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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-12-11 · Heft 50 (11.12.1877) · p. Seite 798

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 50 (11.12.1877)
Date
1877-12-11
Page
Seite 798 (sequence 10)
Language
German
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798 intern das Quantum der durch einen Kirchhof in 'daS Grundwasser gelangenden Fäulnißstoffe ganz zurücktritt gegenüber den organischen Stoffen, die von Abttitten und Küchenabfällen in den Boden gelangen. Die höhere Gefahr, welche in Leichenstoffen, als in den letztgenannten liegt, kommt erst beim Gebrauch als Trinkwasser in Betracht; nur hier kann selbst eine ganz geringe Menge von Jnfectionsstoffen große Gefahr erzeugen." Im Verlaufe sagt Professor Heim: „Da im israelitischen Friedhofe kein Turnus stattfinden soll, nach Ablauf dessen an der gleichen Stelle des Bodens neue Leichen begraben werden dürsten, so ist die Menge der zur Verwesung dem Boden übertragenen Substanzen eine viel kleinere als bei den meisten andern Kirchhofen. Für die Umgebungen gefährliche Infectionen sind meistens nur von Maffevkirchhöfen zu befürchten, wo im Laufe der Zeit einem beschränkten Gebiete eine sehr große Zahl von Leichen enge ineinander gedrängt und sogar durch Turnus wiederholt übertragen wird. Der Boven, der an und für sich die Fähigkeit hat, eine gewisse Menge faulender Substanzen der Art zu fixiren, daß selbst durchfließendes Wasser sie nicht wegreißen kann, wird dann allmälig übersättigt, und giebt mehr und mehr die Jnfectionsstoffe an das Wasser ab, während die Uebersättigung sich immer weiter ausbreitet. Die Ausbreimng der Jnfection nimmt sehr stark mit der Zahl der Leichen, die in einer bestimmten Zeit begraben werden, zu. Will man nicht zu zerstreMen Einzelgräbern in Wald¬ oder Ackererde seine Zuflucht nehmen, was allerdings außer der Verbrennung der Leichen das Beste wäre, so würde doch eine möglichst starke Vertheilung der Leichen in verschiedene kleinere Kirchhöfe die Gefahr, die in den Begräbnißplätzen liegt, überhaupt in hohem Grade vermindern, wahrend große Kirchhöfe durchaus verwerflich sind. Schon wegen seiner Kleinheit, abgesehen von der Bodenbeschaffenheit, ist vom israel. Friedhofe viel weniger Gefahr zu erwarten, als von den meisten anderen, unvergleichlich starker betriebenen und zum großen Theil auch viel ungünstiger gelegenen Kirchhöfen in St. Gallen und dessen Umgebungen." Diese Sätze sprächen allerdings gegen die Anlegung der ungeheuren Centtalfriedhöfe, welche man gegenwärtig in den Städten erstrebt. Italien. Turin, im November. Die Angelegenheit der neuen Turiner Synagoge, die, unverhaltnißmäßig groß angelegt, aus Mangel an Mitteln nicht vollendet werden kann und darum als eine halbe Prachtruine dasteht, ist bekannt. Die Stavtbehörde wollte sie ankaufen, aber die Mehrheit iu der jüdischen Gemeindeversammlung stimmte dagegen, ohne jedoch die Mittel zum Weiterbau herbeizuschaffen. Der Magistrat, wahrscheinlich durch baupolizeiliche Gründe ermächtigt, hat jetzt vemungeachtet den Ankauf beschlossen, und zwar für 150,000 Lire, für welche zu Gunsten der jüdischen Gemeinde 5procentige italienische Renten gekauft werden sollen. Man will die Stadtbibliothek dahin verlegen. Großbritannien. Loudou, 25. November. Am Sonnabend den 17. d. fand hier eine öffentliche Versammlung statt, welche vornehmlich für Israeliten bestimmt war und unter dem Vorsitz des bekannten Parlamentsmitgliedes Serjeant (d. i. Sachwalter) Simon in dem Local des jüdischen Arbeitervereins abgehalten wurde. Es galt die Stellung der Juden zur orientalischen Frage klarzulegen. Serjeant Simon bemerkte, es seien in dieser Angelegenheit falsche Anklagen gegen die Juden laut geworden, als sympalhisirten sie mit den Mohammedanern aus religiösen Gründen, in der Hoffnung, daß dadurch dem Christenthum Schaden erwachsen möge. Dies sei geradezu eine Verleumdung. Die Türkei habe den Juden in schlimmer Zeit mit großer Bereitwilligkeit ein Asyl eröffnet und sie seitdem vor Unbill geschützt. Als die Juden im Jahre 1472 aus Spanien vertrieben worden, hätten die Türken ihnen gastfreundliche Aufnahme gewährt. Es lasse sich nicht erwarten, daß die Juden das je vergessen würden. Der Redner gedachte weiter des Unrechtes und der Nachstellungen, welche die Juden in Serbien und Rumänien zu erdulden haben. Serjeant Simon bemerkte zum Schluß mit Bedauern, daß die Juden in den meisten Landern noch immer eine mehr oder weniger zurückgesetze Classe seien. Welche Stellung, meinte er, würde z. B. iu Deutschland Lasker bekleiden, wenn er nicht Jude wäre? In England dürfte das seine Stellung weniger beeinflussen, denn in England hätten es die Juden bereits zu hohen Ehren gebracht. Es gebe hochgeachtete Juden im Parlament, in der Advocatur, auf der Richterbauk und in sämmtlichen gelehrten Berufsfächern. (Unsere ausländischen Glaubensgenossen sind gegen das gegenwärtige Deutschland doch nicht selten ungerecht, was sie weniger sein würden, weun sie eine genauere Kenntniß unserer Verhältnisse hätten. Wir kennen z. B. in England keinen Juden in öffeutlichen Aemtern, die analog nicht auch Juden in Deutschland bekleiden, wir erinnern z. B. an die Stellung des Geh. Justizraths Goldschmidt, an die vielen Professoren und Kreisrichter. Einen Minister, der Jude, haben wir in England auch nicht, wahrend z. B. in Baden ein Jude ein Ministeramt bekleidet. Redaction.) Rumänien. Wien, 29. Nov. Auch in Rumänien scheint es zu tagen! Die „Presse" meldet: „Trotzdem die israel. Angehörigen der österreich-ungarischen Monarchie durch die Handelsconvention mit Rumänien berechtigt sind, in den ruman. Städten Grundbesitz zu erwerben, stieß die Geltendmachung dieses Rechtes bisher auf Schwierigkeiten bei den rumänischen Behörden. In letzter Zeit hat sich endlich Kogalniceano veranlaßt gesehen,

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