Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1877)
- Date
- 1877-11-20
- Page
- Seite 751 (sequence 11)
- Language
- German
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751 Erlitten dort immer noch Schmach und Pein, Als Gott ihn rief zur Ewigkeit ein. In schlimmen Zeiten ging er hin. Und die Seinen legten zur Ruhe ihn. Doch bevor sein Auge dem Jrd'schen sich schloß. Von feinen sterbenden Lippen noch floß Sein wichl'ges Geheimniß; den horchenden Frau'n, Die ihn anblickten mit Begierde und Grau'n, Beschrieb er genau den schrecklichen Ort, Das Grabesthor, wo den Schatz sie finden. In tief verborgenen furchtbaren Gründen, Wenn sie zögen von Neuem nach Cordova fort. IV. Dann kehrt er sein Antlitz still zur Wand Und die Seele entschwebte in'S ewige Land. V. Die Jahre zogen rasch dahin — Der junge Menaffeh durchfurchte das Meer, Schaffte Früchte des Südens zum Norden hin, Da sank sein Schiff vor des Corsaren Speer; Die kräftige Beut' in jugendlichem Blüh'n Mußt mit dem Sieger fern als Sklave zieh«. Schneeweiß und gramgebeugt war Zillah's Haupt, Rahel, in frischer Schönheit, leicht von Sinn, Gab sich dem heitern Leben willig hin, Der Tugend ihres alten Stammes beraubt. Da plötzlich tönt aus Spanien die Kunde, Daß endlich schlug der Rettung Stunde Für Israel, dem Feuertod entronnen. Ein neues Leben sei ihm dort begonnen. Auch Zillah und Rahel, elend und arm. Das Antlitz zerstört von Schande und Harm, Sie kehrten in Cordova's Mauern zurück, Dort nun zu erspähn das verlorene Glück. VI. Sie waren so arm; in Schmutz und Koth Zwang sie die unerbittliche Noth Nach einem Kerzlein zu suchen, deß dürftiger Schein In Grabesnacht seinen Strahl sollte leih'n. Ein elend Stümpfchen von Frohen verschmäht. Dem hell es geleuchtet in der Seinen Kreise, Nun als nutzloser Rest verworfen, verweht. Die Frauen jauchzten, die schwere Reise In des Grabes düster» Schreckensschooß Erschien ihnen minder hoffnungslos; Des dürftigen Lichtes hungriger Strahl, Er sollte sie retten von Noch und Qual. Vll. Sie traten zitternd in der Gräber Raum, Der Mond versank, Nacht lagert schwarze Maffen In dunkler Luft, sie furchtbar zu umfaffen. Sich anzuhesten ihrer Kleider Saum. Der schwache Schein von ihrem trüben Licht Durchdringt die finsteren Gebilde nicht. Gleich wie verlor'ue Seelen, aufgescheucht. Die keine Lust, kein Hoffnungsstrahl erreicht. Tief, undurchdringlich ballt sich rings die Nacht, Hält unsichtbar ob dieser Gräber Wacht, Jagt Schrecken, bleierne Angst in ihr Gemüth, Kein Sternbild über ihren Häuptern glüht, Schatten auf Schatten seh'n sie rings sich mehren. Als wollt' die Nacht noch neue Nacht gebaren. vm. „Rahel, Rahel, du bist schlank. Hebe das Licht die Mauer entlang." „Mutter, halte mich fest und wohl, Eins . . zwei . . drei . . die Erve klingt hohl!" „Rahel, Rahel, du schreitest so schnell!" „Mutier, es schwindet des Lichtes Quell!" „Rahel, was siehst du beim schwachen Schein?" IX. Einen schriftbedeckten Leichenstein. Der Hügel gesunken, das Moos wuchert dick, Doch sieben Worte erspäht der Blick, Das siebente Zeichen im siebenten Wort — Ein Fingerdruck — der Stein rückt fort, Es gähnt der Tiefe geöffnetes Thor Und Moderluft quillet schaurig hervor. Wild umschwirrt sie aufgescheuchtes Gethier Und flackernd zucket das Lichtlein schier; Doch zu ihren Füßen im Lüstern Grab Windet sich Stufe auf Stufe hinab. Schwindelnd hinab zu grausen Tiefen, Wo Rabbi Ben-Ephraim's Schätze schliefen. X. Da saßen sie still an des Grabes Rand, Das Herz in Jubel und Angst gebannt, Bon Furcht gepackt in den öden Raum, Bon Freude erstarrt wie in tiefem Traum, Bor sich ein neu erglänzendes Leben, Im Herzen wildes jauchzendes Beben — So standen sie zitternd, den Fuß gebunden, Am Rand der Schätze, die sie gefunden. Die alte Mutter begann: „Mein Kino, Die Schätze zu finden bin ich zu blind, 47*