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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-12-25 · Heft 52 (25.12.1877) · p. Seite 829

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 52 (25.12.1877)
Date
1877-12-25
Page
Seite 829 (sequence 9)
Language
German
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829 wird, hat Lady Burdett-Coutts,' die für die Flüchtlinge von Kasanlik bereits früher schon 200 Pfd. St. gespendet hatte, nachträglich eine reiche Gabe an dieselben gelangen laffen. Sie übermittelte nämlich 13 Ballen Stoffe diverser Art an das Counts, um die Flüchtlinge mit Kleidungsstücken zu versehen. Die erwähnte Lady ist bekannllich eine der wohlthätigsten Damen Englands. Bonn, 9. December. (Notizen.) Wir erinnern an unsere in vor. Nummer abgedruckte Warnung. Am Sabbat'.)- Chanukka, so wird uns aus Eis leben geschrieben, hat einer von vier zugereisten Schnorrern, der eine Legitimation unter dem Namen „Feuerstein aus Warschau" bei sich führte, ungefähr 20 bis 22 Jahre alt, untersetzter Statur und mit schwarzem Haar, aus der Synagoge, in die er sich nach dem Gottesdienste geschlichen, eine silberne Jad gestohlen. Er war darauf spurlos verschwunden. — Die Wiener Blätter berichten mit Auszeichnung über einen Bortrag, den der Sohn des verehrten Predigers vr. A. Jellinek, Herr Dr. Georg Jellinek, im „Verein der Literaturfreunde" gehalten. Gegenstand waren „Tie Beziehungen Goethe's zu Spinoza", und die klaren und zutteffenden Bilder, die der Redner von Goethe und dem Spinozismus entwarf, fanden ungewöhnlichen Beifall. — In Plewna — so erzählt „Közvsl" — befindet sich eine alte jüdische Wahrsagerin, Namens Sara. Soldaten und Officiere suchen häufig das alte Weib auf, um sich von ihr die Zukunft wahrsagen zu lassen. Die Langeweile während der Cernirung vermochte auch Osman Pascha, die Schwelle der Wahrsagerin zu überschreiten. Die Weissagung lautete: „Eine glanzende Zukunft harrt Deiner, wenn Du bis zum 12. December nicht in Gefangenschaft geräthst." Eine glänzende Zukunft ist Osman Pascha schon jetzt gesichert; watz für eine Zukunft mag es also sein, welche die Weisiagerin meinte? (Wenn das Geschichtchen wahr ist, so befolgt die jüdische Wahrsagerin das jüdische Gesetz nicht, welches jede Art von Wahrsagerei verbietet). — Die ungarischen Blätter schreiben: Se. Majestät der König hat in seinem und im Namen Ihrer Majestät der Königin der Trßtenaer israelitischen Cultusgemeinde zu ihrem Tempelbau 200 fl. aus der allerh. Privatschatulle bewilligt. (Geschieht in anderen Ländern auch nicht!). — Die Pester Blätter bemerken, daß die Vorlesungen des vr. Kays er l in g dauernd eine große Betheiligung und vielen Beifall finden. Das Comite hat zur Bestreitung der Kosten ein geringes Entreegeld festgesetzt. Durch den außergewöhnlichen Zudrang wird noch ein Reinertrag erzielt, der bis jetzt in mehreren Hundert Gulden besteht, und an den ungarisch-israelitischen Landesstipendium-Berein, den israel. Handwerker- und Ackerbau- Verein, das isr. Pensionsinstitut, das evangelische Landeswaisenhaus und das israel. Knabenwaisenhaus zu je 50 fl. vertheilt wurde. — Nach dem Novemberbulletin der ^llisoce isr. univ. sind bereits 213,360 Frcs. bei ihr für die hülfsbedürftigen türkischen Israeliten eingelaufen. Bonn, 16. Dec. (Notizen). In Südafrika in Port- Elisabeth wurde am 2. September eine schöne Synagoge eingeweiht. Alle Notabeln der Stadt wohnten der Feierlichkeit bei. — In Panama (Amerika) macht die Bildung einer isr. Gemeinde Fortschritte. An den letzten Feiertagen wurde der Gottesdienst im Hause des dänischen Vice-Consuls, Herrn Py ke, begangen und waren ungefähr 40 Männer und Frauen anwesend. Der Gottesdienst wurde von einem gewissen Herrn Martine; geleitet, der auch am Jom-Kippur predigte. An diesem Tage wurde auch zum ersten Male in diesem Lande das Schofar geblasen, da ein solches zu Rosch-Haschana nicht rechtzeitig angekommen war. Die Gemeinde hat sich ordnungsmäßig constituirt. Bonn, 16, Dec. (Literarische Notizen). Mit Vergnügen zeigen wir das Erscheinen der 8. Lieferung des „Neuhebräischen und Chaldäischen Wörterbuchs über die Talmudien und' Midraschin von Rabbiner Professor vr. I. Levy" an. (Leipzig, Brockhaus 1877.) Die vorliegende Lieferung reicht von at-p bis -robo. Hiermit ist das vortreffliche Werk ungefähr bis zu seiner Hälfte gediehen. Möge es dem Verfasser vergönnt sein, es mit gewohnter rüstiger Kraft zu Ende zu führen. — Wir haben bis jetzt den gelehrten, wie den dichterischen Arbeiten des Prof. Georg Ebers unsre Aufmerksamkeit zugewendet und unterlassen deshalb nicht, auch seines eben erschienenen Romans „Homo Sum!“ (Stuttgart, Hallberger 1878) zu erwähnen. Derselbe spielt nicht wie seine beiden Vorgänger in Aegypten und in vem ägyptischen Alterthum, vielmehr auf dem Sinaigebirge und im dritten Jahrzehnt des vierten Jahrhunders der christlichen Zeitrechnung. Ebers hat, wie wir seiner Zeit berichteten, den Sinai und die ganze sinaitische Halbinsel bereist, woraus auch die ausführliche Beschreibung der Routen von Suez nach dem Sinai in dem von uns öfter erwähnten Reisebuch Bävekers „Unteragypten" herrührt. Was nun den vorliegenden Roman betrifft, so finden wir ihn lange nicht so anziehend wie „die ägyptische Königstochter" und „Uarda". Es liegt dies wohl vorzugsweise in dem eigenthümlichen Gegenstände, nämlich der Charakterisirung des Lebens und der religiösen Anschauungen der christlichen Anachoraten (Einsiedler-Höhlenbewohner) auf dem Berge Sinai, dessen zahllose Höhlen sie in jener Zeit bevölkerten. Diese Schilderung ist äußerlich gewiß gelungen, wie denn auch die Bilder aus Natur und Oertlichkeit vorzüglich sind. Aber Ebers vermag die psychologische Welt dieser Schwärmer doch nur mit nüchternen Farben zu malen und keinen Blick in die Tiefe ihrer mystischen Sphäre zu werfen. Ihm war es daher natürlich, die Erfolglosigkeit der Anstrengungen derselben zu zeigen. Der eine Anachoret, der auf seinem Sterbelager vom Bischof aufgefordert wird, seinem Feinde zu vergeben, stürzt sich gleich darauf auf diesen und reißt ihn mit sich iu den Abgrund; ein 52

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