Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 der türkische Staat so lange die Einführung der Gleichberechtigung, die Umgestaltung nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit verzögert hat. Amerika. Cincinnati, im Decbr. (Privatmitth.) Die Ernennung des Herrn Benjamin I. Pei-xotto seitens der B. St. Regierung zum Generalconsul von Rußland ist ein Ereigniß ehrend für den Präsidenten sowohl wie für Herrn Peixotto (derselbe wird in wenigen Tagen in Dresden sein), der den Israeliten Rußlands in St. Petersburg sehr nützlich werden dürfte. Herr Simon Wolf, öffentlicher Beamter in Washington, ist meines Wissens der einzige Politiker, der sich der Juden und des Judenthums eifrig annimmt, und wird auch bei dieser Ernennung mitgewirkt haben. Die jüdischen Finanzmänner sind glänzend aus dem Bankkrach in Chicago hervorgegangen; keiner derselben wurde in Mitleidenschaft gezogen. Unter den vielen in den öffentlichen Volksschulen angestellten jüd. Lehrern und Lehrerinnen, meistens mil rem Unterrichte in der deutschen Sprache betraut, haben sich einige sehr vortheilhaft als Schulmänner ausgezeichnet, und sind die meisten betheiligt bei der Gründung eines deutschen Lehrerseminars in St. Louis. Die Sache wird beinahe gänzlich von jüdischen Lehrern geleitet. In Amerika giebl es viele Rabbiner und Doctoren, d. h. wirkliche, selbstgemachte und ungemachte. Letztere verbrauchen sehr viele in Deutschland veröffentlichte Predigten. Daß Rabbiner in christlichen Kirchen für christliche Gemeinden predigen, gehört hierzulande nicht mehr zu den Seltenheiten. Herr Dr. Wise aus Cincinnati hält seit Jahren öffentliche Borlesungen beinahe ausschließlich vor christl. Zuhörern. Seitdem die jüdische Lehranstalt in Cincinnati gegründet worden ist, haben die Herren Rabbiner in New-Aork, Philadelphia, Baltimore und Chicago sich auch bereitwillig erklärt, jüdischen Studenten hebr. Unlerrichl zu erlheilen. Ein Anfang dazu ist in New-Aork mit Erfolg gemacht worden. Es giebt in Amerika acht jüd. Wochenschriflen, und da wird sehr viel geschrieben, am meisten wird abgeschrieben und naä'geschrieben. Deffenungeachtet tauchen jedes Jahr neue Zeilschrislen auf, die eben so schnell wieder untergehen. Tiefes Jahr sind deren drei erschienen und verschieden. Die Judenbekehrung ist in die Brüche gerathen und die diesfällige Gesellschaft in New-2)ork hat sich insolvent erklärt. Nur ein christlich-jüdischer Missionär ist übrig geblieben, und der war wegen Fälschung im Zuchlhause. Das amerikanische Juventhum unlerstützr sechs Waisenhäuser, respect. in New-4)ork, Philadelphia, Baltimore, New-Drleans, Cleveland und San - Francisco. In Bezug aus Bildung, ist das in Cleveland hervorragend. Ein Schn des Herrn Vr. Steinschneider aus Berlin ist dort als Lehrer angeftellt, unter Leitung des Superintendenten Ausrecht aus der Prov. Posen. Präsident dieser Anstalt ist Herr Abraham Aub aus Cincinnati. Die deutschen Juden haben hier das Judenthum aufgebaut und halte» es aufrecht. Die großen blühenden Gemeinden sind deutsch, obwohl bei vielen, der Jugend wegen, die englische Predigt vorgezogen wird. Die öffentlichen Anstalten sind allenthalben von Deutschen gegründet, werden von denselben erhalten und verwaltet. I'. Bonn, 23. December (Notizen). Man schreibt uns aus Tachau in Böhmen: DemFrauen-Verein „Talmud Torah" in Tachau, der sich schon der Auszeichnung erfreut, Ihre k. Hoheit der Frau Erbherzogin Maria Valleria, sowie Ihre Durch!, der Frau Fürstin Mathilde zu Windischgrätz als Mitglieder dieses Vereins zählen zu dürfen, ist noch in jüngster Zeit die auszeichnende Ehre zu Theil geworden, daß auch Ihre Durchlaucht die junge Frau Fürstin Gabrielle zu Windischgrätz geb. Fürstin zu Auersperg huldvoll diesem Verein als Mitglied beigetreten ist. Hochdieselbe hat zugleich d. Rabbiner daselbst eine fl. 50 Note für d. Verein beigeschloffen. Der Verein verdient jedoch diese Auszeichnung durch seine Wirksamkeit. — Aus Berlin wird geschrieben: Als der Rabbiner vr. L i p s ch i tz am Dienstag Nachmittags im Saale des „City-Hotels" die Trauung eines Brautpaares vollzog, wurde derselbe plötzlich vom Schlage getroffen in dem Momente, da er gerade das letzte Wort des Segens ausgesprochen hatte. Es wurden sofort alle möglichen Rettungsversuche durch herbeigerufene Aerzte angestellt, roch starb vr. Lipschitz Mittwoch Nachmittags. Der Verstorbene erreichte ein Alter von 65 Jahren, (vr. Lipschitz, Sohn des zu Danzig verstorbenen Rabbiners Lipschitz, war früher Rabbiner in Landsberg a. d. W., dann in Mecklenburg-Schwerin, und zuletzt hatte er eine Privatgemeinde in Hamburg, schließlich in Berlin.) Bonn, 23. December (Literarische Notizen). Die verfloffene Woche hat uns eine Menge tüchtiger und werthvoller literarischer Gaben gebracht, von denen die meisten eine ausführliche Besprechung verdienen; bis dahin aber, daß wir eine solche zu liefern im Stande sind, wollen wir sie hier aufführen und dadurch unfern Lesern kund geben, -'ww -nn ss-n72rr rra Bet ha Midrasch. Sammlung kleiner Midraschim und vermischter Abhandlungen aus der älleren jüdischen Literatur. Sechster Theil. 'Nach Handschriften und Druckwerken gesammelt und nebst Einleitungen herausgegeben von vr. Ad. Jellinek. Wien, Brüder Winter, 1877. Es ist dies die längst erwünschte Forrsetzung der Sammlung kleiner Midraschim, die der geehrte Herausgeber mil so unermüdlichem Eifer ans Licht zieht. Der vorliegende Theil enthält 15 derselben auf 156 S., mit einer deutschen Einleitung auf 45 S. Wir werden bald einen näheren Bericht geben. Eine überaus reichhaltige Schrift ist die soeben erschienene: Neue Beiträge zur Erläuterung der Evangelien aus Talmud und Midrasch von vr. August Wünsche. Göllingen, Ruprecht, 1878. Die vier Evangelien werden nach Capitel und Vers