Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1877)
- Date
- 1877-12-25
- Page
- Seite 828 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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828 rcav Megret, Katholik, zum Judenthume übergetreten. D:-' Dame Halle ein jährliches Einkommen von 1200 L. St. Mark). Im Jahre 187 0 behauptete Megret, vaß seine < rai: Zeichen von Geisteskrankheit gegeben, unv sie wurde in eine Privatanstalt zu Jvry, später in das Irrenhaus von Cha- .enton eingesperrt. Nach einem langen Proceffe erhielt sie 1875 ihre Freiheit wieder. Unterdeß war ihr Gatte zum Katholicismus zurückgekehri und hatte die Kinder lausen laffen. Seine Frau benutzte die wiedererlangte Freiheit, um einen Scheidungsproceß einzuleiten, den sie jedoch, wie es scheint, nicht zu Ende führte. Dies benutzte wieder Megret, um auf gerichtlichem Wege die Autorisation zu erlangen, die Einkünfte seiner Frau ungeschmälert zu beziehen. Der englische Bicekanzler jedoch hat diese Forderung zurückgewiesen, und stützte sich dabei auf die Gründe, daß MLgret seine Frau verlaffen habe, daß er gegen seine Versprechungen das Judenthum wieder abgeschworen, um;um Katholicismus zurückzukehren, und daß er seine Kinder habe taufen laffen; an zweiter Stelle, daß nach dem Heirathsvertrage die sämmrlichen Einkünfte zum persönlichen Gebrauche der Madame Megret bestimmt wurden. Türkei. Konstantinopel, im December. Mitten in dem furchtbaren Kampfe, den die Türkei, verlaffen von allen Bundesgenoffen, selbst den mohamedanischen. um ihr Dasein zu bestehen hat, und der vielleicht ihr Todeskampf wenigstens in Europa ist, unterläßt die türkische Staatsregierung nicht, neue Anstalten in's Leben zu rufen, zu denen der Plan in der Zeit vor dem Anfang des Kriegs gefaßt worden, und in welchen die völlige Gleichstellung der Mohamedaner, Juden und Christen zur unzweifelhaften Thatsache werden soll. So die Schule für höhere Beamten Malleb Mulkieh Schahameh. In derselben sollen durch einen dreijährigen Cursus sich die jungen Leute zum diplomatischen und anderweitigen höheren Beamtenstande vorbereiten und nach einer Prüfung das unmittelbare Anrecht auf Anstellung erwerben. Es sind in diese Schule neben mohamedanischen Zöglingen auch jüdische und christliche ausgenommen worden. Konstantiuopel, 7. Dec. Die Correspondenten der europäischen Zeitungen sind äußerst kluge Leute; da es ihr Beruf ist, Alles zu wiffen, so thun sie, als ob sie wüßten, was sie gar nicht erfahren können, und klar sehen, wohin ihr Auge gar nicht zu dringen vermag. So schildert ein Corresp. der Köln. Z. die Stimmung der armenischen, griechischen und jüdischen Bevölkerung hinsichtlich des Bürgerwehrgesetzes, als ob er sie alle in der Tasche hätte. Bon den Juden sagt er: „Am aller unangenehmsten ist den Juden der Gedanke an die zu leistenden kriegerischen Dienste. Balata und Hasllöi, die Hauptsitze der Israeliten, sind durch diese unliebsame Nachricht in tiefste Trauer versetzt und die zahlreichen jüdischen Stiefelputzer, Ausläufer und wandernden Händler klagen laut jammernd Jedem ihr Leid, der es hören will. Die Angehörigen des auserwählten Volkes in Konstantinopel haben merkwürdiger Weise keine Neigung zum Kriegsdienste, obgleich ihr Leben und Treiben in der Siebenhügelstadt am Bosporus bei Licht betrachtet unausgesetzt ein kriegerisches ist, indem sie als strebsame Handelsleute mit dem kaufenden und verkaufenden Publikum aller Nationen und Glaubensbekenntniffe stets in Fehde liegen." — Es versteht sich von selbst, daß dieser Correspondent Niemand anders gesprochen hat, als ein paar jüdische Stiefelwichserjungen, wobei es noch sehr fraglich ist, ob er deren Sprache verstehen kann. Jndeß was thut dies: man stellt sich doch so, als ob man alle Schichten der 100,000 Juden in Konstantinopel genau studirt hätte. Glücklicher Weise strafen die Thatsachen diese Herren jeden Tag Lügen, was sie freilich nicht verhindert, in ihrer Weise fortzufahren. Konstantinopel. 13. December. Das ottomanische Parlament wurde heute feierlich vom Sultan eröffnet. Aus der Thronrede heben wir folgende Stellen hervor: „Alle Ottomanen haben Beweise von großer Vaterlandsliebe gegeben und der Heldenmuth unserer Soldaten hat allgemeine Bewunderung erregt. Ich wende mich von Neuem an die Vaterlandsliebe und die Mitwirkung meiner Völker zur Vertheidigung unserer Rechte. Die Bildung der Bürgerwehr wird bald vollzogen sein. Unsere nichtmohamedanischen Unterthanen haben den Wunsch kund gegeben, an der Vertheidigung des Landes Theil zu nehmen. Da die Verfaffung allen unfern Unterthanen gleiche Rechte gegeben und gleiche Pflichten auferlegt hat, so war es natürlich, daß auch Nichtmohamedaner zum Militärdienst herangezogen wurden, welcher die größte der Pflichten und die Grundlage der Gleichheit ist. Die Regierung hat demnach beschloffen, die nichtmohamedanische Bevölkerung in das Heer einzureihen. Das alleinige Heil des Reichs besteht in der Durchführung der Verfaffung. Wir wollen, daß unsere Unterthanen aller Claffen volle Gleichheit genießen und unserm Lande die Fortschritte der modernen Civilisation zu Theil werden." — Die Eröffnung der zweiten Session des ottoman. Parlaments und diese Worte der Thronrede, welche sich auch auf andere Thatsachen berufen könnten, erweisen, daß die constitutionelle Berfaffung des ottomanischen Reiches doch keine bloße Seifenblase ist, wie so viele europäische Zeitungsschreiber verkündeten, und daß die Gleichstellung aller Religionen und Nationalitäten kein bloßes illusorisches Versprechen sein sollte. Die Rückkehr der Flüchtlinge von Kasanlik über Rumänien, Ungarn, Wien und Triest nach Konstantinopel beweist übrigens auch, wie sehr die jüdische Bevölkerung ihre Wohlfahrt an das ottomanische Vaterland knüpft. Falls daher dem ottomanischen Reiche es gelingt, seine Existenz, wenn auch mit Verlust einiger Landstriche zu sichern, so Hallen wir uns überzeugt, daß es das merkwürdige Schauspiel verwirklichen werde, einen Staat von so gemischter und zum großen Theil halb civilisirter Bevölkerung auf constitutionellen Grundsätzen und den modernen liberalen Principien aufzubauen. — Wie der „Alliance Israelite“ aus Konstantinopel gemeldet