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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-01 · Heft 1 (1.1.1878) · p. Seite 12

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 1 (1.1.1878)
Date
1878-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 alle Grenzen der Erde, Sommer und Winter, du hast sie gebildet." Aber dieser Winter (cpn), wie sehr unterschied er sich von dem unsrigen! Er war identisch mit der Regenzeit. Im Hohenlieds 2, 11 ruft der Freund seine Geliebte in das Freie hinaus: „Auf, meine Traute, meine Holde, komm doch! Denn sieh, vorüber ist der Winter, vahin der Regen, verzog sich." So war auch der Winter die Zeit des Pflügens und der Aussaat (vgl. Spr. Sal. 20, 7), und darum steht in der oben angeführten Stelle „Saat und Erndte" parallel mit „Winter und Sommer" einander gegenüber, als die Zweitheiligkeit deö Jahres. Freilich blieb auch in dem vielgelobten Lande die Kälte nicht aus, unv die Großen des Landes bauten sich sogar verschiedene Paläste für den Sommer und für den Winter. Die ersteren mögen wohl schattiger unv luftiger gewesen sein, um die Gluth zu mindern, die letzteren fester und verschloffener gegen Sturm und Frost. Aber die Vorrichtungen zum Erwärmen waren nur geringfügig, denn sie bestanden nur in Pfannen, in welchen glühende Kohlen lagen. So hatte es der König Jojakim (Jerem. 36, 22): „Der König saß im Winterhause, im neunten Monde Kislev (December) und die Kohlenpfanne brannte vor ihm." Um ihn standen die Fürsten und Großen des Reiches; da ließ er sich die Reden des Jeremias, die niedergeschrieben waren auf eine Rolle, vorlesen, und nachdem er die Strafreden unv Weisiagungen des Propheten gehört, zerschnitt er die Rolle und warf die Stücke in die Pfanne, bis die ganze Rolle verzehrt war. Dieser Winter hatte traurige Folgen für Jojakim und Juda, aber die Worte des Jeremias gingen nicht verloren, selbst nicht nach ihrer Erfüllung. Sieht doch auch der Prophet Amos (3, 15) „das Winterhaus sammt dem Sommerhause" zu Grunde gehen. Durch die Regengüsse während des „Winters" wurden zahllose Bäche von Bergen und Höhen durch die Thäler und Schluchten flüssig, und der Boden des ganzen Landes nahm das befruchtende Naß in sich auf. Bor der Glurh der Sommersonne verschwanden diese Bäche wieder und nur ihr sandiges und steiniges Bett verrieth ihren nun versiegten Lauf. Darum vergleicht Hiob die Freundschaft seiner Genoffen mit solchen Winterbächen, zu denen die verschmachteten Karavanen sie lenken und sie nun ausgetrocknet finden. So die Freundschaft der Menschen zur Zeit, wo man ihrer bedarf, wo man Zuflucht zu ihr nimmt (6, 15 ff.). Der Fluß, der auch im Sommer, wenn auch mit schwächerem Gewäffer fließt, wird gerühmt (vgl. Sech. 14, 8). Jedoch ist die Kälte nicht blos dem Winter eigen, die Hitze des Tages kühlt sich in den heißeren Ländern in der Nacht so schnell und so bedeutend ab, daß wiederholt der Hitze des Tages die Kälte der Nacht entgegengestellt wird (1 Mos. 31, 40. Jerem. 36, 30). — Doch dürfen wir uns nicht einbilden, daß die Erzeugnisse des Winters: Reif, Schnee, Eis, dem h. Lande gänzlich fehlten. Der Schnee (sbo) erscheint häufig in den h. Schriften, theils in seiner Wirklichkeit, theils zu Gleichnissen verwendet. Selbstverständlich wird auch der Schnee als ein Werkzeug Gottes bezeichnet. Man lese die herrliche Schilderung Hiob 37, 6 ff.: „So spricht zum Schnee Er: Sei auf Erden! und Regenguß und Regengüsse seiner Macht! Aus der Kammer kommt Sturm, aus den Schläuchen Frost, vor Gottes Hauch wird Els, die weiten Wasser fest, u. s. w." Nicht minder 38, 22 ff.: „Kannst du zu des Schnee's Schatzkammern? Wer theilt dem Regenguß Kanäle ab, zu sättigen Oed' und Verödung und Graswuchs sprießen zu lassen? Aus wessen Schoße geht das Eis hervor, der Reif vom Himmel, wer gebiert ihn? Zu Stein verbirgt sich Wasser, der Fluthen Flache liegt gefesselt." Oder der! Psalmist (147, 16): „Er, der Schnee wie Wolle giebt, streuet Reif wie Asche, der Eis wie Stücke wirft, vor seinem Frost, wer kann bestehen? Er schickt sein Wort und macht sie schmelzen; läßt seinen Wind weh'n, Waffer rieseln," und (148, 8): „Schnee und Nebel, Sturmwind, der sein Wort vollführt." Ja, sein Wort vollführt, denn dieser Schnee und Regen sind ver Segen für Mensch und Thier. So spricht Jesaias (55, 10): „Wie da hinabführt der Regen und Schnee vom Himmel und dahin nicht zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und fruchtbar und sprießend macht, und Samen schaffet dem Säer und Brod dem Esser." Wie Schnee und Regen nicht im Sommer (Spr. Sal. 26, 1), so kennt auch die Spruchsammlung die „Schneekühlung am Erndtetage" (25, 13), denn es war eine alte Sitte, Schnee und Eis zur Abkühlung der Getränke zu gebrauchen, und verschaffte sie der Libanon in hinreichender Masse, (Jerem. 18, 14). Darum wurde auch der Winter die Schneezeit genannt (2 Sam. 23, 20). Für diese Zeit wurden dann auch von der achtsamen Hausfrau Kleider für alle Hausgenossen bereitet, „daß sie den Schnee nicht zu fürchten brauchen" (Spr. Sal. 31, 21). Hiob lehrt uns sogar, daß dem Schneewaffer eine besonders reinigende Kraft zugeschrieben ward, so daß man die Kleider gern darin wusch. (9, 30) — eine Meinung, die man jetzt noch theilt. Er vergleicht daher Schneewasser mit Lauge. Hiob verwendet dies, wie man voraussetzen kann, als Gleichniß zu dem Gedanken, daß wenn der Mensch sich noch so sehr von seinen Sünden reinigt, er immer noch schuldbar vor dem Gerichte Gottes bleibt. In ähnlicher Weise wird der Schnee, aber wegen seiner Farbe, zur Bezeichnung der Sündenvergebung gebraucht. Jesajas ruft (1, 18): „Wenn Eure Sünden wie Crrmoisin, wie Schnee sollen sie bleichen," und der Psalmist (51, 9) „Entsündige mich mit Mop, daß rem, wasche mich, daß weißer als der Schnee ich werde." (Mop ist bekanntlich ein Symbol der Reinigung). „Heller als Schnee, weißer als Milch, glänzender als Perlen" sind Vergleichungspunkte für die Schönheit und Pracht der Menschen (Klgl. 4, 7). Und da fügen wir zum Schluffe noch die schöne Stelle aus dem Hohenliede hinzu, von der wir oben den Anfang citirten, und welche das Nahen des Frühlings schildert: „Auf, meine Traute, meine Holde, komm doch! Denn, sieh, vorüber ist der Winter, Dahin der Regen, verzog sich.

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