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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-12-18 · Heft 51 (18.12.1877) · p. Seite 813

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 51 (18.12.1877)
Date
1877-12-18
Page
Seite 813 (sequence 9)
Language
German
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813 gefundenes Fressen, da sie zu aller Zeit die Freimaurer als Atheisten verschrien und durch diesen Beschluß des Grand Orient einen thatsächlichen Anhalt haben, den sie nicht ungenutzt lassen werden. Den ultramontanen Blättern ist es ein Leichtes, was die Pariser thaten, auf die ganze Freimaurerwelt auszudehnen. Türkei. Pera, 28. Nov. In der Jrade des Sultans, mit welcher er die Errichtung einer Bürgermiliz von 150,000 Mann anordnet, zu der auch die jüdische und christliche Bevölkerung herangezogen werden soll, lautet die betr. Stelle: „Sintemal alle Ottomanen nach der Verfassung dieselben Rechte auf die Landesvertheidigung haben, geruht Sr. Majestät, in Anbetracht der vollkommenen Gleichheit aller Unterthanen, zu befehlen, daß auch die nichtmuselmännischen Unterthanen, welche das bestimmte Alter erreicht, in die Bataillone der zu Konstantinopel gebildeten Bürgerwehr eingereiht werden. Es steht zu hoffen, daß alle nichtmuselmännifchen Ottomanen in gerechter Würdigung des in sie gesetzten Vertrauens, sich stolz beeilen werden, diese Pflicht zu erfüllen." — Charakteristisch ist es, daß die europäischen Zeitungen auch hinsichtlich dieser angesührten Worte stets „nichtmuselmannisch" mit „christlich" auslegen und nur von der Heranziehung der christlichen Bevölkerung sprechen, als ob die beinahe 100,000 zahlende jüdische Bevölkerung Konstantinopels gar nicht existirte oder ausgeschlossen bliebe. Die türkische Regierung kennt ihren Vortheil besser, denn sie weiß, daß sie in den Juden einen durchaus ergebenen Theil der Bevölkerung habe, während die „Köln. Zeit." selbst behauptet, daß die christlichen Soldaten in den Festungen eine sehr zweifelhafte Besatzung bilden und im freien Felde massenhaft desertiren würden. — Es ist bereits eine ziemliche Anzahl Juden und Armenier enrolirt worden. Amerika. Chicago, im September. Die „Illinois - Staatszeitung" enthalt unter der Ueberschrist „Wohlthäligkeit der Juden" folgenden lesenswerthen Artikel: Wenn man bedenkt, daß die Zahl der Juden in den Ber. Staaten nur auf 250,000 bis 300,000 geschätzt wird, so kann man den Leistungen derselben auf dem Gebiete der Wohlthatigkeit eine aufrichtige Bewunderung nicht versagen. Allenthalben, wo Juden in den Ber. Staaten in irgend namhafter Zahl beisammen sind, giebt es bei ihnen unter Männern und Frauen, unter Alten und Jungen Unterstützungsgesellschaften, welche sehr Bedeutendes leisten. (So sammelt z. B. die jüdische Unterstützungsgesellschaft in Chicago allein zu Zwecken der Armen- und Krankenpflege in jedem Herbst unter den hiesigen Israeliten gegen fünfzehntausend Dollars, und das ist nur ein kleiner Theil des zu wohlthatigen Zwecken erhobenen Geldes.) Jüdische Hospitäler giebt es in New-Aork, Philadelphia, Baltimore, Cincinnati und New-Orleans, und die Spenden der Juden für diese Anstalten sind wahrhaft großartig. Für das ausgezeichnete „Mt. Sinai-Hospital" in New - Pork kommt in Einer Woche des Jahres mehr Geld zusammen, als für das confessionslose unter den dortigen deutschen Hospitälern in einem ganzen Jahre mit Ach und Krach zusammengebracht wird. Die Einrichtung dieser Anstalten und die Pflege in denselben ist eine vortreffliche. So wird jetzt das jüdische Hospital in Baltimore dem Staate Maryland, der feine Wohllhätigkeitsanstalten so grauenhaft vernachlässigt hat, als Muster vorgehalten. Und diese Anstalten nehmen keineswegs blos jüdische Kranke auf. sondern Kranke jeder Confession und Nicht-Confession, arme unentgeltlich, bemittelte gegen mäßige Entschädigung. In Chicago wurde im Jahre 1867 ebenfalls ein jüdisches Hospital errichtet, dasselbe ging aber im October 1871 im-großen Feuer auf; allein ein bedeutender Hospitalfond liegt zur Verwendung bereit und wird wohl bald seiner Bestimmung gemäß verwendet werden. Jüdische Waisenhäuser giebt es in den Ber. Staaten sechs, welche alle vortrefflich dotirt sind und zu deren Unterhalt stets reichliche Beiträge einlaufen. Es sinv dies die Anstalten in New-2)ork, Philadelphia, Baltimore, Cleveland, New-Orleans und San-Francisco. Das jüdische Waisenhaus in Baltimore brannte vor wenigen Jahren ab, ist aber bereits durch einen herrlichen neuen Bau in der schönen Umgegend ersetzt. Das großartigste jüdische Waisenhaus ist das in Cleveland, in welches Waisen aus den verschiedensten Theilen der Ver. Staaten, auch aus Chicago, ausgenommen werden, und zu dessen Unterhalt besonders auch von Chicago — Dank der aufopfernden Thätigkeit jüdischer Frauen — fortwährend reichliche Spenden einlaufen. Nach dem letzten Jahresberichte über die Clevelander Anstalt befanden sich in ihr 209 Kinder im Alter von fünf bis zu fünfzehn Jahren, 127 Knaben und 82 Mädchen. Die Einnahmen im letzten Jahre, fließend aus Schenkungen, jährlichen regelmäßigen Beiträgen und Zinsen vom Reservefond, betrugen 35,139 Dollars; die Ausgaben bezifferten sich in derselben Zeit ruf 30,065 Dollars. Der Reservefond beträgt 85,502 Doll. Diese Clevelander Anstalt, die sich in einem ebenfalls ihr gehörigen großartigen palastähnlichen Gebäude in einem mehrere Acker großen Garten befindet, steht unübertroffen da. Was wir von erfahrenen Jugenderziehern an einzelnen dieser jüdischen Waisenhäuser tadeln hörten, ist nicht das zu Wenig, sondern das zu Biel, — die gar zu reichliche und glänzende Ausstattung und Versorgung, durch welche die Kinder häufig geradezu verwöhnt wurden. Doch was einst Friedrich Wilhelm der Vierte von der „Loyalität" sagte, nämlich, daß sie auch in der Uebertreibung noch schön sei, das läßt sich mit weit mehr Recht von der Wohlrhätigkeil sagen. (Diese Tugend der Israeliten mit allen ihren thatsächlichen Wirkungen erkannte auch kürzlich Herr Wilhelm Rapp in 51

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