Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1878)
- Date
- 1878-01-08
- Page
- Seite 27 (sequence 11)
- Language
- German
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27 fluß auf die religiöse Entwickelung unserer Gemeinde aus. Die vom Herrn Rabbiner l)r. Jaulus gehaltene Grabrede wird auf Wunsch der ehemaligen Schüler des Verstorbenen demnächst im Druck erscheinen.— Aus Friedeberg (Neumark) berichtet man uns den Tod des Herrn M. Mendelsohn der 20 Jahre mit treuester Hingebung das Borsteheramt im Geiste friedlicher Strebsamkeit ausgeübt hat. Sein Hinscheiden versetzte die ganze Gemeinde in tiefe Trauer. I e 11 i l l e 1 o n. Die E-ensquelle. Nach dem Midrasch von vr. B. Placzek in Brünn. In Edens Lustgefilde springt Ein wundersamer Bronnen, Dem sich die helle Flut entringt Von Paradieses Wonnen. Sie spendet Fülle weit und breit In Gottes Gnadenraume Dem Baume der Unsterblichkeit Und dem Erkennmißbaume. Sie wecket ungeahnte Pracht Und glühendes Entzücken, Mit aller Herrlichkeiten Macht Die Geister zu beglücken. Doch achtundvierzig Tropfen nur Entfließen jenen Fluten Und thauen auf die Erdenflur Als Genien des Guten. Sie bringen hohen Himmelsgruß Und tiefe Wahrheitskunde, Sie drücken auf den Weihekuß Dem liederreichen Munde. Wenn diese Edensflut sie netzt, Verklärt sie Angesichter, An ihren süßen Tropfen letzt Vor Allen sich der Dichter.') Äus -em Volksleben mit seinen Licht- und Schattenseiten. IV.2) Gelöste Mißverständnisse. Wien, 24. December. Die Eheleute Klimetsch von ihrem Hausherrn Adolph Mayer wegen des rückständigen Miethszinses gemahnt und 1) Dieses Gedicht ist einer Trilogie entnommen, in welcher die ähnlichen Mythen bei den Skandinaviern und Griechen dichterisch bebandelt sind, abgedruckt in den „Dichter - Stimmen aus Oesterreich- Ungarn" Nr. 9. Red actio n. 2) S. vor. Jahrg. S. 92, 221. 255. mit der Wohnungskündigung bedroht, beschimpften diesen, seine Gattin und Familie in so gröblicher Weise, daß er eine Ehrenbeleidigungsklage bei dem Bezirksgerichte zu überreichen sich genöthigt fand. Die Verhandlung fand heule statt. Richter (zum Kläger): Wollen Sie Ihre Klage näher begründen oder genügt es, wenn ich Ihre schriftliche Eingabe vorlese? — Mayer: Es ist das Ungeheuerlichste, was mit seit Erschaffung der Welt vorgekommen ist, man zahlt mir keinen ZinS und ist noch grob mit mir, das heißt ja faule Fisch' und Schläg' dazu. Richter: Das ist ja keine Antwort auf meine Frage. — Anna Klimetsch: So sau dr Juden immer, nur glei wos Anders d'reinmachen. Richter (abwehrend): Sie haben sich vorderhand ruhig zu verhalten. — Anna Klimetsch: 2 red' eh ka Sterbenswortel. Richter (verliest die Klage der Familie Mayer. In dieser kommen die Ausdrücke „hergelaufenes Gesindel", „Juden-Bagage" rc. vor). Zum Kläger gewendet: Hat nur Frau Klimetsch allein oder auch ihr Mann Joseph Klimetsch geschimpft? — Anna Klim etsch: Mein Mann ist a Trauminöt, der „stigatzt" höchstens was außa, was ka Mensch versteht, cos is ja mei' Unglück, daß ich a Monnweib sein muß, weil i kan Monn hob', wie sich's g'hört. Wonn der Mann a Mann war', hatt'n mir den Hausherrn gar not. Richter: Aber diese Frage war ja wieder an den Kläger gerichtet. — Anna Klimetsch: Woher soll denn der Jud' dös wissen, i glaub', er kennt mein'n Mann gar not und mi höchstens nach der Stimm'. Richter: Herr Mayer, Sie hören soeben, daß Herr Klimetsch sich an der Schimpferei nicht betheiligt hat; wollen Sie gegen ihn die Klage zurücknehmen? — Mayer: Was Hab' ich für einen Beweis, daß er hat nicht g'schimpft? — Anna Klimetsch: I sog's, und über dös giebt 's nix. Richter: Zu beweisen haben sie, und wenn Sie keinen Beweis dafür erbringen, daß Herr Klimetsch geschimpft hat, muß er freigesprochen werden. — Mayer: Ich kenn' mich nix aus, ich schwör' Ihnen bei Gott, in meinem Leben nix mit 'n G'richt, nix mit der Polizei zu thun g'habt zu haben. — Anna Klimetsch: Sö schau'n danach aus. Richter: Ich untersage Ihnen einfür allemal jede derartige Bemerkung und werde im Wiederholungsfälle von meinem 2*