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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1878-01-01 · Heft 1 (1.1.1878) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
42 (1878)
Issue
Heft 1 (1.1.1878)
Date
1878-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 diese unentbehrlich sind. Alle diese Versuchungen gehen von Gott selbst aus; sind ebenso wenig Wirkungen einer bösen Macht, welche den Menschen in ihr Netz ziehen will, als der Entschluß und die Handlungsweise des Menschen Eingebung und Verführung durch dieselbe. Vielmehr ist es gerade die Willensfreiheit des Menschen, welche damit die h. Schrift zur Anerkennung bringt, und die in der Tiefe des einfachen, anthropomorphistischen Ausdrucks liegt, Gott wolle erkennen, ob der Mensch gottesfürchtig u. s. w. sei. Daß es in der Wahl des Menschen liege, was er in zweideutigen Momenten, in Stunden herzzerreißender und widerstreitender Empfindungen thun werde, konnte nicht bestimmter ausgedrückt werden. Hier ist es zunächst die Versuchung Abrahams 1 Mos. 22, wo das Herz eines Vaters, dem so spat die Vaterfreude geworden, mit einem Gebote Gottes in Widerstreit gesetzt wird; der zweite Vers hebt dies recht nachdrücklich hervor; und Abraham erhebt sich zur höchsten Ergebung in den Willen Gottes, zum Vorbilde der Menschen, alles Irdische, selbst das theuerste Gut des Lebens der höheren Pflicht aufcpfern zu können. Welche Auffasiung wir dem biblischen Berichte auch geben mögen: dieser große sittliche Gedanke liegt unzweideutig in ihm ausgesprochen. — Als die Israeliten mit Manna gespeist werden sollten, wurden ihnen solche Vorschriften dabei zur Beachtung gegeben, daß dieselben leicht übertreten werden konnten, wenn nicht ein fester Wille vorhanden war, die Gebote streng zu erfüllen. 2 Mos. 16, 4 wird daher gesagt, daß Israel durch das Manna versucht werde, ob es in der Lehre Gottes wandeln werde oder nicht. Aehnlich bei der Erscheinung auf Sinai 20, 20. Weiterhin läßt Gott zu, daß falsche Propheten, die sich selbst durch Zeichen bewähren, Israel zum Götzendienste verleiten wollen, weil Gott es „versucht, um zu erkennen zu geben, ob Ihr wirklich liebet den Ewigen Euren Gott mit Eurem ganzen Herzen und mir Eurer ganzen Seele" (5, 13, 4). Zn gleicher Weise verbleiben heidnische Bewohner im Lande Israel, um „durch sie Israel zu versuchen, ob sie beobachten den Weg des Ewigen oder nicht." (Nicht. 2, 22). Als die Boten von Babel zum Könige Hiskiah kamen, ihn wegen der an dem assyrischen Heere wunderbar geschehenen Niederlage zu befragen, überließ ihn Gott sich selbst „ihn zu versuchen" sein ganzes Herz zu erkennen zu geben. (2 Chron. 32, 31). Endlich spricht der Psalmist mit kurzem Worte den Zweck einer solchen Versuchung (26, 2) aus: „Prüfe mich, Ewiger, und versuche mich, lautere meine Nieren und mein Herz." Eine wohlbestandene Versuchung erwirkt vor Allem eine wahre Läuterung der Menschenseele, und je schwerer sie war, desto reicher und lauterer geht das Herz daraus hervor. Eine derartige Ansicht mußte von vornherein jede Vorstellung, daß mir solchen Prüfungen und Versuchungen des Menschen ein böses Princip, ein böser Geist zu schaffen habe, ausschließen. Hieran reiht sich eine Versuchung, die wir jetzt erst heranziehen, weil sich durch dieselbe so recht die Verschiedenheit des Geistes und der Anschauung in den heil. Schriften Israels und denen in den Schriften des „Neuen Testamentes" erkennbar macht. 1 Kön. 3, 5 rc. wird am Anfang der Regierung Salomo's erzählt: „Zu Gibeon erschien der Ewige dem Salomo im Traume der Nacht und sprach: fordere, was soll ich Dir geben? Und Salomo antwortete: Gieb Deinem Knechte ein Herz, das verstehet Dein Volk zu richten und zwischen Gutem und Schlechtem zu unterscheiden. Und Gott sprach zu ihm: führwahr, weil Du solches erbeten und hast Dir nicht langes Leben erbeten und hast Dir nicht Reichthum erbeten und hast Dir nicht erbeten das Leben Deiner Feinde (den Sieg über die Feinde, also die Macht), sondern hast Dir erbeten, das Recht zu verstehen; siehe, so gebe ich Dir ein weises und einsichtsvolles Herz, und auch was Du nicht erbeten, gebe ich Dir, sowohl Reichthum als Ehre, und wenn Du wandelst in meinen Wegen, will ich auch Dein Leben verlängern." Dieser Erzählung analog wird Matth. 4, 1 :c. von einer „Versuchung Jesu" berichtet, die auch Mark. 1, 12. 13 kurz, Luk. 4, 1 :c. ausführlich und in etwas anderer Ordnung mitgetheilt wird. Um jedoch die Fassung dieses Berichtes richtig zu verstehen, müssen wir noch einen Blick auf das neunzehnte Capitel desselben 1. Buches der Könige werfen. Elija, von der Jsebel verfolgt, flieht zur Wüste, wird daselbst von Engeln gespeist, geht vierzig Tage und vierzig Nächte fastend bis zum Berge Horeb; da ruft ihn „das Wort Gottes" auf den Berg, und dort sieht er die großartige Erscheinung, die V. 11. 12 beschrieben wird. Aus dieser Stelle wird offenbar die Scenerie in der neutestamentlichen Erzählung entlehnt. Es heißt da: „Jesus ward in die Wüste geführt vom Geiste, um versucht zu werden vom Teufel." Vierzig Tage und vierzig Nachte fastet er (gleich Moses und Elija). Da trat der Teufel zu ihm und spricht: Bist Du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brod werden. Jesus weist ihn mit ö Mos. 8, 3 zurück. Alsdann bringt ihn der Teufel auf die Zinne des Tempels und fordert ihn mit Psalm 91, 11. 12 auf, sich hinabzustürzen. Jesus antwortet ihm mit 5 Mos. 6, 16. Dann heißt es: „Unc es führete ihn der Teufel auf einen hohen Berg, und zeigete ihm alle Reiche des Erdkreises in einem Augenblick. Und der Teufel sprach zu ihm: Dir will ich diese ganze Gewalt geben und ihre Herrlichkeit; denn mir ist sie verliehen und wem ich irgend will, gebe ich sie. Wenn Du nun vor mir anbetest, soll sie alle Dein sein. Aber Jesus antwortete ihm, und sprach: Hinweg von mir, Satan! Denn es steht geschrieben: Du sollst den Herrn Deinen Gott anbeten, und ihm allein dienen." Hierauf „verlaßt ihn der Teufel und Engel kommen herbei und versorgen ihn mit Speise" (was bei Elija vorher geschieht). — Die Aehnlichkeit zwischen der Versuchung Salomos im Traume und der Jesu in der Wüste ist offenbar. Beiden steht die Wahl frei zwischen den Gütern der Erde, Reichthum, Macht und langes Leben, und der Erfüllung ihres höheren Berufes. Beide wählten die letztere mit Hintenansetzung der irdischen Herrlichkeit. Aber ebenso einleuchtend sind die Unterschiede. Bei Salomo ist es 1*

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