Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1877)
- Date
- 1877-11-27
- Page
- Seite 768 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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768 König zum „Beistand" haben. Lange hatte er sich — so erzählt „Budapesti Napilap" — den Kopf zerbrochen, wie es wohl möglich wäre, zu dem Herrscherhause in verwandtschaftliche Beziehungen zu treten. Die beste Gelegenheit hierzu schien ihm die Verheirathung der schonen Rosika zu bieten. Der wackere Kompatriot ergriff daher die Feder und lud das Herrscherpaar in der herzlichsten Weise ein, an der Trauung theilzunehmen; dem König bot er sogar das Ehrenamt des Beistandes an. Der Brief lautet wörtlich wie folgt: „Se. Majestät dem apostolischen König Franz Josef I. in Wien. Unterzeichneter Jsraelite, der in Bärsonyos, Veßprimer Comitat nahe zu KisbSr wohnt, bittet ergebenst um Verzeihung, daß er trotz seiner Armuth es wagt, Ew. Majestät und die Gattin Ew. Majestät, unsere geliebte Königin, zu der am 6. des kommenden Monats stattfindenden Trauung seiner Tochter Rosa Glücksmann mit Moritz Weiß, achtungsvoll einzuladen. Gleichzeitig bittet er auch Ew. Maj. die Beistandschaft anzunehmen. Indem er hofft, dieses hohe Glück zu erlangen, verbleibe er Ew. Majestät unterthanigster Diener David Glücks mann." Edle Maske. Der israelitische Frauenverein in Wien wurde in den letzten Tagen auf das angenehmste überrascht, als sich beim Oeffnen der Blechbüchse, die zur Aufnahme der zahlreich einlaufenden Unterstützungsgesuche im Vereinslocale aufgestellt ist, eine Tausendgulvenbanknote ohne jede weitere Spur des edlen Gebers vorfand. Da jedoch die Zahl der zu solchen Spenden Befähigten mehr und mehr abnimmt, unter denselben die Wenigsten es lieben, sich in den Schleier der Anonymität so streng zu hüllen, so dürfte das Erkennen der wahrhaft „edlen Maske" nicht allzu schwer falle». Am 13. November wurde an dem in der hiesigen Altstadt gelegenen Geburtshause des vor einiger Zeit in Wien verstorbenen Dichters Mosenthal eine marmorne Gedenktafel mit einfacher Inschrift angebracht. Die Kosten dafür wurden durch freiwillige Spenden hiesiger Verehrer des Todten gedeckt. Zum Zwecke bestimmter Ermittlung des Geburtshauses bedurfte es gewiffermaßen erst „historischer Forschungen", da sich anfänglich mehrere Häuser um die Ehre stritten, einst die Wiege des Dichters geborgen zu haben. Der Herausgeber einer ausländischen Zeitsckrift ist so unwiffend, daß er vor einiger Zeit Schabuoth und Simchath-Thora in ihrer Bedeutung verwechselte! General Grant, der ftühere Präsident der Vereinigten Staaten, hat bei seinem Aufenthalte zu Paris bei dem Banquier Seligmann ein Fest angenommen, was deshalb erwähnenswerth ist, weil dieser Seligmann ein Bruder des ehrenwerthen Mannes ist, den der Richter Hilton so brutal behandelt hat. Ein Goldmacher. In Valparaiso ist jetzt der Löwe des Tages ein israelit. Elsäffer, ein gew. Paraff, deffen Vater ein Wachstuchfabrikant in Paris ist. Er hat einen bis jetzt noch unbekannten Proceß gefunden, um 3 Procent Gold aus dem chilesischen Kupfer zu ziehen. Nachtrag. Oesterreich-Ungarn. Pest, 16. Nov. (Privatm.) Der gestrige Tag verdient als ein denkwürdiger verzeichnet zu werden: Se. Majestät der König beehrte nämlich das neu eröffnet Rabbinerseminar mit feinem hohen Besuche. Im Seminargebaude waren feit Mittag die zum Empfang Sr. Majestät Berufenen versammelt. In dem mit Blumen und Teppichen decorirten Vestibüle des Lehrgebäudes hatten sich halbkreisförmig aufgestellt: Die Mitglieder der Commission für die Landesrabbinerfchule, unter Führung des Präsidenten der Landeskanzlei, Herrn Martin Schweiger, die Seelsorger der Gemeinden Pest, Ofen und Altofen und der Lehrkörper des Rabbinerseminars. Kurz nach 3 Uhr Nachmittags kündigten die rauschenden tzljenrufe der vor dem Gebäude angesammelten Menschenmenge die Ankunft Sr. Majestät an. Der König, in deffen Begleitung sich Minister Tröfort, General-Adjutant Moudel und Ministerialrath Karl Szäß befanden, dankte beim Eintritte für die warme Begrüßung, worauf die Profefforen Rabbiner Brüll und Bloch vortraten und bedeckten Hauptes mit lauter Stimme den rituellen Segensspruch für den Monarchen in hebr. Sprache recitirten. Es trat nun Herr Martin Schweiger vor, und hielt folgende (ungarische) Ansprache: Kaiserliche und apostolisch königliche Majestät! Allergnadigster Herr! Im Namen der Commission und des Profefforencollegiums der Rabbinen-Bildungsanstalt begrüße ich Ew. Majestät mit tiefstem Dankesgefühle in dieser Anstalt, welche in Folge der allergnädigsten Entschließung Ew. Majestät zur Heranbildung unserer Glaubenslehrer errichtet ward. — Wir nehmen diesen allergnädigsten Besuch als die allerhöchste Auszeichnung, welche unsere Confession treffen konnte; wir betrachten dieselbe zugleich als das günstigste Vorzeichen hinsichtlich des jüngst begonnenen Wirkens unserer Anstalt, und es