Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1878)
- Date
- 1878-01-08
- Page
- Seite 29 (sequence 13)
- Language
- German
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29 Mayer: Was heißen Sie zu spät? — Anna Klimelsch: Jetzt muß 's G'richt reden. Richter: Wenn der Herr Mayer die Klage zurückziehen will, steht es ihm frei. Mayer: Ich bin so frei und mache von dieser Freiheit Gebrauch; ich habe die Frau nicht gekannt, die Frau hat mich nicht gekannt, ist es eine Kunst, wenn da ein Mißverständniß entsteht? Jetzt, wo wir uns kennen, wird so was nicht Vorkommen; habe ich Recht, Frau Klimetsch? Anna Klimetsch: Recht hat der Hausherr; d'Mißverständniß kommen bei die noblichsten Leut', sogar bei die Minister vor. Richter: Herr Mayer, Sie verzichten auf das Strafurtheil? — A! ayer (freudestrahlend): Ich verzichte vollständigst und wünsche der Frau Klimetsch die glücklichsten Feiertage. Richter: Die Verhandlung ist geschlossen. Anna Klimetsch: I küss' d'Hand. (Zu ihrem Gatten gewendet-: Hast g'sehen, daß dein Weib a Mann ist. Karl Hugo vulgo Bernstein. Es geziemt uns hier wohl, das Leben eines Mannes zu skizziren, der von der Natur mit Talenten begabt, den rechten Weg für deren Ausbildung und Verwendung nicht finden konnte, dafür aber einem gewisien Grade von Größenwahnsinn verfiel und so theils in Sonderbarkeiten, theils in Lächerlichkeiten verloren ging. Karl Hugo hieß eigentlich Karl Bernstein und war der Sohn armer israelitischer Eltern, geboren zu Pest 1808. Schon in früher Jugend zeigte er ungewöhnliche Talente, aber da der Vater aus ihm einen Geschäftsmann machen, Karl jedoch Schauspieler werden wollte, fehlte es nicht an Consticten, welche die Mutter zu lösen verstand. Er beendigte die Studien zu Pest am evangelischen Gymnasium und begann aus den Wunsch der Mutter das Studium der Chirurgie. Um die ihm fehlenden Mittel zum Rigorosum zu bestreiten, trat er auf 20 Monate in das Militär ein und bezahlte mit dem Ersparnisse das Rigorosum. 1830 trat er als Stabsarzt in die polnische Revolutionsarmee und erwarb sich für seine Verdienste das Ehrenzeichen. Nach dem Falle Warschaus kam er in russische Dienste, hielt es aber da nicht lange aus, kehrte nach Pest zurück und widmete sich daselbst der ärztlichen Praxis. Da sich bei der Cholera die ältere Heilmethode für unzulänglich erwies, ging er zur Homöopathie über und vercheidigte in mehreren Schriften, wie „Mosaik", „Doctor Ego", „Saphir geschliffen und ü jour gefaßt", das System Hahnemann's, was letzteren reranlaßte, Hugo nach Paris einzuladen. Hugo kam auch 1830 nach Paris, hielt es jedoch nicht lange Lei seinem Meister aus. In der Seinestadt fesselten ihn die Theater und veranlaßten ihn, seine Talente zu verwerthen. Von Paris begab er sich nach Hamburg, wo er auf Subscription seine gesammelten Gedichte unter dem Titel „Sehnsuchtsklänge eines wandernden Hagestolzen" herausgab. Das deutsche Bühnenwesen von Grund aus zu verbessern, begab er sich nach Berlin, wo er kein geringeres Vorhaben verwirklichen wollte, als Shakespeare's Dramen nach einer eigenen Idee zur Darstellung zu bringen, zugleich aber die Hauptrollen Romeo, Lear, Shylock, Hamlet u. a. selbst zu spielen. Von den Berliner Theatern zurückgewiesen, kehrte er nach Hamburg zurück, trat als Schauspieler Bern aus Linz auf und spielte in Altona den Roderich in „Traum ein Leben". Sein Erfolg führte ihn nicht zum Ziele, und -seine Blicke richteten sich nunmehr auf Wien, dessen Hofburgthealer seinem Ideale am nächsten kam. In Wien im Jahre 1841 angelangt, lebte er als homöopathischer Arzt, und ließ es dabei an Versuchen nicht fehlen, seine Dramen zur Ausführung zu bringen, jedoch ohne Erfolg. Nicht entmuthigt, sparte er sich mühsam die Druckkosten zusammen und gab „Das Schauspiel der Welt", in 4 Acten, und als Fortsetzung und Schluß „Den Stein der Weisen", auch in 4 Acten, beide Dramen unter dem gemeinsamen Titel „Die große Fibel" heraus, Neben viel Verfehltem, Uebertriebenem, Unbrauchbarem fand die Kritik in diesen Dichtungen Phantasie, poetische Schönheiten, philosophischen Geist. Bald darauf gab Hugo das bühnengerechte Drama „Brutus und Lucrezia" (Wien, 1815) als Manuscript heraus, aber um diese Zeit trat Ponsard mir seiner Lucrezia hervor. Das französische Drama machte Sensation, wurde sogleich übersetzt und Hugo sah überall die Arbeit des Franzosen seiner Dichtung vorgezogen und hatte wieder das Nachsehen. Dieses Unglück entmuthigte ihn tief; Deutschland aufgebend, ging er nach Pest. Die ungarische Sprache halte er vergessen, aber das Unglück stählte seinen Mulh und seinen Eifer. Mit Ausdauer verlegte er sich auf seine Muttersprache, und hatte sie sich bald wieder so angeeignet, daß er sie nicht nur gut sprach, sondern auch geläufig schrieb. In Pest gelang es ihm endlich, sein fünfacliges Trauerspiel „Egy magyar kiraly“ im Jahre 1840 im ungarischen Nationaltheater zur Aufführung zu bringen. Nun übersetzte er auch sein Drama „Brutus und Lucretia" in's Ungarische, und das von den deutschen Bühnen zurückgewiesene Stück wurde in Pest zuerst in deutscher, dann in ungarischer Sprache aufgesührt und gefiel in beiden Theatern. Nun folgte „Baro es bankär“, welches sich bis in die letzten Tage als Repertoirestück des Nationaltheaters erhalten hat. Im Jahre 1847 begab er sich wieder nach Paris; das Glück schien ihm günstig, Janin nahm sich seiner an. Alles war im besten Zuge, als die Revolution ihn um alle seine Hdsfnungen brachte. Er lebte nun als homöopathischer Arzt, führte ein verborgenes Dasein, bis ein Proceß mit der Sängerin Borghi-Mamo, von der er für eine ärztliche Behandlung, die in drei Visiten bestand, das Honorar von 10,000 Frcs. verlangte ihn zuerst der Lächerlichkeit preisgab. Das Gericht wies Herrn Karl Hugo Amber-Bernstein, vr. der Homöopathie u. Tenor a. D.,