit einem Hofstaate guter Engel (z-H'St-; '2rrb72 und a'arrrr: 'n) 12) Vgl. Levy, Neuhebr. Wörterb. s. v. 13) Vieles findet man in der Schrift des ür. Gideon Brecher , „Das Transcendentale, Magie und magische Heilarten im Tal- : mud" (Wien, 1850), wenn auch die Darstellung viel zu wünschen übrig läßt und nicht Weniges nachzutragen bleibt. 3*

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