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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-12-11 · Heft 50 (11.12.1877) · p. Seite 792

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 50 (11.12.1877)
Date
1877-12-11
Page
Seite 792 (sequence 4)
Language
German
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792 sehen ist, daß Saadja mit diesem Ausdrucke die geschichtlichen Erzählungen der Bibel im Sinne hat, deren Glaubhaflkeit nie bezweifelt wurde (vgl. auch Einl. S. 13 am onn®: pi D'srasn 'iso naib kiLia roatoas mann »•aya, in welchem Passus vielleicht •nao in ■»-nsö emenvirt werden muß.) S. 9, 10 wird gesagt:4) „Die Thatsache von der sinnlichen Wurzel unserer Erkenntniß benutzt Saadja, um noch in schärferer Weise die Unhaltbarkeit des Einwandes, es könne nach Gott noch ein höheres Erkennbares geben, nachzuweisen. Alle unsere Erfahrungen 2) sagt er (B. 24, S. 49) kommen durch leibliche Vermittelung, d. h. durch die Sinne zu Stande, die Vernunft erzeugt durch deren Verbindung neue Resultate, die sinnlich nicht wahrzunehmen sind. Ist aber die Vernunft bereits zu einem Begriffe gelangt, der nicht allein alle Körperlichkeit abgelegt hat, sondern sogar des körperlichen Trägers nothwendig entbehrt^), so ist sie damit an die Grenze des Erkennbaren gelangt" u. s. w. Der Verfaffer hat zunächst nichts davon gemerkt, daß er mit seiner Auffaffung der weiter wörtlich anzuführenden Stelle Saadja eine Jnconsequenz im Ausdrucke aufgebürdet hat, die er schwerlich begangen haben kann. Das Wort aes S. 49 soll in Z. 13 „die Sinne" und in Z. 14 „Körperlichkeit" bezeichnen. was doch gewiß nicht ü>entisch ist. Natürlich ist der Verfaffer daher gezwungen, diese Stelle, deren richtigen Sinn er verkannt, auf gekünstelte Weise zu iuterpretiren. Die Worte Saadja's können aber gar nicht mißverstanden werden, wenn man ihre Beziehung auf das Borangegangene klar in's Auge faßt. Saadja will von den (S. 48) genannten fünf Ansichten über die Erkenntniß des Schöpfers die dritte, nach welcher man im Gedanken bei einem letzten Erkennbaren gar nicht stehen bleiben und daher der Annahme sich nicht erwehren könne, daß nach dem Gotte, den man auf dem Wege der vom Sinnlichen zum Ueberstnnlichen fortschreitenden Speculation gefunden, noch ein höheres Erkennbares vorhanden sei, widerlegen4). Zu diesem 1) Wir lassen hier die zu dieser Stelle gehörenden Anmerkungen des Verfassers folgen. 2» So übersetze ich das Wort mr'i-p nicht „Erkenntnisse" (Fürst, 135) da die Behauptung, alle unsere Erkenntnisse wurzelten in sinnlicher Wahrnehmung, mit der Annahme des Saadja von den drei Quellen unserer Erkenntnisse in offenem Widerspruche stünde. Unsere Erfahrungen haben allerdings alle ihren Ursprung in den Sinnen. 3) „So verstehe ich die Worte (B. 24; S. 49) nüp aeorai es» “Tina irr an» im-cia anvn." 4) Die mit vnriN e-»e na iepa aerri beginnende Refutation (S. 49) läßt nicht daran zweifeln, daß in dem Passus mn« rrr-r insn'p mnne a^aein minrri ein Wort ausgefallen und zwar hier zu lesen ist: m:ane a-eein a'nnso nms tw-p inrr ■'-ins („Andere denken, daß es nach der Erkenntniß Gottes noch eine andere Erkenntniß geben könne") vgl. S. 49 sn-prt ins nr»nb pme aierp aein -ansi ins yrr nrn und Seite 46 sn-rrr brr niran anei inrr rrp vnn« mrr rrb ynn«n. Sollte man aber durch- Zwecke recapitulirt er (S. 49) noch einmal die drei Gründe, aus welchen er (S. 47) die Unmöglichkeit einer in's Endlose sich fortdehnenden Reihe von Erkenntnißwesen dargethan hatte. Nun war aber noch einem Einwande zu begegnen, der hier erhoben werden konnte. Mit der Annahme, daß der Mensch bei einem letzten Erkennbaren anlangen müsse, über welches hinaus sich nichts denken läßt, war die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß denn doch noch etwas höheres vorhanden sein könne; das nur die menschliche Erkenntniß noch nicht erreicht hat. Darauf bemerkt Saadja, daß das Körperliche das Substrat aller Erkenntniß sei, von dem sie ausgeht und an dem sie haftet. Ist kein Körper da und auch nicht etwas, was der Körper nur irgendwie in sich schließt, so daß durch die Abstraktion seine Existenz festgestellt wird, so ist der Begriff der Erkenntniß nicht mehr anwendbar, weil überhaupt ein Gegenstand für dieselbe nicht mehr vorhanden sein kann. Das drückt Saadja aus mit den Worten: spaisi in« rmiab pme aiem aein ->bixi nairri nsa ta:n inri7»n sb an» *aaa ans naenai an« arr m rvrn naena rirrr ->a aairri pbs i?»n rrb abia amaena irr aean aiataa arr -*a mym ars nrrn bae -asa naos: irrnna sia-n sas-' aerrai naota nbnna »aapta aerra .bba anrr aia*» pan« mme r:a3 aaa aer -pna irr aer „Ich will hier noch eine Auseinandersetzung hinzufügen und sage: Wenn vielleicht Jemand denken wollte, daß nach diesem Erkannten ein anderes Erkennbares vorhanden sein könne, es habe nur dieses der Gedanke eines Menschen nicht erreicht oder es seien noch die Gedanken Aller nicht dazu gelangt, so erwidere ich darauf, daß eine solche Meinung haltlos ist, weil alle unsere Erkenntnisse nur durch das Medium der Körperwesen gewonnen werden, wie wir am Anfang des Buches bemerkt haben. Hat das Erkannte aufgehört ein Körper oder ein dem Körper Innewohnendes zu fein, so ist es bereits unmöglich geworden, daß es darnach noch irgend ein Erkennbares gebe." Würde Saadja mit ae^n aiLaa sagen wollen „vermittelst der Sinne", so wurde er freilich, sollte nwai hier „Erkenntnisse" bedeuten, mit S. 8, wo er für die Erkenntniß drei Organe und Gebiete annimmt, sich im Widerspruche befinden, allein er beruft sich ausdrücklich auf das zu Anfänge des Buches Bemerkte, und verweist damit wahrscheinlich auf den Ausspruch, daß die Begriffe des Verstandes sinnlich wahrnehmbare Gegenstände zur Grundlage haben (mbaeiara ■e anamaia br a^aeia amiim rne »a») und kann daher nichts anderes meinen, als daß alle Erkenntniß von der Wahrnehmung sinnenfälliger Wesen ausgeht. Den Gedanken, daß alle Erkenntniß bei dem Körperlichen anfange, drückt Saadja (S. 48) mit den Worten isaia’* rbnn msa aesta aus, so daß man unmöglich annehmen kann, er habe einige Zeilen darauf aus hier die Unantastbarkeit des Textes behaupten wollen, so wurde, wie aus der Widerlegung zu entnehmen ist, Gott nur aus dem Grunde als unerkennbar betrachtet, weil man sich ein letztes Erkennbares nicht denken kann.

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