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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-12-04 · Heft 49 (4.12.1877) · p. Seite 784

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 49 (4.12.1877)
Date
1877-12-04
Page
Seite 784 (sequence 12)
Language
German
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784 wendete, um eine Grabbesitzuug von ihnen zu erlangen, boten sie ihm das auserlesenste ihrer Gräber an; um den Preis von 400 Sekel Silber erwarb er die Doppelhöhle (Machpela) des Hethiters Ephron sammt dem umliegenden Felde als Eigenthum unv Erbbegräbniß. In der Art und Weise der Bestattung folgte sohin Abraham ganz dem Gebrauche der Ureinwohner Canaans. Die Felsengrüfte sind also nicht erst eine spätere hebräische Einführung, denn sie bestanden ja schon vor der Einwanderung Abraham's nach Canaan, sondern sind als eine Eigenthümlichkeit des aramäischen Hochlandes zu betrachten, deren Bewohner die bei allen alten Völkern mit mystischer Scheu als Heiligthümer betrachteten irdischen Überreste ihrer Angehörigen in natürlichen Felshöhlen verbargen; denn diese boten in der Urzeit das einfachste Mittel, den geliebten Todten den Entweihungen durch Menschen und Thiere zu entziehen. Als nach der Vertheilung Canaans unter die zwölf Stämme Israels ein Stammesunv Familienbesitz sich herausgebilvet harte, schritt man zur Anlage von Familien- und Erbbegräbnißstätten, deren heutzutage viele in Palästina wieder aufgefunden worden sind. Wenn wir die zahlreichen, namentlich in der Umgebung Jerusalems befindlichen Felsengräber übersichtlich betrachten, so bestehen sie aus zwei oder mehreren in Fels gehauenen Kammern, welche durch Zwischenwände getrennt sind und Lurch sehr kleine Thüröffnungen miteinander in Verbindung stehen. Der äußere, fast durchgehends viereckige Eingang in die Grabhöhlung war verschieden, bei einigen hoch, breit und theilweise mit Verzierungen, bei den meisten aber enge, von drei Fuß Höhe und Breite, so daß eben ein Mensch mit Mühe durchkriechen konnte. Auffallend ist die Erscheinung, daß fast ausnahmslos keines dieser Gräber mit einer Inschrift geziert ist, obgleich in jener Zeit die Schreibekunst längst bekannt war. Wir suchen den Grund darin, daß nicht die Familie, sondern nur der Stamm und das Individuum eigene Namen hatten, so daß der Brauch, die Gruft mit einem Namen zu bezeichnen, nicht leicht aufkommen konnte. Die Eingangsthür wurde durch einen Stein oder eine Steinplatte geschloffen, um die Todten namentlich vor Thieren zu schützen. Man machte deshalb die Thüröffnung so klein als möglich, um sie leichter öffnen und schließen zu können. Durch den Eingang gelangt man entweder unmittelbar in die Grabkammer oder aber in eine Vorkammer, welche viereckig und so groß ist, daß der Leichnam Raum, die Leichenträger Platz zum Abstellen der Leichen hatten. An der dem Eingänge gegenüberliegenden Wand oder auch an den beiden Seitenwänden führen kleine Thüren in die eigentlichen Grabkammern, die sich bisweilen zu einem förmlichen Labyrinthe verzweigen und nicht bloß nach dem Bedürfnisse, sondern auch nach der Beschaffenheit des Felsens zu richten scheinen. Die Grabkammern sind fast durchgehends viereckig, bald größer, bald kleiner, immerhin aber so lang, daß man eine Leiche bequem legen konnte, ohne sie zu biegen oder hineinzudrängen. Forscht man nun nach dem Ursprünge dieser Gestaltung, so diente ohne Zweifel die Doppelhöhle in Hebron als Typus; denn diese ist eine im Inneren durch eine Felsverengung in zwei Räume, einen vorderen und einen hinteren, gelheilte Höhle, deren letzterer als Todtenkammer benützt wurde, während der erste Hohlenraum die Idee der Vorkammer eingab. So war also die Zweitheilung der Machpela für die Formation der ihr nachgebildeten Felsengräber maßgebend. Ursprünglich wickelte man den Leichnam in ein Tuch und legte ihn auf den nackten Fußboden der Naturgrotte; so scheint die Bestattung Sarahs und der Patriarchen stattgefunden zu haben, ja heutzutage noch hüllen die Orientalen die Leichen bloß in Leinwand ein und legen sie ohne Sarg in das Grab, welches als Surrogat des einstigen Felsengrabes mit Steinen ausgelegt und sammt dem darin ruhenden Leichname mit Steinplatten bedeckt wird. In späterer Zeit bereitete man den leiblichen Überresten ein erhöhtes Leichenlager; man meißelte nämlich an einer oder mehreren Wanden der Todtenkammer eine um einen bis zwei Fuß über den Boven sich erhebende Steinbank aus, welche entweder vereinzelt war, oder aber an den Wänden nach Art eines Divans mit oder ohne Wölbung sich fortzog, auf welche der frische Leichnam gelegt wurde; man nennt diese Art Gräber Bank- oder Aufleggräber. War der Raum beschränkt, so nahm man die bereits auf die bloßen Gebeine verwesten Ueberreste herab und schichtete sie im Mittelraume auf. Diese einfache und auch zweckmäßige Einrichtung scheint die meiste Verbreitung gefunden zu haben. Von Anderen wurde in das Steinlager eine Vertiefung nach Art eines Troges gemeißelt, in welche sodann der Leichnam gelegt wurde; es war dies das Troggrab, welches mit dem späteren Sarkophage wohl in nächster Verbindung steht. Die über dem Felstroge belaffene Wand wurde nicht selten bogenförmig ausgehauen und bildete somit eine Wölbung, das Arcosolium bei den christlichen Gräbern in Rom. Eben so alt scheint das Schiebgrab zu sein; anstatt nämlich in das Steiulager eine Vertiefung zu hauen, welche den Wänden entlang lief, meißelte man in diese rechtwinkelig in den Felsen hinein, so daß ein rechtwinkeliger, vierseitiger, horizontaler und bodenebener, in den Felsen greifender Gang entstand, in welchen der Leichnam hineingeschoben wurde; dieses that man besonders dort, wo man möglichst viele Leichen unterbringen wollte. Man findet sie daher besonders in der Nähe der volkreichen Hauptstadt. Endlich ist noch des Senkgrabes zu erwähnen, wenn nämlich in den Felsboden der Grabkammer eine Vertiefung nach Art unserer Gräber gehauen wurde, in welche man den Leichnam senkte und die sodann mit einem Steindeckel geschloffen wurde. Diese Todtenkammern waren, wie aus Obigem erhellt, leicht zugänglich; pflegten ja die Israeliten nicht selten ihre theuren Todten heimzusuchen und Specereien über ihre Leichname auszugießen. Auf der Straße von Jaffa nach Gschifna (Gofna) liegt, 3 Stunden von letzterem Orte entfernt, bei der Ruinenstätte El-Tebna, dem einstigen Thimnat, das Grab Josua's, welches

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