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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-01 · Heft 1 (1.1.1878) · p. Seite 9

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 1 (1.1.1878)
Date
1878-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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stattfindenden Versammlung böhmischer Rabbiner, durch eine Deputation bei der k. k. Regierung vorstellig zu werden. Aber auch von diesem Schritte, so wohlwollend auch die Deputation ausgenommen wurde, ist bis jetzt eine Wirkung nicht sichtbar geworden. In Bälde wird nun die gedachte dritte Petition im Reichsrathe zur Besprechung gelangen, und der Referent der desfallsigen Commission wird dieselbe auf's Dringendste anempfehlen. Allein, um diesmal den Erfolg zu sichern, hat der Referent Herr vr. Radler geäußert, daß es von entschiedener Wichtigkeit wäre, wenn der Reichsrathsabgeordnele Herr Fürth persönlich Schritte thäte und der Vorstand der Allianz, wie er verheißen, sich der Sache angelegentlichst annehmen würde. Möchte dies bald geschehen, um den endlichen Erfolg dieser an sich so gerechten und gerechtfertigten Forderung zu sichern. R. Frankreich. Paris, 18. Dec. (Privatmitth.). Das große Ereigniß vom 13. Dec., durch welches der verderblichen Krise in Frankreich wie mit einem Federstriche ein Ende gemacht wurde, kann ich nicht ohne einige Worte der Besprechung an dieser Stelle unerwähnt lassen. Das große Geschrei, welches die ultramontanen Blätter erhoben, als sie unter den Unterzeichnern der Petition der Pariser Industriellen an den Marschall um Beendigung der Krise auch einige jüdische Firmen gewahrten, berechtigt uns wahrlich, den Sieg des Parlamentarismus, der Mehrheit des Volkes, einen Sieg, der Gott sei Dank auf die unblutigste Weise nur durch die Einigkeit und Entschiedenheit der Volksvertreter errungen worden, zu feiern und Frankreich und mittelbar ganz Europa darüber zu beglückwünschen. Die Schmähungen, welche die kerikale Presse bei dieser Gelegenheit wiederum gegen die Juden lcsließ, zeigte uns nur zu sehr, welches Loos der Sieg dieser Partei uns bereiten würde. Es zeigte uns, daß es sich nicht blos um die principielle Herrschaft der vom Syllabus sanktionirten Grundsätze handelt, sondern daß wir ganz unmittelbar die thalsachlichsten Folgen zu erleiden haben würden. Die Dinge haben sich nun anders gestaltet. Wenn die Wahlen des 14. Oktobers erwiesen hatten, daß die Mehrheit auch des französischen Volkes die Herrschaft des Klerus und der klerikalen Grundsätze durchaus zurückweise, so Lot doch immer noch die Obmacht, welche die Ulttamontanen in den Machthabern des 1b. Mai besaßen, der Gefahren genug dar. Man weiß ja, wie leicht die obersten Gewalthaber, wenn sie nur erst die innern Parteien zum Schweigen gebracht haben, einen Krieg zwischen den Nationen anzuzetteln vermögen, und daß dies die Absicht dieser Fanatiker der kirchlichen Herrschaft zu Gunsten des römischen Stuhls gewesen, ist ja Niemandem zweifelhaft und verhehlen jene selbst nicht. Der Sieg des 16. Mai wäre also entweder die allgemeine Rückkehr zur entschiedensten Reaktion in ganz Europa oder der blutigste Bölkerkrieg gewesen. Weil dies auf allen Seiten erkannt worden, erklärt sich auch die außerordentliche Stockung des Handels und der gesammten Industrie, die in Frankreich eingetteten war. Das bloße Würfeln um die Personen hätte dies nicht vermocht. — Umsomehr fühlt man sich hier von diesem schweren Alpdruck befreit, man vergißt gern, daß noch viele Stürme eintreten können, bevor Frankreich wieder einmal zu einer gewissen Ruhe und Sicherheit der Verhältnisie gelangen wird; man begnügt sich mit der unzweifelhaften Bürgerschaft, die für die nächste Zeit erlangt worden und mit dem Einflüsse, den der ganze Vorgang auf die Geister üben muß. An einen solchen Knotenpunkt knüpfen sich die Fäden der Weiterentwickelung an, und Manches, was in der eben vergangenen Zeit noch als möglich erschien, wird so für immer beseitigt. Man hofft, daß der längere Stillstand in Len Geschäften nunmehr eine um so größere Belebung zur Folge haben werde, als doch das Bedürfniß unterdeß sich angesammelt haben muß. Durch den Umstand, daß ein Protestant zum Minister des Auswärtigen ernannt worden, und zwar derselbe Waddington, der schon einmal als Minister des Unterrichts den klerikalen Bestrebungen einen so starken Damm entgegenstellte, geht zur Genüge hervor, daß es mit jeder Aussicht auf einen Krieg der französischen Nation;u Gunsten der weltlichen Herrschaft des Papstes vorüber ist. Hiermit fallen aber auch die Hoffnungen der Ultramontanen in den übrigen Ländern, namentlich in Deutschland und Italien, zu großer Beruhigung dieser Staaten zusammen. —. Bei dem vom neuen Minister des Innern vollzogenen Präfectenwechsel sind die vom vorigen Ministerium abgesetzten wieder eingesetzt und nur wenige neue ernannt worden. Zu den letzteren gehört Herr Cohn, Sohn des sel. Albert Cohn, der unter Jules Simon Director der Preßabtheilung gewesen war. Unter der Herrschaft des reactionären Ministeriums war Herr Leo Cohn Herausgeber der „Correspomlance R6publicaine.“ Zu den wiedereingesetzten Präfecten gehört auch der Schwiegersohn Albert Cohn's, Herr Hendlö, der schon zweimal unter republikanischen Ministerien Präfect gewesen (er ist Advocat, nicht „Börsenmakler", wie die N. Fr. Pr. bemerkt). Der erstere kam nach Blois, der zweite nach Macon. Türkei. Konstantiuopel, 19. December. Allen Nachrichten von Konstantinopel bekunden, daß die christliche Bevölkerung sich weigert, in den Militärdienst einzutreten. Die armenische Synode z. B. hat entschieden erllärt, daß der Militärdienst der Christen unausführbar sei. Als die ottomanische Berfaffung gleiche Rechte für Alle promulgirte, fand ein solcher Protest seitens der christlichen Bevölkerung nicht statt. Die einfache Logik sagte, daß, wer gleiche Rechte beansprucht, auch gleiche Pflichten übernimmt. Man kann nicht sagen, daß die christliche Welt der mohamedanischenEden Fortschritt in der Civilisation leicht mache. Von höherem Standpunkte aus ist dies die Vergeltung dafür, daß 1

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