Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1878)
- Date
- 1878-01-08
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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18 Da im folgenden Verse es heißt: „Wenn er gerichtet wird, fo geh' et schuldig aus", so ist hier wohl ',22 nicht als Gegner überhaupt, sondern als Ankläger speciell zu verstehen. „Zur Rechten" darf jedoch nicht etwa als der Platz des Anklägers vor Gericht angesehen werden, da es V. 31 heißt: „Gott stehet zur Rechten dem Dürftigen, ihm zu helfen von denen, die seine Seele richten". Vielmehr heißt überall „zur Rechten" das, was eine besondere Kraft gewährt oder ausübt, sei es zum Nutzen, sei es zum Schaven. Hierbei darf man nicht vergessen, daß nach dem israelitischen Recht es nicht etwa einen ossiciellen Ankläger, einen Staatsanwalt gab, sondern jede Anklage von einem Zeugen ausging, der, sei es mit Recht, sei es mit Unrecht, die Bestrafung des Angeklagten erstrebte. In unserem V. ist daher „der Frevler" der Richter und „der Ankläger" der feindselige Zeuge. Beide treten gegen den Bösewicht aus, um ihn wegen seiner früheren Unthaten zu verderben. Es geschieh: ihm caö, was er früher selbst verbrochen. In den Versen 16 re. erbittet der Psalmist über den, welcher „Fluch liebte", Liesen Fluch selbst, und Vers 20 heißt es: „Dies sei meiner Ankläger Lohn ('2C) vom Ewigen, und deren die Böses reden wider meine Seele" und Vers 20: „Sie müssen sich in Schande kleiden, meine Ankläger." Hier erweisen der Plural und die Parallelworte recht klar, wie ',22 nur ein ganz allgemeines Wort für alle Art Gegner, Widersacher, Ankläger war. — So bleiben uns nur drei Stellen, in welchen eine andere Gestaltung aufzutreten scheint. Das Buch, welches den Namen des Propheten Secharjah trägt, besteht aus zwei Theilen, die sowohl durch Gegenstand unr Situation als auch durch Darstellung und Sprache auf's Wesentlichste von einander verschieden sind; der erste Theil (Capp. 1—S; ist der spätere, vom 2—1 Jahre des persischen Königs Darms (.520—51S v. d. gew. Zeirr.), während der zweite iCapp. 0—14 ) der ältere ist und die drei ersten Jahre des Königs Jojakim besaßt. Secharjah tritt gleich nach Haggai auf und nach einer kurzen Mahnung zur Buße trägt er eine Reihe von Gesichten ^Visionen» vor, ras erste (1, 7—17) stellt die zukünftige Beglückung Israels in der Vision von den Reitern dar, das zweite (2, 1—4) die Vernichtung der Feinde in der Vision von den vier Hörnern, das dritte (2, 5—17) die zukünftige Größe Jerusalems in der Vision von der Meßschnur, und das fünfte (C. 3) die Enlsüneigung und Reinigung Israels in der Vision vom sreigesprochenen Hohenpriester. Mit der letzteren haben wir es hier zu lhun. Durch Visionen unterscheiden sich die Propheten Ezechiel und Secharjah, denen sich der zweite Theil des Buches Daniel anschließr, von den übrigen Propheten ab, Visionen, in welchen ein höherer Gedanke in allegorischen und symbolischen Gestalten und Erscheinungen ausgedrückt wird. Da Ezechiel der babylonischen Gefangenschaft, Secharjah und der Verfasser jenes Theiles des Buches Daniel der nachexilischen Zeit angehören, so meinte man, daß diese Art visionärer Darstellung dem Einflüsse des innerasiatischen Geistes zuzuschreiben sei. Jnceß ist zu bemerken, daß Jesajas 2 in demselben Epile ohne jevweve Vision redete, und Haggai und Maleachi, nachepilische Propheten sich ebensowenig derselben bedienen. Es müßte daher diese Anlehnung des israelitischen Genius an fremde Völker in der Darstellungsweise näher nachgewiesen werden, da es andererseits nicht schwer wird, die Vision als eine Formschöpfung des israelitischen Geistes selbst psychologisch zu verstehen. Noch eine andere Bemerkung müssen wir voranschicken. In sämmrlichen Propheten, außer Secharjah, geschieht der Engel keine Erwähnung und sie unterscheiden sich hierin von der Thora und den historischen Schriften in bemerklicher Weise.l) Bei Secharjah hingegen spielen „die Engel des Ewigen" in seinen Visionen eine Hauptrolle. In der vierten (3, 1) schaut der Prophet den Hohenpriester Josua vor dem Engel des Ewigen stehend, und ihm zur Rechten ',2277 „den Ankläger, 1:227 ihn anzuklagen". V. 2: „Und der Ewige sprach zum Ankläger: Dich schrecke der Ewige, Ankläger, dich schrecke der Ewige, der Jeruschalajim auserkoren! Ist dies nicht aus dem Feuer gerettetes Scheit?" Hierauf werden dem Hohenpriester die schmutzigen Gewänder abgenommen und durch reine Feierkleider und einen reinen Bund ersetzt, und Vers 0 ausgesprochen: „Ich entferne die Verschuldung dieses Landes an Einem Tage." Diese Worte geben uns klar die Bedeutung der Vision zu erkennen. Der Hohepriester vertritt die Priesterschafl und diese in cultueller Beziehung das ganze Volk. Indem dieses jetzt im h. Lande wieder eingesetzt und der Cultus wieder hergestellr werden soll, bedarf es der Entführung von aller Unreinheit und Verschuldung. Diese soll eintreten durch die Gnade Gottes, gestützt daraus, daß Jerusalem eine auserkorene Ställe und der Rest Israels gerettet ist „wie ein Scheit aus dem Feuer". Aus die frühere Verschuldung Israels, die noch jetzt wie eine Anklage besteht, soll nicht zurückgegangen werden. Sowie nun Las sreisprechence Gericht im „Engel des Ewigen", so wird die Anklage mi ',2277 personificirt. Eine solche Personification ist in dem bestimmten Artikel hervorgehoben, während an allen früher angeführten Stellen das Wort ohne diesen erschien. Gott selbst weist ihn aus den angegebenen höheren Motiven zurück, und die An- 1) Bei Jesajas bedeutet ^sr'772 „Bote" vgl. 14,32. 18, 2. 30, 4. 33, 7. 42, 19. 44, 26. — hingegen in dem geschichtlichen Anhang 37, 36 bedeutet es wieder „Engel", <37,0 „Bote",. Eine Ausnahme macht nur 63, 9 aber durchaus als allgemeine Redensart: in dem Bedrängniß half ihnen der Engel seines Angesichts. Allerdings ist von dem Seraphim in der Vision seiner Berufung C. 6 abzusehen, wie von den Cherubim und Chajorh in der Berufungs-Vision des Ezechiel. In den Prophetien des Letzteren bedeutet ^72 ebenfalls nur „Bote", so 17, 15. 23, 16. 40. 30, 9. Nicht minder bei Jerem. 27, 3. Bei Hosea 12, 5 wird nur auf die pentateuchische Stelle, wo Jakob mit dem Engel ringt, angespielt. In Hagai 1, 13 wird sogar der Prophet ^«*72 genannt und Maleachi 2, 7 der Priester (vgl. 3, 1).