Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1878)
- Date
- 1878-01-08
- Page
- Seite 30 (sequence 14)
- Language
- German
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30 ab und verurtheilte ihn in die Kosten. Nach mannigfachen Wechselfällen kehrte Hugo im Jahre 1848 in seine Heimath zurück, um feinen 80-jährigen Vater zu besuchen. Dann begab er sich nach Berlin, wo sein Stück „Der Kaufmann von Marseille" am 13. December 1859 mit entschiedenem Beifall gegeben wurde. Nun war längere Zeit nichts von dem Dichter zu hören, bis er im Jahre 1861 in Berlin sich durch seine mimischen Vorlesungen lächerlich machte. Die Behandlung von Seiten der Preffe und des Publikums, die ihm damals widerfuhr, blieb nicht ohne Wirkung auf sein Gemüth. - Seine extravaganten Handlungen begannen Aufmerksamkeit zu erregen, und er nannte sich damals zum ersten Male „Fürst der Poesie, der seinen Feinden giebt Amnestie". Bald darauf ließ er auch ein Buch unter dem Titel „Karl Hugo Amber-Bernstein, oder das gemaßregelte Genie" (Berlin, 1862) erscheinen, welches den 4. Band seiner „Mernoires terribles «Tun martyre monstre“ bildet. Da dieses Buch eine Menge von Beleidigungen von Beamten, hohen und höchsten Personen enthielt, wollte man anfänglich die Staatsanwaltschaft einschreiten lassen, begnügte sich aber damit, den Gemüthszustand Hugo's Lurch den Geheimrath Kaiser untersuchen zu lassen, in dessen Folge man von einer amtlichen Untersuchung gegen H. abstand. Später begab sich H. nach Dresden, Wien und Pest, wo er pantomimische Vorstellungen gab und damals schon Gegenstand des allgemeinen Bedauerns war. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er mit geringen Unterbrechungen in Buda-Pest, gekannt und belächelt von Jedermann. Um seinen Forderungen und Ideen größeren Nachdruck zu verleihen, gründete Hugo die „Fuchtel", ein Organ, in welchem er die Weltlage besprach, in so fern sie in irgend einem Verhältniß zu der Pension stand, die er durch sein heftiges Wort zu erzwingen hoffte. In derselben wurden alle Personen „verrissen", die er für seine Feinde hielt oder die seinen Wünschen nicht entsprachen. Er lebte in den dürftigsten Verhältnissen, trug aber die höchste Meinung von sich zur Schau. Er nannte sich den „Fürsten der Poesie", „Dichter dreier Nationen", den Erfinder der „Pantomimik", erfand seine eigene Philosophie, die „Hugologie", und theilte Ehren aus. So fertigte er Diplome aus, die folgendermaßen lauteten: „Cher Mousieur . . Les Services que vous m'avez remlus dans ma vocation de civilisation me causenl le plaisir de vous uominer Chevalier de Ia civilisalion. Charles Hugo. (Brevet provisoire.)“ Er verstarb in diesen Tagen in einer Dachkammer zu Mailand, wohin er jährlich aus Pest zu längerem Aufenthalte ging. Jedenfalls bietet er ein psychologisches Räthsel dar; denn diejenigen, welche ihn persönlich kannten, sind über die Frage uneinig, wie weit er wirklich geisteskrank war und wie weit er simulirt hat. Anzeigen. Für eine ansehnliche, jüdische Gemeinde, in der schönsten Gegend des Reinlandes, wird hei hohem Gehalte ein (’ultusbeaillter gesucht, welcher ausser der Cantor- und Religionslehrerstelle, auch vollständig diejenige des Predigers bekleiden kann, sowie eine schöne Stimme und die Fähigkeit hat, den Chor mit Orgelbekleidung dirigiren zu können. Franco-OIVerlen erbeten unter K. R. 165. Rudolf 3Iosse*S Annoncen-Expedilion, Leipzig. (165) An der Hiesigen Simultanschule ist die vierte LeHrerstelle durch einen jüdischen Lehrer zum 1. Februar 1878 zu besetzen. Die Commune hat als festes Gehalt . 950 Mark zur Wohnung.250 und Brennmaterialien.150 bestimmt und von der israelitischen Gemeinde wird für Privatunterricht und die Function als Corporations-Schreiber noch ein Einkommen von 600 Mark in Aussicht gestellt. Bewerber wollen bald ihre Meldungen an die Regierung zu Posen einsenden. (116) Oborttik. Rabbiner Jacob Purk. Ich suche für m. Manuracliirwaarenliaudlung per 1. Mürz k. J. oder früher einen tüchtigen Verkäufer, welcher Landtouren zu machen hat, bei hohem Salair. (34) _S. 31. Frank, Einbeck. Ein junges Mädchen, (Israelitin), sucht Stellung zur Stütze der Hausfrau. Es wird weniger auf hohes Salair gesehen, wie nur liebevolle Behandlung und zur Familie gehörend. (10979) Gefällige Offerten unter 8. 3. # 10979. befördert Rudolf 31osse in Leipzig. Die Stelle des Borbeters und Religionslehrers bei hiesiger Gemeinde ist erledigt und soll demnächst wieder besetzt werden. Bewerber wollen sich unter Einsendung ihrer Zeugnisse baldigst melden. Solingen, 18. December 1877. (10980) _Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Ein verheiratheter, junger Mann, 27 Jahre alt, mosaischer Religion, mit sehr guter Handschrift, der in bedeutenden Geschäften thätig gewesen und dem die besten Referenzen zur Seite stehen, sucht, am Erwünschtesten sogleich, Stellung als Buchhalter, Reisender oder Lagerverwalter. Gefällige Adressen erbittet man unter A. J. postlagernd Aeustettiu in Pommern. (11010) Knaben, welche die h. höhere Lehranstalten (Gymnasium und Gewerbeschule) besuchen sollen, finden bei dem Unterzeichneten liebevolle Aufnahme, religiöse Erziehung und gewissenhafte Beaufsichtigung bei ihren häuslichen Beschäftigungen. Coblenz. S. 1 Friedhery, (163) israel. Lehrer u. Cultusbeamter.