Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1878)
- Date
- 1878-01-08
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
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19 klage verschwindet. Hiernach leuchtet es von selbst ein, daß von e der Personisieation des bösen Princips, von der Existenz eines a selbstständigen teuflischen Wesens, eines Verführers der Menschen t auch nicht der entfernteste Anklang hier zu finden ist. 1 Ganz ebenso verhält es sich mit der berühmten Einleitung .( des BucheS Hiob, die uns noch einmal zu dem Begriff der d Versuchung zurückführt. Diese Einleitung der großartigen Dichi tnng offenbart uns zugleich deren ganzen und eigentlichen Gec banken. Nachdem die Stufe der einfachen Lebensverhältnisse über- ( stiegen und diese in eine größere Ent- und Verwickelung gerathen * waren, mußte sick die Frage aufwerfen: welches ist das rechte i Verhalten des Menschen zu Gott? und welches das Berhältniß Gottes zum Menschen, inwieweit es sich in den Schicksalen des t Menschen bethätigt? Die erste Frage war leicht zu beantworten: 1 die unbedingteste Hingebung in den Willen Gottes, die treue j Anbetung Gottes in allen Lagen, unter allen Schicksalen. Schwie- > riger war die Entscheidung auf die zweite Frage. Die alte Anl sicht, daß jedes Glück die Belohnung einer guten, jedes Mißgeschick i die Strafe auf eine böse Handlung sei, wurde von den rigorosen Moralisten aufrecht erhalten, und unter dem Scheine frommer Gottesanhänglichkeit in der Beurtheilung der Menschen bethätigt. Zahlreiche Fälle in der Wirklichkeit widersprachen dem und wer den Regungen des menschlichen Herzens nachfolgte, dem mußten die Widersprüche sich aufcrängen. Die Einleitung zum Buche Hiob eröffnet nun mit einem Male eine ganz andere Aussicht, indem sie seststellt, daß auch für die frommen und schuldlosen Seelen das Mißgeschick, die herbsten Trübsale eintreten, damit sie die sittlichen Kräfte ihres Geistes entfalten, üben und bewähren. Die Versuchung besteht also nicht blos darin, daß dem glücklichen Menschen die Gelegenheit geboten wird, der Leidenschaft zu fröhnen und dadurch zu verderben, sondern auch daß auf schuldlose und gottergebene Menschen sich die schwersten Leiden häufen, damit sie in denselben ihre ungebeugte Kraft, sie zu tragen, ihr Festhalten an Gotteserkenntniß und Pflichttreue, ihre Zuversicht auf den Beistand Gottes und ihre dereinstige Rechtfertigung, entwickeln und bekunden. Hiermit war jene alte Anschauung, die in allen menschlichen Geschicken nur die Uebung einer unbedingten, einseitigen und engherzigen Vergeltung fand, beseitigt, und das Werk der göttlichen Erziehung des Menschen „ihn zum Lichte des Lebens zu führen", gelehrt. Während nun der Streit der Parteien in der irdischen Sphäre, der Kampf der Meinungen unter den Menschen vor sich geht, ist durch die Einleitung die einfache Entscheidung in den Himmel, in die Region der Wahrheit verlegt. Es wird der alten Lehre der ironische Einwand entgegengehalten: wenn der Mensch von seinem guten Verhalten sicherlich ein glückliches Leben zu erwarten hat, so ist er nur um des Lohnes willen gottgetreu, und dies bezeugt seine niedrige, über das Materielle nicht hinausgehende Natur. Aber diese pessimistische Ansicht ist falsch; der menschliche Geist vermag sich über diesen niederen Kreis von Thun, Erfolg und Genuß zu erheben, und seine Anschauung, Gottesverehrung und Tugend auch unter den unseligsten äußeren Verhältnissen, unter dem bittersten Kummer und Schmer; zu erhalten. Verlegte nun der tiefsinnige Dichter die Verkündigung dieser Lehre über den irdischen Kreis in die himmlische Sphäre, so erscheint als der Vertreter der Wahrheit Gott selbst; die pessimistische Anschauung vom Menschen und die engherzige, irrige Lehre einer kleinlichen Vergeltung wird deshalb im personisicirt (auch hier wie bei Secharjah mit dem bestimmten Artikel >. Wer die Menschen nur von ihrer äußerlichen Art ansieht, wer ihnen überall auspaßt, um ohne tiefere Prüfung ihnen gewöhnliche oder gar gemeine Triebfedern abzulauschen, wer sich ein Geschäft daraus macht, die Erscheinungen des Lebens aus dem schiefen Sehwinkel einer niederen Gesinnung zu beurtheilen, der kommt auch zu der Ansicht, daß Alles nur um des Erfolges, um des Lohnes willen, oder wie man jetzt zu sagen pflegt, im Kamps um das Dasein geschieht. Ties ist „der Satan", wie ihn uns die Einleitung vorstellt. Er durchstreift die Erde, wandelt auf ihr umher (V. 7, 2, 2), um das Böse an den Menschen zu schauen und sie deshalb vor Gott anzuklagen, und wo er Unschuld und Gerechtigkeit findet, die Triebfedern für sie in den günstigen Verhältnissen des Menschen zu finden. Er ist einer in der Mitte „der Söhne Gottes" (dieser alten Vorstellung, die wir schon 1 Mos. ti, 2 antressen), die wir in solcher Dichtung noch nicht als Glauben an wirkliche derartige Existenzen, sondern eben nur als hohe dichterische Figuren anzusehen brauchen. Wie „der Satan" als zu diesen gehörig erscheint, so hat er auch gar keine Gewalt über den Menschen, denn Gott ist es, der „die Hand ausstreckt und anrührt Alles, was des Menschen ist oder selbst sein Gebein und sein Fleisch" (V. 11. 2, 5), so daß hier Gott jenem nur die Erlaubniß ertheilt, dies für ihn auszusühren. Er stellt also nichts, als die pessimistische Ansicht vom Menschen und dessen Dienst um Lohn vor, und trägt darum den Namen „rer Ankläger". — Hiermit ist also zwiefaches zur endgültigen Enlschei-; düng gebracht. Zuerst, daß die alttestamentliche Vorstellung von! der Versuchung die erhabene Icee der göttlichen Erziehung , des Menschen durch seine Geschicke im Erdenleben enthält und I lehrt; zweitens, daß die Vorstellung von einem bösen Princip, : von einem die Menschen verleitenden, Gott und das Gcltesreich : bekämpfenden Wesen, von einem „abzesallenen Engel", dem l Teufel oder Satan in den heiligen Schriften Israels auch nicht; im Entferntesten vorkommt, ja, der Anschauung derselben schnur- - stracks widerspricht. ) Wir schließen daher diesen Artikel, indem wir noch die eint zige übrigbleibende Stelle 1 Ehren. 21, 1 controlliren. Im r zweiten Buche Samuelis Cap. 24 wird berichtet, daß David eine , Volkszählung angestellt, und daß bald daraus eine Pest in Israel e wüthete, eine Volkszählung aber war der im Volke herrschenden h Meinung sehr zuwider, noch dazu wenn sie nicht etwa wie von a Moses zu bestimmten religiös-politischen Zwecken vollzogen ward.