Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1877)
- Date
- 1877-12-18
- Page
- Seite 814 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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814 einer öffentlichen, in der oben angeführten Zeitung abgedruckten Rede an, in der er über die von den amerikanischen Staaten vernachlässigte Waisenpflege sprach. Er fügte dabei folgende Bemerkung hinzu: „Eine Umschau in fast allen Waisenhäusern dieses Landes beweist jedoch, daß dieselben nicht sowohl Schöpfungen eines allgemein menschlichen Wohlthätigkeitstriebes, als Werke eines religiösenGeistes sind. Selbst der heftigste Religions- Verächter kann nicht über die Thatsache hinaus kommen, daß beinahe alle Waisenanstalten in diesem großen Lande von kirchlichen Vereinigungen in's Leben gerufen sind, während der Unglaube nicht im Stande war, solche Werke der Liebe zu stiften." Bonn, 25. Nov. (Literarische Notizen.) Wir haben bereits lNr. 40) angezeigt, daß das k. k. Unterrichtsministerium die „Ausführliche israelitische Religionslehre von vr. Ludwig Philippson" sttl Bände, 2. Auflage, Leipzig 1861—65) für die Oberclaffen der Mittelschulen und Gymnasien approbirt hat. Da nun die zweite Auflage dieses Werkes völlig erschöpft ist, so nahm der Berfaffer Veranlassung, um das Werk für die Schüler brauchbarer zu machen und einen geringeren Preis zu ermöglichen, dasselbe zum Schulgebrauch zu bearbeiten, so daß es in einem mäßigen Band zusammengefaßt ist, wo dann das größere Werk von dem Lehrer zur Erörterung und Erklärung des Inhalts verwendet werden kann. Diese neue Bearbeitung erscheint binnen Kurzem im Verlage der k. k. Hof- und Universitäts-Buchhandlung Hölder inWien. — Ueber die Entdeckung des Originaltextes des apokryphischen Buches Tobias in der Bodleianischen Bibliothek in Oxford durch Neubauer wird dem Univers mitgetheilt, daß Neubauer den chaldäifchenOriginaltext des Tobias in einem Manuscripte fand, das neuerdings erst angeschafft wurde. Wenn der h. Hieronymus in der Vorrede seiner Uebersetzung des Buches Tobias an die Bischöfe Chromatius und Heliodorus schreibe: Exigitis enim ut librum chahlneo sermone conscriplum ad latinum stylum traham, liberum utique Tobiae, so dürfe man annehmen, daß der von Neubauer entdeckte Text bis auf einige Varianten derselbe sei, den der h. Hieronymus übersetzt hat. Der Tobias der Vulgata weicht von dem der Septuaginta in mehreren Punkten ab und besonders darin, daß der griechische Tobias in der ersten, der lateinische in der dritten Person spricht; im Chaldäischen spricht er gleichfalls in der dritten Person. In anderen Punkten steht das chalväische Original der Septuaginta näher als der Vulgata. Eine Anzahl streitiger Worte in der Uebersetzuug des Tobias wird durch das chaldäische Original aufgehellt. In letzterem kommt der Hund nicht vor, das Ende des Buches von Capitel 11, 20 fehlt, der Schluß ist kürzer und verschieden von den Übersetzungen. — ir-ixm „Mit unsrer Jugend." Neue Confirmations-Reden für den Barmizwa. Nach allen Wochenabschnitten geordnet von Rabbiner Ehrentheil in Horic. (Frankfurt, Kauffmann 1878.) Es sind dies keine Confirmationsreden des Predigers, sondern Ansprachen des Confirmanden selbst bei dem Confirmationsacte, um den Dank an Eltern, Lehrer und Gott, die Stimmung des Confirmanden an diesem Tage, die Vorsätze und Bitten auszusprechen. Der Verf. hat eine solche Rede für jede Parascha des Jahres gegeben, und befaßt eine solche drei bis vier Druckseiten. Am Schluffe jeder stehen einige Verse, die in der Mehrheit recht gelungen sind. Es ist anzuerkennen, daß der Verfasser verstanden hat, den einfachen Gedankenstoff so mannichfaltig auszudrücken. Für den bestimmten Zweck kann das Werkchen nur bestens empfohlen werden. — „Der Sokrates der Neuzeit und sein Gedankenschatz." Sämmtliche Schriften Spinoza's, gemeinverständlich und kurz gefaßt mit besonderer Hervorhebung aller Lichtstrahlen von Dr. M. Dessauer. (Cöthen, Schletter 1877.) Der Inhalt dieses Buches ist besser als sein Titel. Bis jetzt nannte man Mendelssohn den Sokrates der neueren Zeit, und gewiß mit mehr Recht. Denn der hellenische Denker, der „die Philosophie vom Himmel herabholte, d. h. populär über die Gegenstände des praktischen Lebens philosophirte, kann schwerlich mit dem strengen Systematiker und Dialektiker Spinoza zusammengestellt werden. Der übrige Titel leidet an sprachlichen Unzukömmlichkeiten. Der Vers, versucht nach einer gedrängten und gut abzesaßten Biographie die Schriften Spinoza's durchzugehen und deren hauptsächlichste Gedanken hervorzuheben, die glänzendsten Aussprüche mit fetter Schrift hervorhebend. Eine derartige Behandlung der vorzüglichsten Schriftsteller war vor einigen Jahrzehnten sehr beliebt, ist aber in der letzteren Zeit aus der Mode gekommen. Sie hat das Gute, dem größeren Publikum eine gewisse Vorstellung von einem Autor zu geben, dessen umfängliche Werke nicht in die Hände Vieler kommen und von noch Wenigeren verstanden werden; zugleich bringt sie eine Menge bedeutender Gedanken in wetteren Umlauf. Andererseits leistet sie der Oberflächlichkeit nur um so mehr Vorschub, und zwar jener schädlichen Oberflächlichkeit, welche mit einem Gegenstände vertraut geworden zu sein glaubt, von dem sie kaum die Umrisse fassen konnte. Dies muß um so mehr der Fall sein, je strenger die Methode ces Autors und je eigenthümlicher die Begriffe sind, die er mit seinen Ausdrücken verbindet und deren richtiges Verstandniß nur durch ein eingehendes Studium und den besonderen Scharfsinn des Lesers erlangt werden kann. Dies ist bekanntlich vor Allem bei Spinoza der Fall, bei dem die Definition' seiner tenaiui tecbnici das wichtigste und schwierigste Mittel einer richtigen Auffassung seines Philosophen: ist. Wenn wir daher gern zugestehen, daß der Verfasser viel Geschick und Gewandtheit in der Lösung der Aufgabe, die er sich gestellt, erwiesen hat, und daß er so immerhin einige Bekanntschaft mit der Ideenwelt Spinoza's vermittelt, so werden doch gerade bei Liesen Philosophen die bezeichneten Erfolge sich einstellen. Wer aus diesem Buche die philosophische Anschauung Spinoza's selbst kennen lernen will, wird nur einen Jrrpfad betreten. Wer eine Menge von Sen-