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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-12-18 · Heft 51 (18.12.1877) · p. Seite 816

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 51 (18.12.1877)
Date
1877-12-18
Page
Seite 816 (sequence 12)
Language
German
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816 ein Paar SchiebgrLber in den Felsen greift. Bon dieser Kammer gelangt man in 2 Nebenkammern und sodann in 2 tiefere Kammern mit besonderen Eingängen. Die östliche Kammer enthalt 21 SchiebgrLber, wovon 9 auf die untere und 12 auf die obere Lage fallen; die gleich große Südkammer hat auf 3 Seiten 3 SchiebgrLber und über diesen auf jeder Seite ein über den Boden etwa 2 V2 Fuß sich erhebendes Aufleggrab mit Wölbung. Unter diesen Grabkammern giebt es noch einen zweiten Stock mir zwei Grabkammern. Bon der ersten genannten Kammer gelangt man auf einigen Stufen abwärts dnrch einen engen Gang, der 3 SchiebgrLber enthält, in das nordöstliche, 6 Fuß tiefe Gerxvlbe mit 13 Schiebgräbern, in 3 breiten Nischen. Das diagonal südwärts gegenüberliegende Gewölbe, zu dem eine breite Treppe hinabführt, weist keine Gräber auf, sondern nur an der Decke eine viereckige verschüttete Oeffnung; es ist eine unvollendete Todtenkammer, wie Lies die überall bemerkbare rohe Arbeit, das Rudimentartige beweist. Zehn Minuten nördlich vom Damascus-Thore liegen die berühmten Königsgräber, die an Größe und Schönheit alles Frühere weit überbieten. Bon der Straße gelangt man über das Felsenkach hinweg in den Carr« von 32 Fuß Breite und 17 Fuß Tiefe, den ersten Vorhof mit aufrechtstehender Felsmauer und einer Cisterne. Durch ein Felsenthor gelangt man in den zweiten, senkrecht in den Fels gehauenen quadratischen, unbedeckten Vorhof von 92 Fuß Länge und 87 Fuß Breite, wo die Westwand, die eigentliche Grabfac-ade, die Aufmerksamkeit fesselt, renn das Gebälke trägt schöne, halb erhabene Bildhauerarbeilen, während die Säulen und Pyramiden in der Front längst verschwunden sind. Der Fries zeigt zierlich verschlungene Blumengewinde mit Lorbeer- und Eichenblättern, Granaten und Pinienzapfen. Die Traubenbündel in der Mitte umgeben zierliche Kränze und ornamentale Palmenkrvnen, die dorischen Dreischlitze sind von Zweigen und Tropfen überhangen, und Rosen oder Schilde mit Akanthus wechseln in den Metopen. Dieses Bestibulum hat eine Länge von 39 Fuß bei 17 Fuß Breite und 15 Fuß Höhe. Durch eine niedrige, mit einem Giebel versehene Thüre gelangt man in eine viereckige, ziemlich große Vorkammer, deren Wände glatt in Felsen gehauen sind. Von hier führen zwei niedrige Eingänge gegen Süden und einer gegen Westen in die Grabkammern. Die südöstliche hat auf 3 Seiten eine Felsenbank und hinter der östlichen und südlichen Bank greifen je 3 SchiebgrLber in den Felsen ein; längs den Seiten dieser Kammer ist ein kleiner, in den Fußboden gehauener Canal. Die westlich daranfioßende Kammer hat in der Mitte eine viereckige Vertiefung mit 6 Schiebgräbern. Von hier führt ein kurzer Gang über mehrere Stufen abwärts in ein tieferes Gemach, welches 3 Aufleggräber mit Wölbung und in einer mittleren Vertiefung einen marmornen Sargdeckel mit sorgfältiger Bildhauerarbeit enthalt. Bon der Vorkammer westlich liegt eine große Kammer von 13 Fuß im Quadrat in 3 Bänken und 8 Schiebgräbern; durch einen Gang gelangen wir in 2 Räume, deren letzterer 2 Aufleggräber und eine Nische enthält; von hier steigt man ein wenig in eine unbedeutende Höhle hinauf. Die Thüröffnungen waren einst durch Steinthüren geschloffen, welche, aus demselben Kalksteine gehauen und genau in die Oeffuungen an der Ober- und Unterschwelle eingelassen, auf den Druck einer erfahrenen Hand in ihren Zapfen sich drehten und durch ihr eigenes Gewicht sich wieder schloffen. Ursprünglich hingen 6 solcher Thüren in ihren Felsenangeln und gingen nach innen auf; noch 1767 fand man eine in den Steinrahmen eingefaßt, so daß man kaum unterscheiden konnte, ob nicht alles Ein Felsenstück sei. Jetzt sind die Zapfen vielfach abgesprengt und die Bruchstücke der Thüren liegen zerstreut am Boden. Diese Gräber bargen einst Sarkophage mit reichen Marmordeckeln, worauf in erhabener Arbeit zierliches Laubwerk mit Blumen und Früchten ausgemeißelt ist und den in Fels gehauenen Verzierungen am Portalfriese entspricht. Die Sorkophage wurden längst schon in alle Länder verschleppt und nur Bruchstücke der Deckel sind hier noch zu finden. Zweifelsohne standen diese Sarkophag am Boden oder auf den Bankgrabern. Welche Todten diese Gräber ursprünglich beherbergten, läßt sich schwer mit Sicherheit bestimmen; doch die Pracht und der Aufwand in der Aulage sprechen dafür, daß wir königliche Gräber vor unS haben. Diele neigen sich der Ansicht zu, daß sie mit den Gräbern des Herodes identisch sind, die er für sich und seine Nachfolger anlegen ließ, wahrend Andere hier das Grabmal der Königin Helena von Aviabene sehen, welche, sawmt ihrem Sohne Jzates zum Judenthume bekehrt, im Jahre 45 nach Christi Geburt nach Jerusalem übersiedelte, nach dem Tode ihres Sohnes nach Adiabene zurückkehrte, jedoch bald darauf starb, worauf ihre Gebeine nach Jerusalem übertragen und im Pyramidengrabmale, 3 Stadien vor der Stadt, beigesetzt wurden. Jedenfalls stammt das Grab aus der letzten Epoche des jüdischen Staates, in welcher der römische Einfluß der Kunst (z. B. die Sarkophage) sich bereits Geltung verschafft hatte. Wie die Juden in ihren weitzerstreuten Colonien ihre Gebräuche beobachteten, ebenso hielten sie auch an der alten Sitte der Todtenbestattung fest, natürlich mit einigen Veränderungen, welche die besonreren Verhältnisse des Ortes mit sich brachten. Obgleich in Rom die Leichenverbrennung allgemeiner Gebrauch war, so fügten sich die Juden demselben nicht, sondern bestatteten, wie in ihrer Heimath, die Todten in unterirdischen Grüften. Die in Rom und Unteritalien aufgefundenen jüdischen Katakomben bestätigen dies. Eine solche wurde in den letzten Jahren an der Via Appia, eine andere etwas naher bei Rom in der Vigna Randanini entdeckt. *) Diese jüdischen Katakomben haben die allgemeine Einrichtung mit den späteren christlichen gemein. Auch t) Wir haben über diese Katakombe, deren jüdischer Ursprung noch nicht über alle Zweifel erhaben ist, ausführliche Correspondenzen im Jahrgang 1873, Seite 275 und 323 gebracht. Redaction d. A. Ztg. d. Judenth.

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