Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1877)
- Date
- 1877-12-18
- Page
- Seite 815 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3227123-3227175--35886-3305890- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
815 lenzen Spinoza's, aus dem Zusammenhänge gerissen, in der gewöhnlichen Bedeutung der gebrauchten Worte faßt, ist von deren eigentlicher Bedeutung im Sinne des Philosophen weit entfernt. Absichtslos wird dadurch jene Escamotage verübt, welche bei Gelegenheit der jüngsten Spinozafeier mehrfach vorgekommen, durch welche nämlich Spinoza zu einem reinen Deisten gewöhnlicher Art, nur im Gewände größerer Tiefsinnigkeit gestempelt wird. Charakteristisch ist dafür, daß ein ausführliches „alphabetisches Znhaltsregister" hinzugefügt ist. Wer nun nach diesem irgend einen Gegenstand aufschlägt, wird eine und die andere Sentenz finden, aus der er doch nichts zu machen wüßte. Man schlage z. B. „Unsterblichkeit" auf. Jeirilleto«. Das hebräische Felsengrab. (Schluß.» Wenden wir uns nun der palästinensischen Hauptstadt zu, die man mit Recht die Gräberstadi nennt; denn wohl keine andere Stadt besitzt so viele alte Gräber als Jerusalem; sie ist so zu sagen mit einer fast zusammenhängenden Reihe von Felsgräbern umgeben. Im Thale Josaphat, dem Thale des Gerichtes und der Auferstehung, begegnet unserem Blicke das sogenannte Josaphats-Grab, welches in einen senkrechten Felsenausschnitt gehauen ist und an der Front einen Giebel mit Ornamentik zeigt. Das zum großen Theile verschüttete Grab besteht aus einer Todtenkammer, von welcher man in 5 andere Grabkammern gelangt. Durch ihre seltsame und fremdartige Gestalt fallen in die Augen die Pyramidenmonolithen der Gräber Absalom's und Zacharias'. Das Grab Absalom's besteht aus zwei Theilen, einem aus Fels gehauenen Unterbaue und einem künstlichen, kegelförmigen Aufsatze mit einer Ornamentik, welche an die egyptische Architektonik erinnert. Er umschließt eine größtentheils mir Schutt angefüllte Felsenkammer und gehört wahrscheinlich der nachexilischen Zeit an. Beim Grabmonolith des Zacharias trägt das untere, mit Eckpfeilen, Halb- und Viertelsäulen gezierte Quadrat von 17 Fuß ein 12 Fuß hohes vierseitiges Pyramidaldach und umschließt gleichfalls eine Grabkammer, zu der man jedoch noch keinen Eingang entdeckt hat. Ein Gleiches gilt von den Gräbern an der Südseite der Hinnom-Schlucht, welche an zwei über einander liegenden Felswänden sich befinden. Durch kleine Thüröffnungen gelangt man oft in mehrere Grabkammern, die meist für Familien eingerichtet waren und theilweise gewölbt ausgehauen sind. Ich erwähne hier nur noch die Felsenhöhlen im Norden der Stadt, welche von den Juden Grab Simon des Gerechten, eines Zeitgenossen Alexanders des Großen, genannt werden, das Grab Samuels auf Neby Samwil, der anderen zahllosen Familiengräber an den übrigen Orten nicht zu gedenken. Wir haben bisher an mehren Gräbern die Einrichtung der jüdischen Familiengräber kennen gelernt. Da aber nicht Jeder ein Familiengrab besitzen konnte, weil dazu ein größerer Grundbesitz erforderlich war, so entsteht die Frage, wie die Aermeren oder aber auch die keinen Grund und Boden besitzenden Reicheren bestattet wurden? Für diese waren größere Sammelgräber angelegt, die wir in zwei Theile scheiden können, nämlich Gemeingräber für Landgemeinden und die niedere Schichte der Bevölkerung, und Jnnungsgräb er, die für ganze Standesgenossenschaften oder Innungen angelegt wurden und mit den Familiengräbern große Aehnlichkeit haben. In diese Kategorie gehören zunächst die Propheten-, Richter- und Königsgräber von Jerusalem. Auf dem Oelberge, nicht weit vom Gewölbe des Creda, liegt der Eingang zu den Prophetengräbern, die Kebur el- Umbia genannt werden und in einen weichen, graulichen Kalkfelsen gehauen sind. Man tritt zunächst in eine Vorkammer, eine Rotunde von 67 Fuß Umfang bei einem Durchmesser von 21 Fuß, von welcher drei Eingänge südwärts in eben so viele Gänge führen, die theilweise verschüttet sind, eine Breite von 5 Fuß und eine Länge von 40 bis 60 Fuß haben, durch einen 46 Fuß langen ostwestlichen Quergang halbcirkelförmig durchschnitten werden, wodurch eine südliche und nördliche Abtheilung entsteht, und sechs natürliche Felsenpfeiler zwischen sich lassen, wovon der größte 100 Fuß Umfang hat. Die Gänge gehen keineswegs eben fort, sondern steigen bald auf-, bald abwärts und sind mit Gips bekleidet. An der Wand der äußersten Gänge, den östlichen ausgenommen, sind 26 Schiebsenkgräber. In einer Tiefe von 2 ',2 Fuß verengt sich das Grab auf jeder Seite 2 Zoll stark, wodurch ein Absatz und eine Rinne gebildet werden. In den Nebenkammern und dem ostwärts hinlaufenden Gange, der seit mehr als einem Jahrhunderte das Labyrinth heißt, finden sich einige gewöhnliche Schiebgräber. Die ältesten Geschichtsurkunden lassen uns in Beziehung auf die Lage der Prophetengräber ganz im Dunkeln. Nicht minder interessant sind die Gräber der Richter, l/2 Stunde nordöstlich von Damaskus-Thore, wo wahrscheinlich die Richter des aus 70 Mitgliedern bestehenden jüd. Gerichtshofes Sanhedrin beigesetzt worden sind. Durch einen in den Kalkfelsen 8 Fuß ostwärts eingehauenen Vorplatz gelangt man zu einer 12 Fuß breiten offenen Vorhalle, die außen mit Ecksäulen und einem strahlenförmig mit Zweigen versehenen Giebel geziert ist. Durch eine niedrige, gleichfalls mit Giebel versehene Thüre tritt man in eine quadratförmige Kammer von 18 Fuß, deren Nordwand 7 bodenebene Schiebgräber und über diesen 3 schöne Aufleggräber mit Arcosolium enthält, hinter deren jedem 51 *