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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-12-11 · Heft 50 (11.12.1877) · p. Seite 801

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 50 (11.12.1877)
Date
1877-12-11
Page
Seite 801 (sequence 13)
Language
German
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801 mochte, ebenso wenig weicht die „alte" Wissenschaft der „neuen", welcher sie vor Allem nachweist, wie ganz unwiffenschaftlich sie verfährt. Haben sich jetzt bereits die bedeutendsten Heroen der Naturwiffenschaft von den Theorien Darwin'S und den Phantastereien Häckel's losgesagt, so erscheint jetzt Schrift nach Schrift, welche an der Hand der Thatsachen alle Blößen des neuen Systems aufdecken und Schritt vor Schritt Nachweisen, wie es aller factischen Begründung ermangelt. Wir können nach dieser Richtung die zweite Auflage von Friedrich Pfaff's „Schöpfungsgeschichte mit besonderer Berücksichtigung des biblischen Schöpfungsberichtes" (Frankfurt, Heyder und Zimmer, 1877) empfehlen. Wir sind nicht der Meinung, daß die thatsachlichen Ergebnisse sowohl der Astronomie und Geologie als auch der Paläontologie jetzt schon, wenn je überhaupt, die sichere Grundlage zu einer Anschauung der Schöpfungsgeschichte Larbieten. Es zeigt sich überall, daß man dabei von Voraussetzungen ausgehen muß, die so sehr außerhalb des Kreises reeller Beobachtung liegen, daß sie über ftagliche Annahmen und die Mittel zwischen zwei außerordentlich voneinander entfernten Maxima und Minima gar nicht hinauskommen. Uns inleressirt in dem Pfass'schen Werke am meisten die klare und sachkundige Beweisführung, daß für die angeführten Theorien gar keine Thatsachen vorhanden sind, diese vielmehr sämmtlich gegen sie sprechen. Die Beobachtung, also die Erfahrung bezeugt, daß noch Niemand im Thier- und Pflanzenreiche die Entstehung einer neuen Art gesehen hat, und damit ist entschieden festgestellt, daß Alles, was über die Bildung der Arten behauptet wird, bloße Vermuthung ist. Diese Erfahrung erstreckt sich über sehr beträchtliche Zeiten; denn eS liegen uns wohlerhaltene Reste von Pflanzen und Thieren vor, die uns genau dieselbe Unveränderlichkeit der Arten von den Zeiten vor der Eisperiode brs auf die unsrigen verbürgen. Unsere Waldbäume, andere Gewächse, Raubthiere, Rehe, Rennthiere u. a. finden sich gerade so, wie sie jetzt leben in den ältesten Ablagerungen, die vor der Eiszeit sich bildeten. Die Beweise, die der Verfasser herbeischafft, daß sich die Arten der jetzigen Schöpfungsperiode constant erhalten haben, verurtheilen alle Behauptungen der Darwinschen Schule. Die noch vor einigen Jahren allgemein angenommene Ansicht, daß dem Menschengeschlechte ein sehr hohes Alter zuzuschreiben sei, ist jetzt völlig widerlegt. Die in den Pfahlbauten gefundenen Reste zeigen, daß jene noch um den Anfang der christlichen Zeitrechnung bewohnt waren. Die ausgegrabenen Menschenschävel beweisen vielmehr, daß es sich mit den Menschen wie mit den Thieren verhält. Die höheren Klaffen der letzteren entstehen nicht aus den niedrigeren durch allmälige Uebergänge, sondern plötzlich, mit einem Male, vollständig mit allen ihren wesentlichen Merkmalen. Und ebenso ist es mit dem Menschen nach seiner körperlichen Beschaffenheit und seinen geistigen Anlagen. Die ersten Spuren, die wir von ihm bis jetzt gefunden haben, zeigen uns ihn genau auf derselben Organisationsstufe, wie die jetzt lebenden Menschen; dieselbe Kluft trennt ihn von dem der leiblichen Gestalt ihm am nächsten stehenden Thiere, dem Affen. Die Ableitung des Menschen vom Affen entbehrt jeder thatsächlichen Begründung. Die ältesten Menschenschädel zeigen gegen die der höchsten Affenarten eine mehr als dreifach größere Dimension, und sind den Schädeln der höchst cultivirten Völker vollständig gleich. Ebenso erweisen die Thalsachen, daß der Mensch plötzlich, in einem bestimmten Augenblicke, also als eine neue Schöpfung aufgetreten ist und daß sein erstes Erscheinen vor nicht sehr langer Zeit, wahrscheinlich erst vor wenigen Jahrtausenden stattgefunden hat. Hiergegen spricht auch nicht die alte Cultur China's und EgyptenS, da es für das Zeitmaß einer Culturentwickelung kein Gesetz giebt. Manche Völker entwickeln sich in einer überraschend schnellen Zeit, während andere viele Jahrhunderte auf derselben Stufe verharren. Die wirkliche Wissenschaft kann also eine allmälige Entwicklung aus einer niederen zu einer höheren Stufe bei Pflanzen, Thieren und Menschen nicht annehmen, sondern sie ist wieder angelangt, wo sie ftüher gestanden, daß diese Organismen Schöpfungen sind, die in derselben Beschaffenheit austraten, wie wir sie noch jetzt kennen. Dies sind die Ergebniffe der völlig unparteiischen Untersuchung des Herrn Pfaff. Vermischtes. Ein intoleranter Pastor. Die „Ostdeutsche Post" enthält folgendes „Eingesandt": Santomischel, 19. Novbr. Die hiesige evangelische Kirche feierte am gestrigen Sonntage das Fest ihres hundertjährigen Bestehens. Pastor Simon von hier hielt die Festrede, deren Hauptpointe darin bestand, daß er diejenigen Ellern, welche in die Lage versetzt sind, ihre Töchter zu vermiethen, davor warnte, dies nicht an jüdische Herrschaften zu thun — und daß es feinem Einflüsse zu ranken, wenn die von Seiten der jüdischen Gemeinde angestrebte Vereinigung mit der evangelischen Schule vereitelt worden sei. O, wie zu bedauern ist ein Pastor, der an einem Jubelfeste der Kirche kein anderes Thema findet, als im Widerspruch zur christlichen Nächstenliebe den Haß gegen Andersgläubige zu predigen! Und wie zu bedauern ist aber auch eine Gemeinde mit einem Pastor, welcher lediglich in der Schmähung und Verachtung anderer Confessionen seine Würde sucht — ein Pastor, welcher noch obendrein eine Borbereitungsschule für jüdische und chrifil. Knaben unterhält — hier scheint es allerdings nur auf das jüd. Geld abgesehen zu fein. Wenn man die Dienstmadchengeschichte übrigens von dem Standpunkte aus betrachtet, daß im Pastorhause kein Dienstmädchen aushallen kann, und daß die Frau Pastorin momentan selbst Köchin spielen muß, so berechtigt die Jubelpredigt zu dem Schluffe, daß das Thema dazu ex und pro domo alias Küche gewählt ist. Ein Jude.

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