Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1878)
- Date
- 1878-01-08
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
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21 deutet, ist also an sich keine neue Kritik. Daher kam es denn auch, daß von Len laufenden Einnahmen der Bundescasie sich 13,000 Mark aufhäuften, ohne eine Verwendung zu finden, ein thatsächliches Zeugniß, daß nichts Lebendigwirkendes unternommen und im Gange war. Dahin gehört nun auch ein neuer Plan des Ausfchuffes, den Gemeidebund zu einem Stellenvermittelungsbureau für jüvische Cultusbeamte zu machen, wie es an mehreren Plätzen Nachweisebureaus für Commis und Dienstboten giebt. Die Erfolglosigkeit liegt auch hier auf der Hand, und in der Unzulänglichkeit desien, was geleistet werden kann, ist mehr Schaden als Nutzen enthalten. Wenn ein Verein wie der Gemeindebund Nutzen schaffen wollte, so mußte er darauf ausgehen, theils concrete Institute zu schaffen, die sofort fertig und wirksam sein konnten, wie z. B. eine Lehranstalt für jüdische Religionslehrer unv Cantoren, deren es in Deutschland noch keine giebt, theils zuförderst in den einzelnen Landschaften oder kleineren Bezirken für die obengedachten Zwecke selbstständige Vereinigungen zu schaffen, die allmählich mit der Zeit zusammenschießen und verbunden werden könnten. Geschah dies mit Ausdauer und Zähigkeit, so waren Erfolg und Wirksamkeit zu erhoffen. Auf dem jetzigen Wege ist nichts zu erwarten und das neue Project der Stellenbesetzung wird ebenso eine Seifenblase sein wie die bisherigen Entwürfe, nur daß in diesen noch wenigstens Geist vorhanden war, während der neue Plan nur auf Mechanik ausläuft. Berlin, 27. December. (Privatmitth.) Meinem Versprechen gemäß rhcile ich Ihnen hierbei das Resultat der am 29. v. M. vollzogenen Repräsentanten-Ergänzungswahl mit. Wer mit den hiesigen Personalien bekannt ist, wird daraus erkennen , wie weil hierbei Parteischattirungen in Frage kommen. Es sind die Herren H. Demuth, Justizrath Makower, Joseph Fränkel, vr. W. Straßmann, M. S. Jacob, Geheimer Sanitätsrath Dr. Oestreich, Julius Bleichröcer, Siegmund Friedländer, Moritz Heilmann zu Repräsentanten und die Herren Commercienrath Samuel Aron, L. A. Marcuse, Abraham Ruß, Rechtsanwalt Anton Levin, 1)r. Julius Boas, Moritz Manheimer, Di*, med. Kirstein, S. I. Semon, Commercienrath Simon, I. A. Jacoby, Rechtsawalt M. Levy, A. Eiseck, Albert Philipp Meyer, S. M. Löwenthal, I. Klein zu Stellvertretern der Repräsentanten erwählt worden. Auö Württemberg, 24. December. (Privatmitth.) Die „Allgem. Zeitung des Jubenth." berichtete schon in Nr. 50 über die bei dem Württembergs chen Landtag eingereichte Petiton der israel. Vorsänger, um in die Kategorie der Volksschullehrer einbegriffen zu werden und das zur Verabschiedung eingebrachte Gesetz über die Rechtsverhältnisie der Bolköschullehrer auch auf sie Anwendung finden zu lasten. Die Kammer berieth nun über diese Petition und beschloß, daß das vorliegende Gesetz auf diejenigen Vorsänger Anwendung finden solle, welche früher Lehrer waren oder die Bildungslaufbahn eines solchen durchgemacht haben, und dürste damit den Wünschen der Petenten Genüge geleistet sein. Der „Verein zur Unterstützung von Wittwen und Waisen armer israel. Lehrer Württembergs" veröffentlicht seinen Bericht über die 5. Rechnungsperiode 1. Juli 1875—77. „Auch im verflossenen Jahre," beginnt der Bericht, „war mit Gotteshilfe die Wirksamkeit unseres Vereins eine gesegnete, milde Herzen und Hände haben sich ihm zugewendet und es uns möglich gemacht, wieder 9 reichliche Unterstützungen an arme Wittwen und Waisen von Lehrern und einen armen und kranken Lehrer zu leisten." Besondere Anerkennung wird dem aus Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen Vereinscassier, Lehrer Rothschild in Freudenthal, für seine mühevolle, energische und musterhafte Amtsführung gezollt. Die Rechnungsübersicht verzeichnet eine Einnahme von 0159 Mark, darunter Beiträge ordentlicher Mitglieder (49): 234 M., außerordentlicher Mitglieder 108 M., Spenden und Beiträge 2669 M. (worunter auch Gaben von Ihren Majestäten, dem König und der Königin von Württemberg). Die Ausgaben beliefen sich auf 1500 M., darunter 1200 M. Unterstützungen. Das Vermögen des Vereins beträgt jetzt 14,942 M. 82 Pf., also eine Zunahme um 3280 M. Fürth, im December. (Privatmitth.) Obwohl schon zwei Jahre seit Einführung des Civilgesetzes verflossen, hat dahier erst ein einziges Paar, wobei der eine eheschließende Theil (der Bräutigam) der christlichen, der andere (die Braut) der jüdischen Religion angehörte, vor dem Standesbeamten die Ehe geschloffen. In der nächsten Zeit wird nun der zweite Fall Vorkommen, indem sich eine Israelitin aus einer der angesehensten Familien hier mit einem christlichen Gelehrten, einem Universitätsprofeffor aus Erlangen, verlobt hat. Eine Convertirung wird auch in diesem Falle ebenso wenig stattsinven, wie in einem dritten, wo die Tochter eines Ehepaars, von welchem die Mutter Jüdin und der Vater Christ ist, einen Christen heirathel. Im benachbarten Nürnberg ist bisher ebenfalls nur ein Fall zu registriren, in welchem, der eine eheschließende Theil (die Braut) der christlichen, der andere (der Bräutigam) der jüdischen Religion angehörend, die Ehe vor dem Standesbeamten geschlossen wurde. Dieser Tage hat sich nun eine dortige Jüdin mit einem Christen verlobt, und soll auch diesem Falle eine Convertirung nicht statthaben. Memel, Ende December. Herr Dr. Rülf ersucht uns um Abdruck folgender Mittheilung, die wir um so eher wiedergeben, als Herr Rülf in seinen menschenfreundlichen Bestrebungen jüngst Angriffe erfahren hat. Alle Diejenigen, welche zur Linderung der Noch der so schwer heimgesuchren Stadt Wilkomir eine Gabe beigesteuert haben, haben auch ein Recht zu fragen und zu erfahren, was mit dem Gelde geschehen ist. Es darf nicht auffallen, daß wir die gesammelten Gelder so lange zurückbehalten haben; um eine gerechte Vertheilung zu sichern, waren Schwierigkeiten zu überwinden, von welchen Niemand sich einen Begriff machen kann, der mit den russischen Berhältnissen nicht