Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1878)
- Date
- 1878-01-15
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipp lou in Bonn. Verlag von Baumgärtuer's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark 50 Pf. pro Hundert berechnet. Diese Zeitung erscheint wöchentlich, einmal in 2 viS 2>/. Bogen. Prer» Bierteliähria 3 Mark. Inserate werde» mit 2« Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchbaildtunge». Postämter und Zeitung» - Expeditionen nehmen Bestellungen an. In redactiouellen Angelegeahenen wende man sich anDr. £. JJDUippfon in Bonn; hinsichtlich der Inserate an ». Masse in Leipzig und deffcn Filiale» in Berlin, BreSIau rc. Inserate, welche bis vonaerstag eiMhea. finden rn der oarauiiolg-ndeu Nnm— - 42. Jahrgang. Leipzig, den 15. Januar 1878. JV? 3. Inhalt. Leitende Artikel: Die Versuchung. III. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn. Berlin, Straßburg, Mülhausen «Elsaß), Darmstadt, Gießen, Dirschau. — Frankreich: Paris. — Rumänien: Bukarest. — Maro kko: Paris. — Australien: Melbourne. — Palästina: Jerusalem. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Eine Glosse. — Vermischtes: Die Theologen gegen die Juden. — Ulk für Braun. j£ei/fcetu)e' CLxJakei. Bonn, 9. Januar. Die Versuchung. III. R. Simon b. Lakisch (st. um 175 nach der gew. Zeitr.) that den Ausspruch, daß, sowie die Monatsnamen, auch die Namen der Engel auS Babel mitgebrachl wurden.*) Hinsichtlich der Monatsnamen kann hierüber kein Zweifel bestehen, denn sie bestätigen es selbst. Hingegen was die Engelnamen betrifft, erscheint es insofern fraglich, als nach unsrer Meinung erst viel spater fremdsprachliche Namen guter und böser Geister gang und gäbe wurden. Wir haben oben gesehen, daß nicht bei allen exilischen und nachexilischen Propheten -) die Engel Vorkommen, sondern nur zunächst bei dem nachexilischen Secharjah, während Hagai und Maleachi 'n fKbn vom Priester und Propheten brauchen. Ganz anders nun im zweiten Theile des Buches Daniel (Capp. 7—12), das mitten in den Makkabäischen Kämpfen verfaßt ist. Hier tritt die Engellehre in ganz entschiedener Faffung auf; die Engel sind nicht mehr objective Bezeich- 1) Talm. Jerus. Rosch hasch. 1. ma® qs -i7:rr basn baa® in-2 iby a'-nsb»n. 2) Bon den Psalmen ist es nur der 103., welcher in B. 20 die Engel, „Helden an Kraft, feines Wortes Vollstrecker, hörend auf die Stimme seines Wortes", nicht als eine bloS poetische Redeweise annehmeu läßt; so auch nicht Hiob 4, 18. nungen, sondern völlig subjectiver Natur, persönliche Existenzen. Sie sind um Gott versammelt, „tausendmal Tausende, die ihm „dienen", seinen Willen vollstrecken und zum Gericht Gottes gehören (7, 10), und unter ihnen solche, die auch namentlich angeführt werden, Gabriel und Michael. Außerdem wird die Erscheinung des einen genau beschrieben (10, 5. 6). Jedes Volk hat seinen besonderen Engel, so Persien, Griechenland, Israel. Diese Engel bekämpfen einander für ihre Völker. So steht in diesem merkwürdigen Buche der Glaube an Engel auf einem realen Boden, und es unterscheidet sich gänzlich auch hierin vom ersten Theile (Capp. 1—6), in welchem von Engeln keine Spur, so viele Beranlaffung dazu sich auch geboten hättet) Dieser erste Theil des B. Daniel wurde in der ersten Zeit nach dem Exile, ungefähr 80 Jahre nach Daniel geschrieben.*) Hieraus folgt nun, daß diese subjective Auffaffung der Engel doch erst Jahrhunderte nach dem Exil sich im Judenthume festsetzte, und daß auch ftemdländische Namen erst viel später aufkamen. Denn die Namen Michael und Gabriel sind echt hebräisch, und wir wüßten nicht, warum der Verfasser jenes Buches nicht auch andere Namen gebraucht hätte, wenn sie bei den Juden damals schon im Schwange gewesen wären. Wir werden weiter unten noch einen anderen Beweis aufführen. Ebenso müssen wir her- 3) Daß Nebuchadnezzar statt der hineingeworfenen drei Männer vier im brennenden Ofen sieht (3, 25), bildet keine wirkliche Ausnahme. 4) S. die ausführliche Erörterung und Begründung in der Einleitung zum Buche Daniel in» unsrem Bibelwerke B. NI, S. 877 rc.