Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 42 (1878)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 beizusteuern haben. Will also eine jüdische Gemeinde ihre bisherige Confessionsschule ausheben und dieselbe mit einer bestehenden oder projectirten Simullanschule vereinigen, so irrt sie sich durchaus, wenn sie glaubt, durch den bloßen Charakter der „Simultanschule" irgend welches Anrecht z. B. die Anstellung eines jüd. Lehrers, die Erlheilung des jüdischen Religionsunterrichtes u. s. w. zu erhalten. Vielmehr muß sie vorher über die ihr zuzugestehenden Rechte einen Vertrag zu erlangen suchen, der aber auch von der königl. Provinzialregierung bestätigt sein muß, bevor die jüdische Gemeinde ihn als perfect und rechtsgültig ansehen darf. Denn auf Grund der gedachten Cabinetsordre ist eine solche Bestätigung zu Gunsten der Rechte der jüdischen Gemeinde fraglich, und es liegen Fälle vor, wo diese Bestätigung versagt ward, wahrend die jüdische Schule schon aufgehoben und mit der Simultanschule vereinigt war. Wir haben hiermit den thatsächlichen Zustand in bestimmter Weise sestgestellt, und ein desfallsiger Jrrthum kann nicht mehr entschuldigt werden. Oesterreich-Ungarn. Wien, 21. December. Der israelitische Mädchenunterstützungsverein, der sich die Aufgabe stellt, arme israel. Mädchen, vom zwölften Jahre angefangen, für bestimmte Erwerbszweige vorzubereiten oder auszubilden, hielt gestern seine elfte ordentliche Generalversammlung. Nach einer Begrüßungsansprache der Präsidentin, Frau Paula v. Frankl, erstattet der Caffenverwalter, Herr Gustav Simon, den Caffenbericht pro 1877, nach welchem die Jahreseinnahmen des an 900 Mitglieder zählenden Vereins 8906 fl., die Ausgaben 8601 fl. betrugen und das Bereinsvermögen mit 6877 fl. in Barem und 11,410 fl. in Effecten beziffert wird. Hierauf berichtete die Schriftführerin, Frau Dr. Schüßler, über die Thätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre. In der Bereinsschule, welche aus zwei Fortbildungs- und vier Arbeirsclaffen besteht, genoffen 185 Schülerinnen Unterricht und zum Theile auch den Unterhalt, während 61 Mädchen auf Vereinskosten externen Unterricht 'erhielten. Aus der Fortbildungsschule des Vereins traten in diesem Jahre 23 Mädchen in die Lehrerinnen -Präparandie zu St. Anna über, und erhielt eines derselben für seine besonderen Leistungen ein Staatsstipendium von 150 fl. Mehrere der Schülerinnen widmeten sich dem Berufe der Kindergärtnerinnen, andere wendeten sich dem Staatsdienste und wieder andere Schülerinnen des Vereins der Kunstindustrie zu. Als in diesem Jahre eingeführte Neuerungen in der Schule sind zu erwähnen: die Errichtung eines höheren AuSbildungscurfes an der Fortbildungs-, sowie einer Maschinenstrickschule an der Arbeitsschule des Vereins, und hat die Maschinenstrickschule bereits zur selbstständigen Erwerbsthätigkeit einiger Mädchen geführt. Mehrfache Spenden und Legate haben zwar eine Erweiterung der Schulraumlichkeiten ermöglicht, doch ist der Andrang von Schülerinnen zu groß, um sämmtliche Reflectirende zu berücksichtigen. Der Vereinsbericht gedenkt ferner anerkennend der Thätigkeit des Vorstandsmitgliedes Frau Marianne Benedikt, welche sich besonders um das Zustandekommen der Vorlesung zu Gunsten der Vereinscaffe Verdienste erworben hat. Herrn Robert, deffen Vorlesung vom glänzendsten materiellen und künstleriscken Erfolge begleitet war, wurde gleichfalls der einmüthige Dank der Versammlung ausgesprochen. Im Anschlüsse an diesen von der Versammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Bericht der Schriftführerin appellirt die Vorsitzende in warmen Worten an die Wohlthätigkeit der Mitglieder mit der Bitte, die Bereinsbestrebungen kräftigst zu unterstützen, womit die Versammlung schloß. Pest, 14. December (Privatmitth.). Die hiesige israelitische Religionsgemeinde hat beim Kultusminister angesucht, es möge ausgesprochen werben, daß die in der Hauptstadt wohnenden Israeliten jener Kultusgemeinde sich anschließen müffen und kontributionspflichtig sein sollen, in deren Sprengel ihr Wohnort fällt. Der Minister hat dieses Ansuchen berechtigt gefunden und, wie die hiesigen Journale melden, als für das ganze Land bindend angeorbnet, daß jeder Israelit als zu jener Kultusgemeinde gehörig, betrachtet werde, auf deren Gebiet derselbe wohnt. In Fällen, wo auf einem und demselben Ortsgebiete israel. Kultusgemeinden verschiedener Bezeichnungen z. B. Kongreß-, Orthodoxen-Gemeinde u. dgl. m. sich befinden, steht es jedem Einzelnen ftei, seiner Ueberzeugung entsprechend, welcher Gemeinde immer sich anzuschließen. Aus Böhmen, im Dec. (Privatmitth.) Die Angelegenheit der Subventionirung der dürftig dotirten Rabbinalsstellen in Böhmen seitens des Staates bedarf, um zu einem Ziele zu gelangen, beständiger Aufmerksamkeit und Förderung. Ihre Erledigung hat nicht blos eine principielle Bedeutung, sondern ist von ganz realer, auf die Lage mehrer Gemeinden und Familien einwirkender. Ist sie nun in Fluß gekommen, so kann sie doch ebenso leicht wieder in's Stocken gerathen, und um dieses zu vermeiden, wird wiederholte Berichterstattung in dieser Zeitung nothwenbig sein. Die erste Petition ging von dem Dachauer Rabbiner Schidloff aus; ihr Erfolg wurde jedoch trotz der Intervention eines edlen jetzt verstorbenen Fürsten durch die Saumseligkeit einer jüdischen Corporation vereitelt. Der genannte Rabbiner in Verbindung mit dem Klattauer Rabbiner l»r. Per letz petitionirte von Neuem, und diesmal nahm sich der Reichsrathsabgeordnete Fürth der Sache bei der Verhandlung im ReichSrathe nachdrücklichst an, so daß die Petition der h. Regierung zu eingehender Würdigung und Berücksichtigung überwiesen wurde, ohne daß jedoch hieraus irgend ein Erfolg erfloß. Die beiden genannten Rabbiner brachten deshalb eine dritte Petition ein und Rabbiner Schidloff nahm die Gelegenheit wahr, als der Herr Unterrichtsminister in Karlsbad verweilte, eine Audienz zu erbitten, und die Angelegenheit Sr. Excell. gründlich auseinander zu fetzen. Ferner beantragte er bei der bald darauf