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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-15 · Heft 3 (15.1.1878) · p. Seite 34

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 3 (15.1.1878)
Date
1878-01-15
Page
Seite 34 (sequence 3)
Language
German
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34 vorheben, daß von bösen Engeln oder gar von einem bösen Principe auch im Buche Daniel nicht das Geringste angedeutet ist. — Kommen wir nun zu den nichtbiblischen jüd. Autoren, so weiß weder Iosephus, noch Philo etwas vom Satan als bösem Geiste und dessen Genossen. Iosephus hält die Schlange im Paradiese für eine wirkliche, die damals noch sprechen konnte-^), und Philo sagt ausdrücklich z. B. in dem Buche Quod Det. potiori insid. soleat (p. 177 etl. Höschel): „Denn nicht wie einige Frevelhafte sagen, daß Gott die Ursache des Bösen sei, spricht Moses, sondern unsre eigenen Hände, d. h. unsere eigenen Unternehmungen und unsre freiwilligen Gedanken neigen sich zum Schlimmeren." s) Ebenso wenig bieten uns die älteren und fester im Judenthume wurzelnden Schriften unter den Apokryphen irgend welche Handhabe für diese Anschauung. Die aus hebräischem Boden erwachsene, der Makkabäischen Zeit angehörende „Weisheit Sirachs" enthält nichts von Engeln,') und nicht minder die Bücher der Makkabäer. Auch das Buch Judith nicht, das in seiner ganzen Anlage eine populäre Schrift ist und die vielfachsten Gelegenheiten, gute und böse Engel einzusühren, gehabt hätte. Es geht hieraus hervor, daß vor und zu der Zeit, in welcher JesuS gelebt haben soll, der Glaube an das böse Princip, an die wirkliche Existenz eines Teufels, der gegen Gott ankämpft und den Beruf hat, die Menschen zum Bösen, zum Abfall von Gott zu verleiten, in der jüdischen Welt nicht vorhanden war, daß das Christenthum ihn nicht aus dem Judenthume, sondern nur anders woher entnehmen konnte, und ihn als ein nothwendiges Glied feiner ganzen Dogmatik schnell acceptirte und aus- 5) ^utiiu. 1, 1. Er sagt: „Die Schlange aber beraubte Gott zur Bestrafung ihrer Bosheit gegen Adam ihrer Stimme und Rede :c."; und vorher: „Während damals alle Thiere in Friede und Eintracht mit einander lebten, war die Schlange, welche mit Adam und seinem Weibe verkehrte, ihnen neidisch über die Glückseligkeit, die sie sich durch den Gehorsam gegen die Gebote Gottes erwerben würden." (Der fromme Bischof Marlin von Paderborn macht in seiner Uebersetz. der Alterthümer des Iosephus an dieser Stelle die Anmerkung: „Daß die Schlange als Werkzeug des Teufels die Eva verführt hat. halte hier nicht unerwähnt bleiben dürfen." Schade, daß Iosephus, ehe er sein Werk schrieb, nicht dessen Uebersetzung mit Anmerkungen durch den Profesior und Bischof Martin hat lesen können! So aber sieht auch Herr Martin, wenn auch ungern, daß Iosephus nichts vom Teufel gewußt hat.) 6) Ov yuo, wg tvtot zwv doeßwv, zov d-fbv ai'ziov xax&y <j>7joi Blojvofjg, dXhx z dg ^/.itztpag yÜQug av/ußo- 7.txöug tu Tjf.iiTtQu nugtazag zyyugrjfzuzu, xui zag txovaiovg zrtg diuvuiug nybg zo ytiQoy ZQonug. 7) Die Stelle 17, 17: „Jeglichem Volke setzte er einen Führer (f}yov(.itvog), aber Israel ist des Herrn Theil", hat den einfachsten Sinn, da Israel ursprünglich keinen König, sondern nur Gott zum Herrn haben sollte. Auf die Vorstellung des zweilen Theils des Buches Daniel kann dies um so weniger bezogen werden, als dort auch Israel einen Engel zum schützenden Genius hat. bildete. Wo im A. T. der Satan genannt wird, ist er nur poetische und visionäre Figur, symbolisirend die Verschuldung des Menschen vor Gott; er ist als einer der Diener Gottes, der Engel, ganz dem Willen Gottes untetthan und hingegeben gedacht. So im Hiob und Secharjah U. Ueberall sonst kommen selbst die Engel entweder gar nicht vor oder nur im Sinne von Wesen, die zwischen dem Menschen und Gott stehen und den Willen Gottes vollstrecken, wie das Wort ursprünglich bedeutet. Ja, von „bösen Geistern" kommt in der h. Schrift nichts vor »>, wenn auch solche im uralten Volksglauben vorhanden gewesen und als heidnisches Element vor Alters schon bekämpft worden sind.Wir sehen daher im Gegensatz zu den früheren und damaligen Schriften — zum Iosephus, Philo und den älteren Apokryphen — im „Neuen Testament" den Satan und zahllose böse und „unreine Geister" eine große Rolle spielen, so daß die große Bedeutung des Teufels durchaus als eine christliche Idee und als ein christliches Dogma angesehen werden muß. Ja, im Gegentheil, aus den christlichen Kreisen breitete sich die Vorstellung vom Teufel und seinem ganzen Heere mit der Zeit auch unter den Juden aus. Es ist dies durchaus nicht so unwahrscheinlich, wie es Manchem llingen möchte. Gingen doch die Erzählungen der neutestamentlichen Schriften im dritten Jahrhundert in die jüdischen Kreise über und wurden ohne Kritik angenommen, selbst die Berichte über die Verurtheilung Jesu durch die Juden, und noch Einzelneres, wie der Aberglaube über den Tod Eines, wenn Dreizehn an einer Tafel sitzen u. dgl. m. Wenn wir dagegen diejenigen „Sibyllinischen" Weiffagungen durchmustern, welche als jüd. Ursprungs anerkannt werden müsien, so finden sich keine Spuren vom Glauben an den Teufel. Im ersten Buche B. 38 heißt es: (ed. Friedlieb, S. 11): „Ihnen aber darauf gab Gott fürsorglich Befehle, Nicht zu berühren den Baum. Aber doch wurden sie von der Schlange Schrecklichem Truge verführt und gewannen die Loose des Todes, Um von Gut und Bös zu erhalten nähere Kunde. Aber es übte zuerst das Weib am Manne Berrath aus. Gab ihm und suchte zum Fall den arglosen Mann zu bewegen." Und weiter: „Die Schlange jedoch, die Schuld der Verführung, > Zwang er auf Seite und Bauch gestützt die Erde zu streifen. : Unerbittlich trieb er sie fort, und stiftete Feindschaft." rc. j Auch eine Schilderung des jüngsten Gerichtes finde hier einen Platz. (B. 3, V. 214): | „Aber wenn dann des unsterblichen Gottes ewige Boten, Michael, Gabriel, Raphael und Engel Uriel kommen, , Welche, was immer vordem die Menschen Böses begangen, 8) Ueber nyn rm s. d. Z. Jahrg. 1877, S. 391. i 9) S. 3 Mos. 17, 7 vgl. 2. Chron. 11, 17. Der Ursprung des Glaubens au aus Egypten ist nachweisbar.

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