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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-12-04 · Heft 49 (4.12.1877) · p. Seite 785

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 49 (4.12.1877)
Date
1877-12-04
Page
Seite 785 (sequence 13)
Language
German
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785 zu den schönsten Familiengräbern gehört. Nach dem Berichte des Buches Josua (24, 36) wurde dieser gefeierte Held aus seinem Besitzthume in Thimnatheres auf dem Gebirge Ephraim begraben. Gegenüber der Ruinenstätte von El-Tebna zieht sich an der Südseite eines Thales ein ganzer Gräberberg mit vielen in Fels gehauenen Todtengrüften hin, unter denen das Felsengrab Josua' durch die Schönheit seines Porticus sich bemerkbar macht. Durch einen 25 Fuß langen, in Fels gehauenen, unbedeckten Vorhof treten wir in das Vestibulum mit 2 freistehenden, in Fels gehauenen viereckigen Pfeilern uud 2 Halbpilastern, welche den theilweise beschädigten und von Gesträuch überwucherten Giebel tragen. Die Wanve des Atriums sind mit mehr als 250 kleinen Nischen geziert, die zur Aufnahme von Lampen dienten, mit denen bisweilen das Grab illuminirt wurde. Durch eine kleine, zum Theile verschüttete Thüre gelangt man in eine viereckige Kammer von 121/2 Fuß Breite und Länge, welche an der östlichen und westlichen Wand je 5 gleiche, an der Südwand aber 4 Schiebgräber enthält. Durch einen 2l/2 Fuß hohen, 2 Fuß breiten und 6l/ > Fuß langen Gang gelangt man südwärts in die zweite Todlenkammer von 7 Fuß Länge, 6 Va ' Fuß Breite und 4 Fuß Höhe, welche dem Eingänge gegenüber ein 1 Fuß 9 Zoll breites, 2 Fuß 3 Zoll hohes und 9 Fuß 3 Zoll langes Schiebgrab enhält. Die Anlage dieses Felsengrabes führt von selbst auf den Gedanken, daß in dem eine» Grabe der zweiten Höhle, welche künstlich ausgearbeitet wurde, das Familienoberhaupt beigesetzt wurde, während die 14 Gräber der ersten Todtenkammer für die übrigen Familievglieder bestimmt waren. (Schluß folgt.) Vermischtes. Portraits aus Bibelversen. Die Berliner Blätter erzählen: Ein Schwede, Namens Leibsohn, hatte im vorigen Jahre ein Portrait König Oskars ausgeführt, das aus lauter mikroskopisch kleinen Buchstaben, zusammen längere und kürzere Auszüge aus der Bibel bildend, bestand und das in der Kunstwelt ein gewisses Aussehen erregte. Zufolge einer schwedischen Zeitung hat jetzt Leibsohn ein ähnliches, aber noch künstlicher componirtes Portrait des Kaisers Wilhelm ausgeführt, welches er nächstens in Berlin auszustellen gedenkt. Das rechte Auge besteht aus ausgewählten Versen aus den Psalmen Davids, das linke aus Versen aus den Sprüchen SalomoniS, dem Buch der Prediger und dem Hohenlieve. Der Kopf besteht aus dem ganzen Buch des Predigers Salomonis, dem Hohenlieds und zwei Psalmen Davids. Das Haar beginnt mit einem Verse auS dem Hohenliede. Die Uniform ist aus Sprüchen Salomonis und dem Propheten Daniel zusammengesetzt. Der Name des Kaisers schließlich besteht auS einem hebräischen Gebet für das kaiserliche Haus und zwei von den Psalmen Davids. j (Diese Art von Kunfispielerei ist nicht neu. Wir erinnern uns schon vor fünfzig Jahren das. Portrait des Königs Friedrich Wilhelm III. aus dem Buche Esther in hebräischer Sprache bestehend, gesehen zu haben. Der Schreiber war ein polnischer Jude.) _ Die Affentheorie. Wir bemerkten schon einmal gelegentlich, daß Karl Vogt sich jetzt von der Theorie, daß die Menschen von den Affen abstammen, die er einst auch in seinen, an vielen großen Orten gehaltenen Vorlesungen zu demonstriren und auszubreiten suchte, losgesagt habe. Neuerdings aufgefundene Thatsachen und das weisere Alter haben ihn von der Jrrthümlichkeit seiner früheren Ansichten zurückgebracht und er ist offenmüthig genug, um dies einzugestehen. Hierzu bewogen ihn wohl auch die Uebertreibungen, in welche jüngere Schriftsteller, namentlich Häckel verfielen. In seinem jüngsten Artikel (IX) über die „Neueren Fortschritte in den Naturwissenschaften" sagt er wörtlich: „Diesen Thatsachen gegenüber läßt sich die Beziehung der Halbaffen zu den Affen und durch diese zum Menschen nicht mehr aufrechterhalten, und die Ansicht, welche die Halbaffen vielmehr als eine künstlich zusammen gestellte Sammelgruppe bezeichnet, in die man Thiere brachte, welche von verschiedenen Seiten her durch eine höhere Ausbildung der Extremitäten zu Händen sich auszeichnet, gewinnt eine größere Wahrscheinlichkeit. Die Zerstörung eines Jrrthums leistet aber der Wissenschaft vielleicht einen noch größeren Dienst, als die Entdeckung einer neuen Wahrheit; letztere muß ftüher oder später doch aufgefunden werden, und ihre Herstellung ist deshalb nur eine Frage der Zeit, während der einmal aufgenommene Jrrthum jahrelang mirgeschleppt wird, weil Niemand daran denkt, ein scheinbar abgeerntetes Feld auf's neue in Angriff zu nehmen." — Diese letzten Worte sind von Bedeutung. Allerdings wird es immer Hypothesenjäger geben, welche aus Neuerungssucht und Eitelkeit halbbegründete Bevbachtungen zur Grundlage neuer und vermessener Theorien machen. Aber daS größere Publikum wird doch wenigstens für einige Zeit lernen, sich nicht jedem solcher wissenschaftlichen Abenteurer blindlings in die Arme zu werfen und seine religiöse und sittliche üeberzeugung daran zu geben. Wir sagen „für einige Zeit", denn mit dem Speculationsfchwindel verhält es sich auf allen Gebieten gleichmäßig. So lange die Nachwehen eines Krachs fühlbar sind, verurtheilt man jenen und hält sich von ihm fern. Sind diese Nachwehen erst wieder einmal überwunden und durch die Zeit in den Hintergrund der Vergessenheit geschoben, so läßt man sich wieder verlocken. Der strengen Wissenschaft aber kann man vertrauen, daß sie immer wieder nicht anstehen wird, alle diese Irrungen, unter denen sie selbst nicht wenig leidet, stets wieder aufzudecken.

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