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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-01 · Heft 1 (1.1.1878) · p. Seite 11

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 1 (1.1.1878)
Date
1878-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 durchgenommen und zu jedem aus Talmud und Midrasch Parallelstellen herangebracht und ausführlich beleuchtet. — Von New-2) ork erhalten wir: A Sketch of ihe Talmud, the world renowned Collection of Jewish Traditions by Rev. l)r. Isidor Kalisch. niT nco. Sepher Yezirah. A Book on Creation; or tlie Jewish Metaphvsics of remole Antiquity. Willi English Translation, Preface, explanalory Kotes and Glossary, by Rev. l»r. Isidor Kalisch. New-York, Frank, 1877. Beide Schriften, der Text, Uebersetzung und Erklärung des Sepher Jezirah und die Skizze über den Talmud sind zusammengeheftet. — Aus Paris kommt uns zu: Legislation civile du Talmud, nouveau commenlaire el Iraduction critique du Traitd Baba Kama par le Del. Israel-Michel Rabbinowicz. Tome 11 Paris, Thorin, 1877. Das vorliegende Heft (84 S.) enthält die sehr bemerkenswerthe Einleitung, auf die wir ebenfalls zurückkommen werden. — Für die vergleichende Wiffenschaft der Religionsphilosophie ist von Wichtigkeit: Die vorsokralische Philosophie der Griechen in ihrer organischen Gliederung dargestellt von S. A. Byk. Erster Theil: Die Dualisten. Zweiter Theil: die Monisten. (Leipzig, Schäfer 1876 und 1877.) Diese gründliche Erörterung des vorsokratischen Zeitraums, überall mit den Belegstellen im Original versehen, trägt zum Berständniß dieser EntwickelungSphase des hellenischen Geistes nachhaltig bei. — Bibel unv Naturwissenschaft in ihrem gegenseitigen Berhältniß dargestellt von Gustav Zart. Berlin, Grieben, 1878. — Tie, früher schon auch in d. Zeit angekündigte Schrift rrabts n2fitb72 von 2. T aussig ist jetzt (zu beziehen vom Berfaffer unv durch die Ackermann'sche Buchhandlung in München) erschienen. Sie bringt verschiedene talmudische Abhandlungen und den Tractat Schekalim aus Handschriften der Münchener Bibliothek mit einem hebräischen Ecmmentar des Herausgebers. Die Schrift bringt mehrfache zu beachtende Resultate, die wir noch näher zu bezeichnen haben werden. — ■’as prrn rrc zr-nr: Einmal wieder lyrische Gedichte in schwungreichen hebräischen Versen. Durch die meisten weht ein elegischer Geist, rer durch die Geschichte des israelitischen Stammes und seiner Religion angefacht ist. Mögen an dem Baume, dem riese Iugendblüthen entsproßten, auch viele köstliche Früchte reifen. — I e u i l Der Winter. Der Ostwind weht über die russischen Steppen. Bald stürmt er weiter und weiter nach Westen. Mit seinem Nahen verliert die Luft ihre Wärme, der Sonnenstrahl seine Kraft. Bor ihm erstarren die Flüffe in ihrem Lauf und die Fluren überziehen sich mit Reif und Eis. Der Mensch flüchtet sich in seine Wohnungen, und sucht Schutz am flackernden Heerdfeuer. Wir können beobachten, wie er immer näher und näher an uns herandringr. Wir lasen mir Erstaunen in den Willerungsberichten der Zeitungen, daß gestern in Moskau 22 Grad Kälte herrschte, während in unserm deutschen Laterlande an den meisten Orten noch einige Grad Wärme vorhanden waren. Aber heute sehen wir schon, daß in Breslau das Quecksilber auf 12 Grad, in Wien auf 8 Grad, in Berlin auf 4 Grad unter Null gesunken. In nächster Nacht können wir sicher sein, auch bei uns am Rheine die Gewässer mit einer dünnen Schicht Eises bedeckt zu sehen, unv um die Ecken auch unserer Häuser den schneidenden Ostwind uns in's Gesicht blasen zu fühlen. Der Winter ist da. Länger als gewöhnlich hat diesmal seine Ankunft sich verzögert. Der Spätherbst halte seine erquickliche Milde uns in seltenem Maße gespendet. Nun ist der rauhe Herrscher doch eingetroffen und bei der geringsten Wendung der Luftbewegung wirb sich der Himmel mit schmutziggrauen Wolken verhüllen unv diese werden aus ihrem Schoße den weißen Schnee herabsenden und Berg und Thal mit einer schimmernden Decke überziehen. Das kann immerhin eine lange Herrschaft bedeuten, daß der Winter f e t o n. nachholen will, was er versäumt hat, und erst mühsam der Lenz den Eiswall zu durchbrechen vermag, den jener ihm emgegenthürmt. Wir müffen es uns gefallen lassen, und können nichts als aus harren. Alle Erfindungsgaben des Menschengeistes und alle Macht der Herrscher und der Völker vermag gegen die Gesetze der Natur unv gegen ihre großen Erscheinungen nichts auszurichten. Die Natur bleibt verödet, Baum und Strauch strecken ihre kahlen Zweige in die Luft, die Ströme sind gefesselt, bis die Zeit gekommen, wo nach der Fügung des Weltregierers — denn diese bewährt sich auch in dem Zusammentreffen der natürlichen Ursachen und Wirkungen — die Macht des Aeolus sich wieder mildert und die Sonne ihre erwärmende und darum erzeugende Kraft wieder ungehindert ausüben kann. Gott segne meine Leser, daß sie frisch und fröhlich auch diesen kommenden Wechsel erleben'. Unsere Väter, als sie noch im heiligen Lande seßhaft waren, haben von der feindlichen Macht des Winters weit weniger zu empfinden gehabt, als wir, die uns das Geschick weiterhin nach Norden zerstreut har. Unter den Palmen und unter den Cedern des Libanon lebte es sich leichter. Auch dort zwar trat bisweilen der Sturm der Elemente feindlich und verheerend ein; doch mehr zu plötzlichem Schrecken und von kürzerer Dauer. In der heil. Schrift weiß man nichts von vier Jahreszeiten; man kennt nur Sommer und Winter. Nach der Sinifluch heißt es (I Mos. 8, 22): „Fortan alle Tage der Erde sollen Saat und Erncte, und Frost und Hitze, und Sommer und Winter, und Tag und beacht nicht aufhören," und der Psalmist <74, 17) sagt: „Du bestelltest

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