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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-12-25 · Heft 52 (25.12.1877) · p. Seite 830

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 52 (25.12.1877)
Date
1877-12-25
Page
Seite 830 (sequence 10)
Language
German
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830 anderer, der sich geißelt, um das Fleisch zu tödten, verfällt oft wieder in seine weltlichen Erinnerungen und verliebt sich bei erster Gelegenheit in eine schöne Gallierin. Auch das große Seelenopfer, welches dieser Paulus bringt, beruht eigentlich auf einer Lüge und zeigt sich ganz nutzlos, ja schädlich für die betreffenden Personen. In dieser Weise kommt wohl das Gemälde der Wahrheit näher, erweckt jedoch geringes Interesse. Abgesehen von dem Roman selbst, interessirt es uns, daß Ebers auf eigene und Anderer Forschungen gestützt in der Vorrede erweist, wie falsch jene, noch immer oft gehörte Behauptung sei, daß das christliche Mönchsthum einen jüdischen Ursprung habe, während das Mönchsthum dem Geiste des Judenthums völlig widerspricht und selbst die Verirrung der, übrigens nicht lange bestandenen Efsäer diese dem bürgerlichen Leben durchaus nicht entzog und mit der ascetischen Ausfüllung des Daseins, wie es der Inhalt des Mönchsthums sein soll, durchaus nichts zu schaffen hatte. Charakteristisch ist es, daß auch Ebers jener confessionellen Tendenz sich nicht zu entziehen vermag, in seinen Roman alle auftretenden Christen als Tugeudhelden, alle Heiden als entartete und verbrecherische Menschen zu zeichnen; wer von den letzteren noch etwas taugt, wird schließlich Christ. Es muß diese vorurtheilsvolle Tendenz bei aller Aufklärung doch in dem anerzogenen christlichen Geiste liegen, und wir Juden dürfen uns nicht verwundern, wenn wir in so vielen modernen Romanen zu einer ähnlichen Rolle verurtheilt werden. Wo übrigens Ebers in diesem Romane eines Juden nebenbei erwähnt, thut er es in allen Ehren. Curios schien es uns noch, daß Ebers die bekannte jüdische Vorschrift, daß in Todesgefahr die Beobachtung allerj Joseph II und die österreichischen Generalseminarieu", und „Kaiser Joseph ll. Die erstere ist eine Abhandlung über einen für die damalige Zeit sehr wichtigen und von bedeutenden politischen Folgen begleiteten geschichllichen Gegenstand, die den Werth hat, die erste unparteiische, aus den archivalischen Quellen geschöpfte Darstellung zu sein, wobei mannichfache Streiflichter auf das Verhalten Joseph ll. zur römischen Kirche fallen, der bei aller Energie gegen die Uebergriffe des Clerus in die internen Angelegenheiten der Kirche sich niemals mischte. Die zweite Schrift gehört zu „Hölber's historischer Bibliothek für die Jugend, herausgegeben von vr. A. Egger (Wien, Hölder 1877). Dem Zwecke gemäß ist die Darstellung anziehend, knapp und für die Jugend verständlich, von einem warmen Hauche der Begeisterung für alles Wahre und Edle. Was Joseph ll. für die Juden gethan (1782) — der einzige Monarch, der hierin nicht erst die französische Revolution abgewartet — wird S. 78 ff. in interessanter Weife erzählt. — Die am Grabe des Stadtraths Philipp Würzburger zu Bochum vom Religionslehrer Laubheim gehaltene Rede ist bei Stumpf in Bochum erschienen. — Reden gehalten am Neujahrsfeste und am Versöhnungslage des Jahres 5638 — 1877 von vr. N. Brüll, Rabbin. (Frankfurt a/M., Auffarth). Es sind dies treffliche Reden, die sowohl den Festen entsprechen, an welchen sie gehalten worben, als auch ihrem Gegenstand, die echte Religiosität im Gegensätze zu Spöttern, Heuchlern, Fälschern und Berlaumdern ins helle Licht setzen. Die Sprache ist zwar nicht schwung- und bilderreich, immer aber gehoben und edel. — -its-iKnoipryp rrn rvnbir von vr. I. a st freund (Wien, Redaction des Wiener Israelit 1877). Gesetze zurückweicht, außer wenn Götzendienst, Blutschande und! Das Haus Königswarter ist zwar noch kein sehr altes; aber es Mord mit dem Tode erzwungen werden sollen: lieber den Tod hat sich während seines ganzen Bestandes durch wahrhafte Frömzu ertragen, als eines dieser Verbrechen zu begehen (Sanheber 74.' migkeit und außergewöhnliche Wohlthätigkeit ausgezeichnet, und 1) — dem christlichen Bischof in den Mund legt. — Aus der! verdient daher mit Recht Anerkennung und Würdigung. Die Feder unsres gesch. Mitarbeiters, des Herrn l>r. G. Wolf zu > vorliegende Geschichte dieses Hauses ist in fließendem Hebräisch Wien erhalten wir zwei eben erschienene Schriften: „Kaiser! und recht warm geschrieben. I e u i l Die frühere und die jetzige Wohlthätigkeit. Ein Schreiben an die Redaction. Die Wohlthätigkeit ist eine der duftigsten Blüthen an dem Baume der Religion und zwar diejenige, welche sie am ehesten zu köstlichen Früchten reist. Sowohl durch die Wärme, welche die Religion überhaupt durch das Gemüth verbreitet, als durch den Gedanken an Gott, deffen Wille die Liebe unter den Menschen ist, durch die Ueberzeugung, welche das Wort der heil. Schrift in uns nährt, daß an die Thaten der Barmherzigkeit sich der göttliche Segen knüpft, wird die Uebung der Wohlthätigkeit überaus befördert. Es ist daher eine richtige Beobachtung, welche ganz I e t o u. besonders in unsrer Zeit gemacht werden kann, und die der amerikanische Corresponvenl in einer der letzten Nummern ihres Blattes machte, daß wohlthätige Anstalten und Werke doch ganz besonders Wirkungen von und nach der Consession sind, während die Religionslosigkeit wenig davon zu Stande zu bringen vermag. Sie wirkt erkaltend auf das Herz der Maffe und bestärkt die Selbstsucht, die nur an sich denkt. Daß das Juventhum sich darin ganz besonders auszeichnet und von ihm überhaupt der Begriff der eigentlichen Wohlthätigkeit ausgegangen, darf ihm Niemand bestreiten. An mehreren Stellen Ihrer Schriften, Herr Redacteur, habe ich nun eine ausführlichere Darstellung der Vorschriften gelesen, welche das talmuvisch-rabbinische Juventhum

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