Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1877)
- Date
- 1877-12-04
- Page
- Seite 782 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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ver Synagogengemeinden unentbehrlich ist. Wenn jetzt schon die Klagen über den Lehrermangel und den dadurch bedingten Verfall des religiösen Lebens in Synagoge und Schule immer lauter werden, so würde ein Eingehen oder selbst ein nur kümmerliches Fortbestehen unserer Anstalt jede Abhülfe unmöglich machen. Von dieser Ueberzeugung durchdrungen, haben wir es gewagt die neuen Einrichtungen zu treffen, ohne im Besitz der nölhigen Mittel zu sein. Die Zahl der Schüler ist dadurch wieder auf über zwanzig gestiegen und die Aussicht auf fortschreitende Entwickelung und Beffergestaltung der Anstalt gegeben — wenn uns das Vertrauen auf die oft bewahrte Opferwilligkeit nicht tauscht. Es bedarf nicht großer Opfer. Wenn j e d e Synagogengemeinde der Provinz sich verpftichtet, nur ein Procent ihres jährlichen Budgets zur Erhaltung unserer Anstalt beizusteuern, so ist dem dringendsten Bedürfniß abgeholfen und eine sichere Grundlage gewonnen. Es handelt sich um die Erhaltung der Anstalt! Für Erhaltung der Schüler, die ganz bedeutende Kosten verursacht, hat bisher die Wohlthätigkeit hiesiger Gemeindemitglieder gesorgt, die jetzt wieder in einer dafür veranstalteten Sammlung aus das Glänzendste sich bewährt! Möge das Beispiel Nachahmung und das heilige Werk der Iugendbildung überall warme Herzen und offne Hände finden'/' Oesterreich - Ungarn. Wien, 19. November. Behufs Besprechung der für den 25. d. M. ausgeschriebenen Ergänzungswahlen in den Vorstand der israelitischen CultuSgemeinbe fand gestern im Saale der Handelsakademie eine zahlreich besuchte Wählerversammlung statt. Kammerrath Wilhelm Frankl, der die Versammlung als Obmann des Wahlcomitss leitete, machte derselben die Mittheilung, daß in diesem Jahre fünf Neuwahlen für eine vierjährige Functionsdauer vorzunehmen sind, an Stelle der nach dem Turnus ausscheieenden Vorstandsmitglieder Jg. Ritter v. Ephrussi, Gustav Ritter v. Epstein, Joseph Hieldburghäuffer, l>r. Angelo Ritter v. Kuh und M. Pollak Ritter v. Borkenau, sowie eine Ergänzungswahl mit dreijähriger Functionsdauer in Folge des Rücktrittes des Herrn Moritz Ritter v. Königswarter; ferner, daß für die Ergänzungswahl Herr Phil. Thorsch (Firma M. Thorsch Söhne) seine Candidatur schriftlich angemeldet habe. Es folgte nun eine längere lebhafte Discussion, betreffend die von mehreren Seiten dringend befürwortete Einführung von Reformen in der jüdischen Liturgie, sowie den jüdischen Religionsunterricht, und wurde der Vorstand ersucht, die diesbezüglichen Wünsche der Wählerschaft möglichst der Verwirklichung zuzuführen. Die Candidalur sämmtlicher ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurde mit Acclamarion angenommen. In Betreff der Ergänzungswahl wurde jedoch kein Resultat erzielt. Wien, 23. November. Die gestern stattgehabte zweite Versammlung der Wähler der Wiener israelitischen Cultusgemeinde acceptirte auf Antrag Kompert's für die durch den Rücktritt des Baron v. Königswarter erledigte Vorftandsstelle als Candidaten Herrn Dr. med. Benedict Schulz in Anbetracht der verdienstvollen Wirksamkeit deffelben auf humanitärem und medicinischem Gebiete. Mehrere hierauf gestellte Anträge: auf Ersetzung der Chorknaben durch ein Männerquartett bei Leichenconducten, auf Veröffentlichung von Jahresberichten über die administrative Thätigkeit des Gemeindevorstandes und mehreres Andere werden, wie der Vorsitzende, kaiserlicher Rath Frankl, im Namen der Vertretung der Cultusgemeinde zusagte, vom Vorstände einer eingehenden Prüfung unterzogen werden. Schweiz. St. Gallen, 25. Nov. (Privathmitth.) Wir sind wieder einmal siegreich aus dem Kampfe hervorgegangen. Gestern ist vom Großen Rath der vorjährige Beschluß betreffend die Aufhebung unsres israelitischen Friedhofs auf unsre mehrerwahnte Remonstrations-Eingabe aufgehoben und uns die Fortbenutzung des Friedhofs gestattet worden. Mit welcher Spannung unsre Gemeinde dieser Verhandlung entgegengesehen und welch' einen Aufwand von Zeit und Mühe diese ganze Angelegenheit erforderte, brauche ich Ihnen wohl nicht erst zu schildern. Der Bericht über diese Sitzung des Großen Raths vom 23. d. lautet: „Es wird übergegangen zur Behandlung des Commissionalberichres, betreffend die Aufhebung des israelit. Friedhofes in Tablat. Für die Commission referirt Hr. vr. Lanier. Nach Darlegung der factischen Verhältnisse und nach der rechtlichen Begründung der Frage, wobei insbesondere dem Gutachten des anerkannten Fachmannes Prof. Dr. Heim gerufen (?) wird, stellt die Commission den einstimmigen Antrag: dem Petitum der israelitischen Religionsgenoffenschaft zu entsprechen und derselben die Fortbenutzung des Friedhofes in Tablat zu gestalten. Hr. Bezirksrichter Künzle begründet seinen Antrag auf Abweisung der Petition vom Standpunkte der Gleichberechtigung aller Bürger vor dem Gesetz sowohl als vom Standpunkte der durch die Expertise der Herren vr. Gutzwiller und Prof. vr. Kaiser nachgewiesenen gesundheitsschädlichen Einflüffe auf die Umgebung in einläßlicher Weise. Hr. Gmd.-Amm. Kuhn von Degersheim erklärt, die Commission habe sich durch den Augenschein überzeugt, daß durch uns keine sanitäre Gefährde für die Umgebung und für die Brunnen bestehe. Es sei bewiesen, daß die Streitfrage einzig und allein durch Privatspeculation hervorgerufen worden, daß Privatintereffen dabei im Spiele seien. Wenn keine ärgeren Gerüche im Kronthal ausströmen, als die vom Friedhof herrührenden, so gratulire er den den dortigen Bewohnern. Er zeigt im Ferneren, daß